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Neue Nationalzeitung · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 20. „ftfcüe Nätk>näi-2eit\ing" Seite 9. Verhalten des „Fraind" und ähnlicher Organe missbilligen. Es dürften diese Zeilen genügen, um sie zu veranlassen, in nicht misszuverstehender Weise gegen solche Artikel des „Fraind" öffentlich aufzutreten. Die Gelegenheitsmacherei im Kloster. Tarnöw, den 18. Juni. (Orig.-Korr.) Es steht nun fest, dass jüdische Mädchen in Galizien ganz vogelfrei sind. Seit dem Falle Stiglitz in Krakau, der sich im Jahre 1885 ereignet hat, über den Fall Äraten hinaus bis heute lässt's sich haarscharf beweisen: die Juden sind nicht nur Staatsbürger^ sondern auch V ä t e r z w e i t e r K1 a s s e. Ist ja doch jene famose Entscheidung des ()bersten Gerichtshofes vom 20. Oktober 1885, Z. 12005 in Kraft, welche, im Gegensaue /um klaren Wortlaute des § 145 des allgemeinen bürgerliche^ Gesetzbuches, wo nach Eltern berechtigt sind, „vermisste Kinder aufzusuchen, entwichene zurückzufordern und f 1 ü c htige mit obrigkeitlichem Beistande zurückzubringen", bestimmt: „Das Kind jüdischer Eltern, welches zum Christentum übergetreten ist und sich in ein Nonnenkloster begeben hat(?j, können die Eltern n i c h t zurückfordern." Also das Verbrechen der E n t f ü h r u n g ->ann an Mädchen unter 24 Jahren straflos begangen werden, wenn diese Mädchen J ü d i n n e n sind und in ein Kloster geschleppt werden. Versuche es nur jemand ein christliches Mädchen unter 24 Jahren zum Rabbiner zu bringen und es dort unter gleichzeitigem Uebertritt zum Judentum zu - rückzuhalten . . . Wie würden da die galizischen Gerichte und Geschwornen und der — Obersie Gerichtshof entscheiden? . . . Wir brauchen es nicht zu sagen. Es gibt noch eine Gerechtigkeit in Oesterreich. Und nun schreiten wir zum jüngsten Entführungsfalle, der sich vor einigen Tagen, in der Nacht vom 12. auf den 13. d. M. in dem benachbarten Dorfe Czarna ereignet hat. Da ist plötzlich die 15 jährige Tochter des Schankers Hirsch Gerstner verschwunden. Allgemein bezeichnete man den Gendarmerie-Postenführer Michael Sabol als denjenigen, der das Mädchen in ein Kloster entführt hat. Und tatsächlich wurde auch festgestellt, dass sich das Mädchen im Kloster von Mogilany bei Krakau aufhalte. Von hier wurde es wieder in das > Krakauer Kloster der Felicianerinnen überführt. Don befindet es sich noch, trotzdem bereits die Eltern die Strafanzeige bei der hiesigen Staatsanwaltschaft erstattet haben. Was hat der Gendarm durch die Entführung des jungen Mädchens erreichen wollen und was für Zwecke unterstützen die frommen Schwestern durch ihre verbrecherische Freiheitsberaubung? Gibt es wirklich kein Mittel, um diesem Menschenraub seitens der galizischen Klöster ein Ende zu bereiten? Es ist sehr bedauerlich, dass keiner der jüdischen Abgeordneten diese mittelalterlichen Zustände während der Budgetdebatte beleuchtet hat. Zar Reichsrats wähl in Mielec-Tarnobrzeg. Lemberg, den 21. Juni (Orig.-Koir.) Am 9. Juli findet im Wahlbezirk Mielec-Tarnobrzeg s. A. an Stelle des zum Stalthalter ernannten JDr. Bobrzyn»ki die Ergänzungswahl für den Reichst at statt. HA der vorjährigen fiauptwahl erhielt Dr. Bobrzynski 3500 Stimmen, hingegen der jüd-nat. Eabbiner Schmelk e s 1300 Stimmen. Bildete diese letztere Stimmenanzahl noch immer eine Minorität, so war sie doch respektabel und bei dem Umstände, als in diesem Bezirke die bekannten galizischen Missbräuche zu Gunsten des oifiziellen Kandidaten sehr in die Wagschale fielen, der Beweis einer starken jüaisch-nationalen Bewegung. Jetzt, kurze Zeit vor der Wahl, hören wir aber noch nichts von einer jüdisch-nationalen Kandidatur. Seitens der Polen wird Uuiv.-Prot. (iörski aus Krakau, ein Gesinnungsgenosse Dr. Bobrzyn^kis kandidiert; seitens der Judisca-Nauouaien seneint man aber von einer Kandidatur abzusehen. Von den offiziellen Partei blättern meint lediglich das „Tagb:attu, es möge sich im Bezirke erst eine Bewegung zeigen, dann werde man dieselbe von hier aus unterstützen. Das klingt sehr flau. Deutsches Reich. Die jüdische Technik 111 Palästina. Berlin, den 16. Juni. (Orig.-Korr.) Ueber die bevorstehende Gründung eitler jüdischen Technik in Palästina und die dann: in Verbindung stehende Reise des J)r. Paul Nathan dorthin, worüber wir in der Nr. 24 ausführlich berichteten,, veröffentlichte der Frankfurter „Israelit" in seiner .letzten Nummer nachstehende Einteilung: „Dr. Paul Nathan, der nn Zeitraum v-m wenigen Wochen schul) zum zweiten Maie das heilige Land besuchte, mu^ste diese Woche mu h vierzehntagigem Aulenthalt in ilaifa und Jerusalem ziemlich enttäuscht wieder nach Kur• >pa zurückkehren. Dr. Nathan hatte die Absicht, den v '.rundstem eines Polytechnikums •— zu welchem Zwecke der Nachlass des JJerrn W>a W lssotzky aus Moskau benutzt werden sollte in Haifa zu legen, doch verweigerte der türkische Staat die Erlaubnis zur i^rrichtung des Instituts. Am Ii die Pläne einer beabsichtigten Agrikulturschulc in Jerusalem sind?* 1 ■ ht soweit gediehen, wie man gehofft hatte 11 na ist die Eröffnung derselben bis auf weiteres hinausgeschoben worden."' Der Inhalt dieser Mitteilung ist jedoch nicht ganz richtig. Dr. Nathan sah sich daher veranlasst, an den „Israelit" eine Zuschrift zu richten, mit der Aufklärung, dass er nicht die xVbsicht gehabt, den Grundstein für ein Polytechnikum in Palästina zu legen; und daher mit einer Bitte um eine entsprechende Erlaubnis an die türkische .Regierung auch nicht herangetreten sei. Seine Reise hatte den Zweck, die Verhältnisse an Ort und Steile nochmals zu prüfen, damit auf Grund des gewonnenen Materials das Kuratorium der Wissotzky-Stiftung seine .Wahl treffen und entsprechende Beschlüsse fassen könnte. Auch die Absicht, eine Agrikulturschule in Jerusalem ins Leben zu rufen, hat der Hilfsverein der deutschen Juden niemals gehabt, so dass die Behauptung „die Eröffnung dieser Schule sei bis auf weiteres hinaus geschoben worden", nicht den Tatsachen entspricht. Palästina. Ein neuer Zusaninien*toss in Palästina. Jerusalem. Welchen Gefahren seitens der Araber die jüdischen Kolonien noch immer ausgesetzt sind, zeigt nach dem bekannten Vorfall in Jaffa neuerdings folgender Zusammen stoss auf dem flachen Lande: Die jüdische Kolonie Kastin je erlitt gross-en Schaden dun h fortgesetzt verübte Diebstähle seitens der eingesessenen arabischen Bevölkerung. Sie stellte daher einen Araber als Wächter an, der gegen eine besondere Vergütung sich verpflichtete, jedes Kolonien-Gerät, welches gestohlen werden sollte, zu bezahlen, insofern ihm die Juden helfen, wenn er den Dieb aus-

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