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Neue Nationalzeitung · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Kr. 23. j,Netie National-Zeitung" Seite 9. wir die für türkische Verhältnisse ganz ausserordentliche Schnelligkeit in Betracht ziehen, mit der die Hedjasbahn gebaut wurde, darf man wohl annehmen, dass Palästina in den nächsten zwei bis drei Jahren um eine Eisenbahnlinie reicher sein wird. Ueber die Wichtigkeit dieser Eisenbahn braucht man wohl kein "Wort zu verlieren; mit dieser Linie wird eine neue ökonomische Epoche im Laude beginnen. Juden wird nictit vermietet 1 Diese Spässe sind nicht bios in aen deutachen »Seebädern zu lesen, wo sie alljährlich um diese Zeit aktuell werden, sondern auch im freien — Amerika. Wir haben bereits vorigen Jahres in einem amerikanischen Brief ausführlich von den grossen Hotels in den »Seebädern erzählt, dass sie an Juaen keine Logis abgeben. Damals wurde geschildert, wie die bcnwester des jüdischen Senators Hayners sogar spät Nachts ein solches Hotel verlassen musste. (üanz Amerika war damals schrecklich entrüstet und es hiess, dass sogar ein Gesetz gegen einen derartigen Unfug erlassen werden müsse. Die „Oeffentlichkeitu hat sich bald wieder beruhigt. Und diese schöne Sitte macht Fortschritte, sie greift sogar bis in das Zentrum von New-York, wo eine Million Juden lebt. Da hat sich der Milliardär William A s t o r ein Zinshaus autgebaut, richtiger einen kolossalen Häuserblock, der 15 Millioueu Kronen kostet. Herr A s t o r mag keine jüuischen Einwohner und er hat seinem Direktor Henry Badgerly strengen Auftrag erteilt, einem Juden nichts zu vermieten. Da es sich hier um Wohnungen handelt, von denen jede eiue besondere Treppe, eine eigene Wagenremise oder eigene Automooilgarage und noch deiartige Luxuseinriohtungen hat, so dürften sich die breitesten jüdischen Volksschichten schwerlich über die Maiotte des Herrn Astor kränken. Die oberen jüdidisohen Zehntausend werden darin vielleicht doch eine Mahnung sehen, dass dort drüben noch nicht das gelobte Land ist, welches sie so schön lobpreisen. Eine noch so humane Kede Hoostwelts kann darüber nicht hinwegtäuschen, dass die massgebenden Geldsäcke in Amerika die Juden gesellschaftlich ausschalten möchttn. Dia jüdicChe Emigration nach Nordamerika nimmt ab. Im Monate April 1908 haben in New- York gelandet: 2920 Personen, darunter 2.272 aus Kussland und 32U aus Oesterreich. Im April 1907 waren es b215 Personen. Die Gesamteinwanderung nach New-York betrug während der ersten vier Monate dieses Jahres 86.U11, gegen 317.213 im gleichen Zeiträume des vorigen Jahres. Es hat daher die allgemeine Emigration eine Herabminderung um 73 Perzent erfahren. Die Zahl der jüdischen Emigranten betrug in New-York vom 1. Jänner bis Ende April 1908 15.589 Personen, gegen 22.124 im gleichen Zeiträume des vorigen Janres. Die jüdische Emigration ist daher blos um 2tt*5 Perzent zurückgegangen. Die Entstehung des jüdischen Kalenders. Man besass bisher 'reine genaue Kenntnis davon, in welcher Weise die Juden ■ hren Kalender vor der Reform desselben im IV. Jahrhundert n. Chr. regulierten. Die Entdeckung einer Anzahl von urämischen Papyris in Syene, die von Professor Sayce und Mi, Cowley übersetzt wurden, gestatten einen Einblick in den jüdischen Kalender einer Periode, die 800 Jahre älter ist als die Zeit der Reform des Kalenders. Es» befinden sich unter den Papieren Kontrakte, die beide Daten, das ägyptische und das jüdische, tragen. Aus den Daten, glaubt Mr. Knobel, wie er in einem Vortrag vor der königlich astronomischen Gesellschaft auseinandersetzte, das Prinzip dei; jüdischen Kalenders feststellen, zu können. Den Schlüssel zur Lösung dieser Frage lieferte der günstige Umstand, dass zwei der jüdischen Daten genau um dreissig Tage auseinandcrlagen. Herr Knobel stellt fest, dass der alte jüdische Kalender, wie der heutige, ein Lunarkalender war, das heisst mit Monaten von Neumond zu Neumond rechnet. Um das Mondjahr dem Sonnenjahre anzupassen, wurde gelegentlich ein dreizehnler Monat eingefügt. Die Regel, nach der man diesen Monat einfügte, wurde nach ihrem vermeintlichen Erfinder Meton benannt. Herr Knobel weist nunmehr nach, dass die Juden bereits eine Generation vor der Zeit des Meton mit der Einfügung dieses Monates zu arbeiten verstanden. Das früheste Datum auf einem gefundenen Papyrus ist vom Jahre 471 v. Chr., während Meton etwa um 433 gelebt haben soll. Herr Knobel weist sogar nach, dass der altjüdische Kalender zu noch früherer Zeit im Gebrauch war. In dem siebenten Jahre des Perselkönigs Kambyses fand eine partielle Mondcsfinsctrnis statt, deren Datum nach jüdischer Berechnung überliefert wurde, und dieses Datum stimmt durchaus überein mit den Kalenderdaten in den Papyrussen, die man in Syene fand. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Juden eine zeitlang ihre Monate nach den tatsächlichen Peobachtungen des Neumondes bestimmten. Dies war nur möglich, solange der Tempel stand und die Juden sich in ihrem kleinen Lande allein befanden. Als Nebukadnezar nach der Besiegung Judas die Juden über so weit entfernte Länder wie Babylon und Oberägypten zerstreute, mussten andere Methoden für die Berechnung der Zeit gefunden werden. Die jüdische Kolonie bei Syene wurde offenbar aus Flüchtlingen aus Juda nach der Ermordung des Gedalia, des Sohnes des Ahlkam, gegründet. Diese Flüchtlinge hatten den Propheten Jeremias bei sich, Sie bauten, wie aus Papyrussen hervorgeht, die man fand, mit Erlaubnis der persischen Gouverneure einen Tempel, der von den Aegyptern zerstört wurde, als diese vorübergehend das persische Joch abschüttelten., Die. Zahl der Juden in Budapest. Nach einer Zusammenstellung im Statistischen Jahrbuch der Haupt- und Residenzstadt Budapest 1,1905; betrug im Jahre uie üesamtbevßlkg. die jüd. Bevölkerung 1869 270476 44890 16,6% 1889 355682 70227 19,7 „ 1890 486671 lC2i77 21,0 , 19U0 703448 16t>19d 23,6 „ 19üö 791748 18öU47 23,5 „ Die Zahl der Juden im Verhältnis zur Gesamtbevölkerimg ist also bis zum Jahre 1900 andauernd gestiegen, um im Jahre 1900 etwas zu fallen. Ob es sich hier um einen Stillstand in dein Wachstum oder gar um einen beginnenden Rückgang der jüdischen Bevölkerung handelt, werden die künftigen Zählungen erweisen. Aus der für 1900 festgestellten Ziffer allein können noch keinerlei Schlüsse gezogen werden. In einem günstigen Verhältnis zur Zahl der Juden steht ihre Sterblichkeit. Die Kindersterblichkeit betrug bei der Gesamtbevölkerung 34,1 ",o, bei den Juden nur 2Ö,6°o; die Tuberkulosesterblichkeit bei der Gesamtbevölkerung 19,8 ",o und bei den Juden i5,5°,o. An den Selbstmorden waren die Juden mit nur J3°,o beteiligt, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung 23,50/0 beträgt. Personalnachrichten. Am 20. Juni (21. SiwenJ 1. J. begeht der hebräische Pädagog, Heu Juda Labiner, Lehrer der hebräischen Sprache an der Baron Hirsch-Schule in Z b o r o w, sein 25jähriges Hochzeitsjubiläum, die silberne Hochzeit mit seiner Iran Jetty, geborene Fuchs. Herr I. abiner erfreut sich der Achtung und Beliebtheit der gesamten Bevölkerung seiner Stadt ohne Unterschied des Standes. ^JFJotizen. Wie viele unserer zahlreichen Alpen- und Naturfreunde, die sonst der zerstreuten einheimischen Flora nur mässiges Interesse abzugewinnen vermögen, sind nicht schon gefesselt worden durch die vielfältige Eigenart, die Fülle und Farbenpracht unserer Alpenflora und gar mancher mag schon den Wunsch gehegt haben, diese Bilder festgehalten oder in einem einheitliciien Ganzen vereinigt zu sehen. Nun ist eben ein Buch erschienen, das unsere Alpen- und Naturfreunde geradezu entzücken wird; betitelt: „Die Alpenflora". 130 Abbildungen auf 24 Tafeln, nach der Natur gemalt von Baron Fritz Haus er, reproduziert in Dreifarbendruck. Mit Einleitung und Text herausgegeben von C. J Oehninger (Graz) unter besonderer Berücksichtigung der Ostalpen."' Eleg. geb. K 5.—. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder den Herausgeber. Spende. Für den verunglückten russischen Studenten Jakob P e r e z sind uns von X. Y. 4 K zugekommen.

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