Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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)> Neue Nadonal-Zeitung" Nr. 27. Seite 2. gen der anderen Völker, zur Verfügung zu stellen seien. Und da will man noch von einer Niederlage der Antisemiten sprechen? Es hat ja nicht an Versuchen gefehlt, die yResolution als etwas harmloses, als einen Schreckschuss hinzustellen, durch den sich die Juden nicht einschüchtern lassen sollten. Das sozialistische Hauptorgan hat sogar unter der Einwirkung der Hundstage den Juden zugemutet, f ü r die Resolution zu stimmen, weil dadurch nur bewiesen würde, dass die Juden fleissig und wissbegierig sind. . . . Mit nichten. . . . Man lese die Resolution. Dort heisst es nicht, dass das Zahlenverhältnis der jüdischen und christlichen Mittelschüler zu erheben sei, denn das besorgt das statistische Amt ohnehin. Es soll vielmehr dieses (bereits bekannte) Zahlenverhältnis mit den wirklichen Bevölkerungsziffern in Einklang gebracht werden. Das antisemitische Hauptorgan sprach zwei Tage vor der Abstimmung ganz offen „von der Resolution Schmid betreffend die Zulassung der jüdischen Studierenden an die Mittel- und Hochschulen nach Massgabe des Prozentsatzes der jüdischen Bevölkerung". Warum wollen wir uns denn selbst über den wahren Charakter des geplanten Leberfalles täuschen oder täuschen lassen? * Die deutschen Parteien haben sich ausgezeichnet. Bis auf einige Fortschrittliche wie Bendel, Dr. Pergelt, Dr. Gustav Gross, Dr. Lecher. Baron d' E1 v e r t und ihre getauften zwei Parteigenossen haben die deutschen Parteien, Christlichsoziale, Deutschnationale, Deutschradikale, Alldeutsche gegen die Juden gestimmt. Von den 162 Stimmen entfallen mindestens 120 auf die Deutschen. Das ist der Dank dafür, dass sich die Juden in den slavischen Ländern für das Deutschtum die Köpfe blutig schlagen lassen, dass sich Wortführer der Juden, wie Herr Dr. Ofner, ,,ihr Deutschtum absolut nicht nehmen lassen". Das ist dafür, weil wir uns an die deutsche Kultur klammern und uns mit ihr affichieren. Diese jdeutsche Kultur bildet den geistigen Lebensinhalt jener Männer, die den Juden jede Bildungsmöglichkeit und damit auch jeden Anteil an den geistigen Errungenschaften unserer Zeit wegnehmen wollen. Eine traurige Kultur. Es war die höchste Zeit, dass sich ein grosser Teil unseres Volkes vom Deutschtum und seiner Kultrur losgesagt hat. Die 162 Stimmen, die im Parlamente auf die Resolution Schmid gefallen sind, müssen endlich die ganze Judenschaft zu einer Parole vereinigen: Los vom Deutschtum! L. Das neue Quartal hat begonnen. Wir bitten um Einsendung der Pränumerationsgebühr mittelst der Erlagscheine. Lesen Sie den JJufruf auf der 2. Umschlagseite! ßie Rede des Abgeordneten ©f. gtpaucheF. (Scbluss). Die Resolution Schmid. Meine Herren! Ich gelange nun zur Besprechung der bekannten S c h m i d sehen Resolution. Dieser Resolution wurde im Budgetausschuss ein äusserlich harmloser Anstrich gegeben; aber der Herr Abgeordnete Schmid hat in seiner Rede in der Sitzung am 2. d. M. die wahre Tendenz seines Resolutionsantrages gezeigt. Diese geht dahin, dass für die jüdischen Studierenden ein Numerus clausus an den österreichischen Mittel- und Hochschulen eingeführt wird und nichts anderes. Der Herr Abgeordnete Schmid hat bei dieser Gelegenheit alle möglichen Insulte und Beschimpfungen gegen die Juden vorgebracht, (Lebhafter Widerspruch und Rufe: Das ist nicht wahr!) Ich kann Ihnen nachweisen, dass es wahr ist. (Abgeordneter Heinrich Schmid: Das ist eine Lüge!) Ich werde Ihnen sofort Ihre eigenen Worte zitieren. (Abgeordneter Heinrich S c h m i d: Der Kollege Kuran da hat selbst gesagt, dass ich sehr massvoll gesprochen habe!) Dann hat er vielleicht Ihre Rede nicht genau gelesen, aber ich habe sie gelesen und habe sie hier im-Wortlaute. (Lebhafte Zwischenrufe.) Es wurde die so oft aufgestellte und ebenso oft widerlegte Behauptung von dem angeblich grossen jüdischen Einfluss, von der grossen jüd'schcn Macht, von der l'cberschwemnvmg der Staatsämter durch Juden (Zwischenrufe), von der Arbeitsscheu der Juden, von dem unermesslichen Grundbesitz der Juden (Ruf: Stimmt!) — Sie werden es gleich hören, ob es stimmt und auch von verbrecherischen Neigungen der Juden. (Abgeordneter Prochazka: Stimmt!) Für Ihre Zwischenrufe werden Sie vermutlich von Ihrer Partei in irgendeiner Weise ausgezeichnet. (Lebhafte Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Ritter v.Starzynski: Meine Herren, ich bitte keine Zwiegespräche zu führen. Abgeordneter Dr. Strauch er: Mit dem Lachen widerlegen Sie gar nichts. Meine Herren! Es ist doch bekannt, dass eine grosse Zahl staatlicher Behörden trotz Geltung der Staatsgrundgesetze derzeit für die Juden noch völlig unzugänglich sind, und dass es überhaupt ausserordentlich schwer fällt, sehr gut qualifizierte einwandfreie jüdische Bewerber in öffentliche oder in Sfaatsanstellungen zu bringen. Ich bitte mir zu gestatten, meine Herren, dass ich Ihnen das gleich nachweise, denn es scheinen manche Herren von allen diesen Sachen sehr wenig oder gar nichts zu wissen. Wo sind denn beispielsweise die Juden in der Intendanz, im Auditoriat . . . (Ruf: Na!) „Na" — das ist wieder eine Widerlegung! ... im obersten militärischen Justizsenate; im obersten Gefällsstrafgericht, das eine Sektion des Obersten Gerichtshofes bildet, im Justizministerium, bei den Oberlandesgerichten, beim obersten Gerichts- und Kassationshofe, in der Generalprokuratur, beim Verwaltungsgerichtshofe, beim Reichsgericht, bei den politischen Behörden? Haben wir irgendeinen jüdischen Bezirkshauptmann, Statthalterei- oder Regierungsrat, Regierungssekretär oder Regierungskommissär? (Zahlreiche Zwischenrufe, — Abgeordneter Zeiner: Massenhaft beim Verwaltungsgerichtshof!) Ja, „massenhaft"!