Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425748--0879-2427195- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10. „Neue ttatioiial-2eitütigu ftr. 2& findig maclu1. den gestohlenen Gegenstand zurückzucrlangen. Eines Tage.-; wurde wieder in die Kolonie eingebrochen und ein Freund machte den Wächter darauf aufmerksam, dass das gestohlene Gut im Hufe des Scheichs in Sarapid, einem arabischen Dürfe, vergraben wurde. Der Wächter forderte mehrere jüdische Kolonisten auf, ihn nach Sarapid zu begleiten, und tatsächlich wurden die Gegenstände im Hofe des -Scheichs gefunden. Derselbe erklärte jedoch: Die luden suchen mit den .Arabern Händel und hätten selbst die Sachen bei ihm \ ersteckt; er alarmierte d.is Dorf und die Umgebung. Zufolge seiner Würde und seines Ans. heus gelai\g es min, alle Araber gegen die Juden aufzuhetzen. Am anderen .Morgen zogen die wutentbrannten Männer, geführt von dem Sohne des Scheichs, der selbst den Diebstahl verübte, nach K istin je, führten mit sich abgeschlachtete Schale und Ziegen und schrieen: „Nicht genug, dass die Juden stets Händel mit uns suchen, töten sie auch un^er Vien. Aber jetzt wollen wir, trotzdem wir schon die Anzeigehierüber bei der Behörde erstattet, selbst persönliche Rache an unseren Feinden nehmen." Als sie sieh schon zum .Angriffe anschickten, stellten sich ihnen die arabischen Lohnarbeiter auf den jüdischen Kolonien entgegen lind es gelang diesmal, ohne Blutvergiessen die Angreifer zum Rückzug zu bewegen. Der Sohn des Scheichs erklärte aber vor dem .Abzüge, er komme in Bälde mit einer grösseren Truppe wieder, werde die Kolonie verwüsten und die Bewohner derselben vertilgen. K> entstand eine grosse Panik in der Kolonie. Weiber und Kindel zitterten um ihr Beben. Angst überfiel die Bewohner der ungeschützteren umliegenden Ansiedlungen, sie verliefen ihre Wohnstätten und flüchteten nach Kastinje. — Nach Jaffa wurde um Hilfe telegraphiert. Von dort kam der Vorsteher des J'alästinacomitees, um sich zu orientieren, und nach Feststellung des Sachverhaltes kam er hieher zum Pascha und zum englischen Konsul, unter dessen Schutz die Kolonie steht, um nach Vorbringung des Falles energische .Massregeln gegen die Angriffe der fanatisierten Araber zu erwirken. Ks ist zu hoffen, dass der Vorfall ohne ernstere Folgen vorübergehen wird. GgMSiNUe=^t> VSRgiNSNMftRitBSW Ein Seehospiz für arme jüdische Kinder. Wien. Am 10. d. M, hat die konstituierende Versammlung des Vereines „() e s t e r r e i c h i s c h e s S e e h o s p i z" stattgefunden. Derselbe bezweckt: a; Verpflegung und ärztliche Behandlung skrophuloser, rhachitischer, sowie hochgradig anämischer israelitischer Kinder ohne Rücksicht auf deren Zuständigkeit und Wohnort, und zu diesem Zwecke Errichtung und Erhaltung eines oder mehrerer Seehospize; h) Betrieb der mit solchen Anstalten zusammenhängenden und deren Zwecke fördernden l ntcniehmungen. Die Beteiligung an der Generalversammlung, in welcher als erste Proponentin die Präsidentin des Vereines „Ferienheim", Frau Sofie G r ü n f e 1 d, den Vorsitz führte, war sehr zahlreich. Ks erschienen Vertreter der Statthalterei und Polizei- Direktion, sowie das Präsidium und mehrere Mitglieder des Kultus vo r s t an des. Delegierte hatten entsendet die Vereine: „Verband der israel. Humanitätsvereine Bnai Brith für Oesterreich", der "Verein „Eintracht Bnai Brith", der Verein „Wien Bnai Brith", ..Frauenhort", „Elisabeth-Lehrmädchcnhon", „Kinderschutz" und „Brigittenauer Frauen Wohltätigkeitsverein''. In der Eröffnungsrede wies die Vorsitzende nach Bcgrüssung der Erschienenen darauf hin, dass der Verein „Kaiser Franz Josephs-Fcrienhcim" die Notwendigkeit der Begründung einer derartigen Fürsorgeinstitution aus seiner in i(> Jahren gesammelten Erfahrung empfunden habe, also nicht etwa durch eine momentane Idee zu dieser Schöpfung gelangt sei. Ein Komitee hat sich durch mehr als zwei Jahre mit den Vorbereitungen und Vorarbeiten beschäftigt, deren .Ergebnisse der Versammlung unterbreitet werden. Als Huldigungswerk für den Monarchen, getreu dessen Intentionen, ubergibt das Ferienheim das begonnene Werk dem nun zu wählenden Vorstand, welcher bereits einen Betrag von fast 100.000 K als Grundstein vorfindet., Namens des I'rojjonentenkomitees erstattet nun Sekretär Guido!• u c h s g e 1 b einen ausführlichen Bericht, in dem es u. a. heisst: „Gelegentlich der ärztlichen Untersuchung der beim Verein „Ferienheim" einschreitenden Petenten — es sind deren alljährlich zirka ] 200 — ausschliesslich Wiener Kinder — wurden in jedem Jahre fast 50 an Skrophulose, Knochentuberkulose oder hochgradiger Rhachitis leidende Bewerber vorgefunden. Die Bemühungen, diese armen, unglücklichen Geschöpfe in einem Stadium, in welchem dieselben noch der Gesundung zugeführt werden können, in einer diesem Zwecke dienenden Anstalt unterzubringen, waren fast in allen Fällen erfolglos. Handelte es sich doch zumeist um Kinder, die schon in bezug auf die Heimatsberechtigung nicht jenen Anforderungen entsprechen konnten, die von den derzeit bestehenden Hospizen gefordert werden. Die Angehörigen dieser Kinder gehören fast durchwegs der ärmsten Klasse an, s > dass auch die Zahlung der Verpflegskosten ausgeschlossen erschien. Als ein trauriges Zeichen unserer Zeit konnte aber auch wahrgenommen werden, dass die politischen Verhältnisse nicht ohne Einfluss auf jene Humanitätsanstalten geblieben sind, die mit interkonfessionellen, Gehlem g eg ründet und erb alten werden, sei es von Vereinen, sei es von zur Fanhebung von Einlagen berechtigten Körperschaften. So sah nun der Vorstand des Vereines Ferienheim ein. dass für diese armen, kranken Judenkinder etwas geschehen müsse. Er dehnte sein Wirken über jene Ziele aus, die bei seiner Gründung ins Auge gefasst waren, indem er alljährlich eine Gruppe solcher Petenten in ein Jodbad entsandte. Freilich konnte dies nur in einem ganz bescheidenen l'mfange geschehen. Aus den Jahresausweisen des Vereines „Ferienheim" ist zu entnehmen, dass im Ganzen während des (6jährigen Bestandes 26b Kinder teils in Bad Hall, teils im Jodbade Darkau jenen) Kuren zugeführt wurden, ih ren sie bedurften. Die Erfahrungen der Aerzte in den letzten Jahren lernten uns die grossartige Heilwirkung der See kennen und wenn ursprünglich die Absicht bestand, ein eigenes Heim in einem Jodbade zu errichten, so ist es nur zu begriissen. dass an die Stelle dieses Planes die Jdee der Errichtung eines Sechospizes getreten ist. Ein aus der Mitte der Vorstandsmitglieder und Beiräte des Vereines „Ferienheim" konstituiertes Komitee begann nun die erforderlichen Vorarbeiten zur Begründung eines Seehospizvereines. Nach eingehenden Erwägungen kam das Komitee zu dem Schlüsse, dass der zu gründende Verein seine Wirksamkeit nicht allein auf in Wien wohnhafte Kinder, sondern auf Schützlinge aus allen Ländern unserer Monarchie erstrecken soll. Dazu war es zunächst notwendig, mit den Hauptstädten in Fühlung zu treten und zu ermitteln, ob und inwieweit die zu schaffende Institution von auswärts auf materielle Förderung rechnen könne. Diese Fühlungnahme hat günstige Aussichten eröffnet, Unsere Delegierten, welche in uieser Angelegenheit mehrfache Reisen unternommen haben, fanden allseits bei den berufenen Faktoren die freundlichste Aufnahme. Ein besonders reges Interesse für die Sache konnte in 'Priest wahrgenommen werden, w oselbst durch die Tatkraft der Herren Komm. Edmund Richetti Edler v. Terralba. Rabbiner Dr. V. Brettholz und Dr. Julius Graf, ein Lokalkomitee sich der Aktion annahm und bis zum heutigen Tage eine ansehnliche Summe von Spenden für das zu schaffende Seehospiz erzielte. In Wien selbst, aber auch in der Provinz fand unsere Idee zahlreiche Gönner, so dass ein Betrag von fast K 90.000 teils erlegt, teils gezeichnet erscheint, obwohl die offizielle, grosse Werbeaktion nunmehr erst beginnen soll." Hierauf folgten die Wahlen. Die Stelle des Präsidenten wurde freigelassen. Wahrscheinlich wird ein „grosses Tier" gesucht. Zur Vize-Präsidentin wurde Frau Sofie Grünfcld gewählt. Sonst gelangten in die Vereinsleitung die Herren kajs. Rat L. Sachs, Abg. Dr. M ahlcr, Max Frank, Prof. S. Khrm an 11 und mehrere Herren aus den Bnai-Brith-Logen. Seine Majestät ,der K a i s e r hat gestattet, dass der Verein „Oesterreichisches Seehospiz" den Titel ,,Oesterreichisches Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Seehospiz" führen dürfe. In das Kuratorium dieses Vereines hat das hohe k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht den Herrn k. k. Ministerialrat Doktor Sigmund Pilat delegiert. m ftUEN WeLtf CiLCN Der Kronanwalt des englischen Königs ist der j iidi sclie Advokat Mr. Rufus Isaacs. Er ist gegenwärtig im vereinigten Königreich der Advokat, dessen Worte am meisten Goldwert haben; jedes Wort, das in einem IMaidoyer dem Gehege seiner Zähne entflieht, lässt sich nach Guineer! berechnen. In einem Rrozess, der wegen des Erdbebens von Jamaika der Versicherungsgesellschaft London und Lancashire gegenüber durchgeführt wurde und in dem er die Verteidigung übernommen hatte, haben die Richter soeben nach seinem Antrage entschieden.