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Neue Nationalzeitung · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 26. ,Neue National-Zeitung" Seite 11. Er hat dafür, wie der „C'ri de Paris" berichtet, ein Honorar von 3000 Pfund, also 70.000 Kronen, und ausserdem 200 Pfund, also fast 5000 Kronen Tage gelder erhalten. Der Prozess hat aber nicht weniger als 21 Tage gedauert. Mr. Rufus Is'i:k:s hat .demnach 42.000 Pfund rund eine Million Kronen. a.u Tagegeldern einkassieren können Selig Brodetzky ist jetzt der Held des Tages in London und ganz England Die Tageblätter widmen ihm Artikel, beschreiben sein Tun und Lassen, bringen sein I'ortr.it. Diener Selig Brodetzky ist kaum 20 Jahr.* alt. Kr isi der Sohn eines nach London ehigewaTub-rtt-n russischen fuden und war selbst schon 5 fahre alt als er mit seinen Eltern den einstmal gastfr -in EVuli-n Englands aufsuchte. Nun hat er an der c'ami)ndger DniversiKd den ersten P r e 1 » errungen. Sein ( ienie für ivi alliernatik erregt Aufsehen Di:* luden von Whiteehapel sind stolz und verweisen d.ir »uf, <l;i-s der g<'ni'de Mathematiker aiK'h in- Talnv.ui »üir gut /u Hause ist. Moritz Steinschneider und die Wiener Hofoibliothek. Justizrat Dr Max Steinschneider, Sohn des im Vorjahre in Berlin verstorbenen Orientalisten Moritz Steinschneider, eines gebürtigen Oesterreichers, hat an die Wiener Hofbibliothek die Anfrage gerichtet, ob sie geneigt wären die Widmung eines Portrait des verstorbenen Gelehrten anzunehmen. Der Direktor der Hofbibliothek Hofrat Dr. Karabaczek hat sofort bejahend geantwortet und nach Ueberreichung des betreffenden Portraits nachstehendes Dankesschreiben an Justizrat Dr. Max Steinschneider gerichtet: „Euer Hochwohlgehoren hatten die Güte, in Ihrem Namen und im Namen der Familie des verstorbenen Gelehrten Professor Dr. Moritz Steinschneider das wohlgetroffene Portrait dieses ausgezeichneten Mannes der k. k. Hof bibliothek als Geschenk zu widmen. Der unterzeichneten Direktion gereicht es zum besonderen Vergnügen, Euer Hochwohlgeboren für diese sehr willkommene Gabe den wärmsten Dank auszusprechen, indem sie zugleich Euer Hochwohlgeboren bittet, der gütige Vermittler des Dankes auch bei der Familie des Verblichenen sein zu wollen. Der k. und k. Hofrat und Direktor der k. k. Hofbibliothek: Karabacsek m. p. Wien, 15. Juni 1908." Antisemitische Moral. Aus Czernowitz wird uns geschrieben: „Hier erscheint seit einiger Zeit ein christlichsoziales Hetzblatt, das seinen Lesern nach bewährten Mustern die schamlosesten Beschimpfungen der Juden bietet. Bosheit mit Dummheit gepaart. Denn sonst wäre die folgende Unvorsichtigkeit in derselben Nummer dem Blatte nicht passiert: Für christliche Witwen In Sereth Behufs Verleihung von Unterstützungen von je 101) Kr. an drei Witwen christlicher Konfession aus der Leib Achner'schen Stiftung zur Unterstützung armer Witwen in Sereth wird hiemit der Konkurs ausgeschrieben. Anspruch auf Verleihung einer dieser Unterstützungen haben nur sittlich unbescholtene Witwen, welche in Sereth sesshaft sind. Näheres siehe Czernowitzer Zeitung vom 11. d. M Christen, kaufet nur bei Christen J Juden haben trotz alier Beschönigung beschlossen, überall wo es tiur möglich ist, die Christen zu verdrängen und zu boykottieren. Gleiches muss mit Gleichem vergolten werden! Kein Jude darf von Christen profitieren, es muss jedem Christen ins Fleisch und Blut übergehen, dass er nur wieder Christen zu unterstützen hat. Wenn jeder seine Pflicht erfüllen würde, gäbe es in wenigen Jahren keine Judenfrage mehr für uns. Darum alle Mann an Bord» Das Blatt bringt also gleichzeitig eine Verständigung von einer jüdischen Stiftung, die christlichen Witwen zugute kommen soll: Ein Beispiel deplazierter jüdischer Toleranz. Und auf der nächsten Seite predigt es den wirtschaftlichen Boykott der Jaden. Gleiches muss eben mit Gleichem vergolten werden!" * Anmerkung der Redaktion: Die Leib Achner'sche Stiftung iu Sereth verdient eine ganz besondere Würdigung und wir behalten uns vor, auf dieselbe demnächst ausführlich zurückzukommen. Hier liegt ein Fall der Rechtsverdrehung seitens des k. k. Landes-Präsidiums Bukowina aus der Aera Bourguignon vor, wie er wohl noch nie vorgekommen ist. Leib Achner hat testamentarisch sein Vermögen von zirka einer Million Kronen ausschliesslich jüdischen Zwecken vermacht; die Landesbehörde hat es aber verstanden, gegen das Testament, somit gegen den Willen des Erblassers, einen Teil des Nachlasses für christliche Zwecke zu ergattern. Mit welchen Mitteln — werden wir schon erzählen. Die Antisemiten in der Bukowina sind noch sehr jungen Datums. Darum halten sie sich einen Meschumed, Namens Schäfer, als Ratgeber. So ähnlich wie die Wiener Antisemiten seinerzeit den Dr. Low. Diesem Josef Schäfer ist nun ein Malheur passiert, Er hat als Gerichtsbeamter Amtsgelder unterschlagen und die Staatsanwaltschaft hatte so wenig Respekt vor ihm, dass sie ihn verhaften Hess. Für die Antisemiten ist Schäfer jetzt der — „Judenstämmling"; Minister Gessraaun will natürlich von seinem „Freund" Schäfer nichts mehr wissen. Jüdische Wohltätigkeit in — Berlin. Während Wiener jüdische Millionäre, — sofern sie nicht, wie jüngst wieder Herr Reitzes, dessen Grossvater als armer Hausierer nach Wien gekommen ist, aus dem Judentum austreten — ihre grossen Spenden ohne Unterschied der Konfession widmen, haben wir Gelegenheit, in der Berliner Gemeinde einen ganz anderen Geist zu beobachten. Im letzten Winter hat die Berliner Kultusgemeinde folgende grosse Stiftungen erhalten: von Frau Greheimrat Simon eine halbe Million Mark zur Unterstützung von Frauen und Mädchen, die mit akuten oder chronischen Frauenleiden behaftet sind; von Frau Wwe. Mathilde Priester 12.600 Mark und eine Zimmereinrichtung für das dritte Altersasyl der Gemeinde; von den Eheleuten Justizrat Rosenhoitn 40.000 Mark für wohltätige Zwecke; von den Erben des Baron Bleie hröder 200.000 Mark zu FerienausflüTen für Schüler; von den Erben des Kommerzienrat Israel 100.000 Mark für Lungenkranke; von Frau Ida Feist 10.000 Mark für israelitische Waisenmädchen. Von der 20 Millionenstiftung des Wiener Baron Nathaniel Rothschild weiss man noch immer nicht, ob ein jüdischer Arzt in diesen Nervenanstalten Beschäftigung und in welchem Masse jüdische Patienten Aufnahme finden werden. 300 jüdische Auswanderer aus Rumänien, die auf Kosten der „Icatt vor vierzehn Tagen in Rotterdam einlangten, wurden nach Hause zurückbefördert. Die Regierung von Kanada, wohin die Emigranten reisen sollten, hat es über telegraphische Anfrage abgelehnt, mit Rücksicht auf die traurigen wirtschaftlichen

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