Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue National-Zeitung' Seite 5. mögen immer auf praktischer Grundlage, in An - lehnung an die JSibcllektüre und das Festjahr durchgenommen werden. wStärkere Betonung der Bibelkuiulc. Angabe und Kennzeichnung der biblischen Quellen und der geschichtlichen Stellung der biblischen Bücher. Genaue Kenntnis des Gebetbuches und Gottesdienstes, mit Vermeidungder Zerstückelung der Gebetstücke. Abschaffung der deutschen Bibellektüre „mit Auswahl" für Mädchen, dafür intensiveres Ucbersctzen, insbesondere der liturgischen Psalmen. Vielleicht wird bei der definitiven Festlegung des Lehrplanes mancher auf diese Anregungen zurückkommen. „Für die Jugend ist das Beste gerade gut genug", dies Wort gilt insbesondere für unseren Religionsunterricht. Und so freuen wir uns denn, dass mit dem vorliegenden Lehrplane ein guter Anfang gemacht wurde, (wenn wir uns auch nur mit den Worten trösten können: „In grossen Dingen genügte, guten Willen gezeigt zu haben." „©ie %diffoeiheit und die %yx\as $o$e im KlitFhitfh" Mit Bezug auf den in unserer Feierlagsnummer 16/17 veröffentlich:on Artikel haben wir eine Erwiderung von Herrn Rabbiner Dr. R o s e n m a n n (Wien) erhalten. Wir ind leider erst jetzt in 'der Lage, dieselbe zu publizieren, da wir auf die Rückkehr des inzwischen verreisten Autors warten nuissten, um ihm die Möglichkeit zu geben, seinen Standpunkt zu verteidigen. Dr. Rosenrnann schreibt: „Die anerkennenswerte Absicht, die Sie bei der Veröffentlichung obgenannten Artikels leitete, Ihren Lesern ein richtiges Bild vom Werdegang des Judentums zu bieten, wird Sic sicherlich auch veranlassen, einer Zuschrift Raum zu gewähren, die einige notwendige Korrekturen an den Ausführungen oberwähnten Aufsatzes vornehmen will. Der Passus Seite 3: „Die Ausleger waren hier nicht . . . pharisäische, auf unantastbare, jede freie Forschung von vornherein abschliessende Heber - lieferungen pochende Gi setzeslehrer", ist eine ebenso ungerechte wie Ldsclie Beurteilung des Pharisäismus, des legalen Vaters des heutigen Judentums. Die zahllosen im Talmud enthaltenen Bemerkungen sind schlagende Beweise für die Forschungs¬ und Lehrfreiheit im talmudisch-pharisäischen Lager! Aber auch die neutestamentische diffamierende Behandlung des Pharisäismtts als solchen ist nach den Untersuchungen von Zacharias Frankl, Graetz, Weiss, Friedmann, Halevv, wohl längst als eine politisch einseitige festgestellt worden, die nicht nur vor der jüdischen, sondern auch der vorurteilslosen allgemeinen Wissenschaft nicht stand halten kann. Der Korrektur bedarf auch das Zusammenwerfen der Synagogen und ,,Lehrhäuser", das wohl hie und da irrtümlich bei nicht jüdischen Autoren vorkommt, sonst aber sorgfältig vermieden wird. In den Synagogen wurden „Vorträge" gehalten, in den Lehrhäusern wurde „gelernt", welcher Vorgang bei dieser Zweiteilung noch bis zur Stunde im Osten unseres Vaterlandes (Galizien, Xord-Ungarn") leicht zu beobachten ist. ( Historisch unrichtig ist ferner das hypertrophische Hervorheben des alexandrinisch-hellenistischen Judentums auf Kosten der anderen gesünderen und konstanteren Teile. Das alexandrinisch-hellenistische Judentum war zentripetal oder, wie ein hervorragender Gelehrter sich ausdrückte, „es lag an der Peripherie der jüdischen Wissenschaft"; es war - um eine moderne Bezeichnung zu gebrauchen — gleich den Hellenisten Palästinas durch und durch assim i 1 a t o r i s c h und bildete den mit „Allegorien" gedüngten Boden des Abfalls zunächst zum Heidentum und dann zum Christentum. Schliesslich sei erwähnt, dass die Behauptung auf Seite 2, als ob die ersten Synagogen in der V'ormakkabäischen Zeit nur in Aegypten zu finden wären, an Josephus, bell. j. VII. 3. 3 ihre Berichtigung findet. In Antiochien gab es schon damals eine Synagoge und in Sades verlangten die Juden — nach Josephus Ant. XIV, TO, 24 — einen Platz zum Bau einer Svnagogc. Die von Renan übernommene Anschauung, dass die Synagoge „in weiter Entfernung und völlig unabhängig von dem allmächtigen, das religiöse Leben beherrschenden Tempel in Jerusalem" entstanden sei, ist gegenüber den klaren Angaben des Talmud, dass nicht bloss in Jerusalem, sondern sogar auf dem Tcmpclberg selber eine Synagoge vorhanden gewesen (Vgl. Taanit 27 b, namentlich Joma 68 b und ebenso Tosefta Sukkah IV cd. Zuckcnnandel p. 108. i6\, gleichfalls nicht aufrecht zu erhalten." Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Ar likel des Herrn Dr. Rosen mann dem von ihm korrigierten Verfasser des Aufsatzes: „Die Lehrfreilich etc." zur Gegenäusserung übermittelt und erhielten von demselben die folgende Antwort: Wie man von einer .Forsehungs- und Lehrfreiheit im talmudisch - pharisäischen Lager' sprechen kann, wo man die Vertreter ketzerischer Anschauungen aus den Synagogen hinausfluchte fp)irkhat-hamminim,i, wo man denjenigen, die, wie Hiob und Koheleth, die Auferstehung leugneten, die göttliche Inspiration der Bibel bezweifelten, ja sogar solchen, welche externe Bücher lasen, die künftige Sceligkeit absprach; ist mir wenigstens unerfindlich. Zwischen meiner und Herrn Rabbiner Doktor Rosenmanns Geschichtsauffassung gähnt eine unüberbrückbare Kluft: e'- kann nicht zu mir und ich kann nicht zu ihm hinüber. Hier ist weder eine Verständigung möglich noch eine Polemik fruchtbar. Er stützt sich auf theologische Autoritäten wie Frankl, G r ätz, W e i s s und F r i e d m a n n; ich aber erkenne bloss eine Autorität an: die ersten Quellen! l ud das Recht, sie mit eigenen Augen'zu lesen, sie zu prüfen, zu vergleichen und mir mein eigenes Erteil zu bilden, lasse ich mir durch niemand verkümmern. Er spricht von der pharisäischen Synagoge, von der Klaus; ich aber von den Synagogen des Welt Judentums, der griechischen Diaspora, welche, wie zeitgenössische Quellen ganz dezidiert berichten: wahre „D i d <i s k a 1 e i a", Lehrhäuser waren. Ihm. der sich auch hier auf einen „hervorragenden Gelehrten" beruf1, ist das pharisäische Judentum vorchristlicher Zeit das wahre, das herrschende, das hellenistische aber bloss „an der Peripherie des Judentums gelegene" gewesen: ich ab-r, der ieh weiss, dass das damalige Diasporajudentum sow ohl numerisch als qualitativ dem palästinensischen überlegen und ein bewegender Faktor in der Weltgeschichte war, während jenes sich abseits und ganz still verhielt, ich habe die entgegengesetzte Ansicht. Freilich in einem Wochenjournal, wo eine Darstellung nur skizzenhaft sein kann, vermag ich durch