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Neue Nationalzeitung · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. „Neue National-Zeihrng" Nr. 23. In G a 1 i z i e n: Brody........ K iooo Zablocie . ...... „ 8oo In der Bukowina: Gurahumora ....... K ioo Kimjwlung ....... „ ioo Radaut?..... . . „ 200 Sereth........ ,, 100 Sergie Putilla ...... „ 100 Stanestie ........ „ 200 Stofozynetz........,100 Wiznitz ........ „300 Für den im Art. 2. lit. a der Statuten bezeichneten Zweck der Bekleidung und Beköstigung wurde ein Betrag von Kronen 77.723,11 verausgabt. Die uns vorliegenden Berichte über die sechs Mädchenschulen in Bohorodczany, Bursztyn, B ucza.cz, Kolomea, Stanislau und Tarnow lauten durchwegs günstig. Die Nähschule in Bohorodczany war von 18 Schülerinnen frequentiert; 10 besuchten den niederen und 8 den höheren Kurs. Das Unterrichtsziel ging dahin, die Schülerinnen in den Stand zu setzen, für sich und ihre Angehörigen Wäsche und die für die Hauswirtschaft nötigen Gegenstände selbst zu nähen. Es wurde das Nähen von Männer-, Frauen- und Kinderhemden, Blusen, Bettwäsche u. dgl. geübt. Neben dem Nähen wurde auch polnische und deutsche Sprache (Lesen und Schreiben) und Rechnen unterrichtet. Die Mädchen -Arbeitsschule in Buczacz wurde im Schuljahre 1906/7 von 60 Schülerinnen besucht; darunter waren 25 Waisen. Die Anstalt legte auch in diesem Schuljahre das Hauptgewicht auf die Heranbildung tüchtiger Schneiderinnen. Im Laufe des Schuljahres wurden 40 Mädchen freigesprochen. Viele dieser Absolventinnen haben als Schneidergehilfinnen Beschäftigung gefunden, manche sind in Konfektionsgeschäften, einige sind als Stubenmädchen in Bürgerhäusern angestellt. Zehn Mädchen haben sich selbständige Werkstätten errichtet. Die Näh schule in Bursztyn wurde im Berichtsjahre von 14 Mädchen besucht. Der Unterricht wird derart erteilt, dass die Anfängerinnen im Handnähen, die Vorgeschrittenerer! im Maschinnähen unterwiesen werden. Die Schülerinnen des ersten Jahrganges nähen grösstenteils Schulhemden, die des zweiten verarbeiten eigene Sachen und verdienen auf diese Weise 5—6 Kronen monatlich. Von den Absolventinnen wurde eine bei einer Schneiderin in Stanislau untergebracht. Zwei sind in Privatdienst gegangen und fünf arbeiten als Hausschneiderinnen im Taglohn. Die Mädchen erhielten auch Unterricht in den Volksschulgegenständen Die Dienstbotenschule in Kolomea wurde im Berichtsjahre von 16 Mädchen besucht. Mit Ende des Schul jahres verliessen 12 Mädchen die Anstalt, von denen neun Stellen als Köchinnen annahmen, ein Mädchen führt die Wirtschaft bei ihrer kranken Mutter zuhause und zwei Mädchen sind zur weiteren Ausbildung zu Schneiderinnen in die Lehre gegangen. Die Mädchen werden in der Anstalt im Kochen, Backen, Flicken, Waschen und Plätten unterwiesen. Ferner nähen sie Kleider für sich und Hemden für die Schulkinder. Ueberdies werden die Mädchen durch 8 Stunden wöchentlich in der Re ligion, im Schreiben, Lesen und Rechnen unterwiesen. Seit Errichtung der Schule im Schuljahre 1899/1900 wurden in der Anstalt 85 Mädchen ausgebildet, und zwar 8 Schneiderinnen und 77 Köchinnen, die alle gute Unterkunft erhielten. In der Dienstbotenschule in Stanislau waren im Berichtsjahre 13 Mädchen, von denen 9 die Anstalt verliessen, und zwar 7 als Dienstboten, 1 als Näherin, 1 Mädchen ist nach Amerika ausgewandert. Seit der Gründung der Anstalt im Schuljahre 1899/1900 haben 63 Mädchen die Anstalt verlassen, die sich teils als Dienstboten, teils als Näherinnen ihr Brot verdienen. Die Mädchenanstalt in Tarnow zählt durchschnittlich 8—10 interne und 8 externe Schützlinge. Die Internistinnen werden vollständig verpflegt und zu Dienstboten herangebildet. Seit dem Jahre 1903 verlassen jährlich durchschnittlich 4—5 Mädchen die Anstalt und finden unter Mitwirkung des Ausschusses des Damenkomitees sofort Anstellung und guten Lohn. Diese internen Zöglinge werden vom Damenkomitee und von der Leitung der Anstalt auch nach Verlassen derselben im Auge behalten und ist es überaus erfreulich, dass fast alle Mädchen ihren Kontakt mit der Anstalt freiwillig aufrecht erhalten, sich an dieselbe brieflich um Rat wenden, sie auch gelegentlich besuchen und, was besonders hervorgehoben werden muss, ihre Ersparnisse an die Anstalt einsenden, welche für jedes Mädchen auf ein abgesondertes, auf deren Namen lautendes Sparkassabuch bei der dortigen städtischen Sparkassa angelegt werden, 1 Diese Ersparnisse erreichten bereits bei manchen Mädchen die Höhe von einigen hundert Kronen. Das sittliche Betragen der Mädchen ist auch nach Verlassen der Anstalt ein durchaus einwandfreies. Die Extcrnistinnen werden teils zu Schneidern und Modistinnen in die Lehre gegeben oder in der dortigen privaten Handelsschule zu Buchhalterinnen und Korrespondentinnen ausgebildet, welche nach der Ausbildung sofort gute Anstellung finden." Verteilung von Stipendien und Unterstützungen* ,.Wie im Vorjahre hat das Kuratorium auch im abgelaufenen Schuljahre an 145 israelitische, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhafte Mädchen, die zum Teile in Wien, zum Teile in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwandten, regelmässige monatliche Stipendien gewährt, und teils Schulgeldbeiträge, teils das ganze Unterrichtshonorar bewilligt. Dem vom Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeitsvereine unter dem Präsidium der inzwischen ihrem segensreichen Wirkungskreise durch den Tod entrissenen Frau kais. Rat Dr. S. Krüger errichteten und erhaltenen Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort in Wien wurden für 25 in diesem Institute untergebrachte galizische Mädchen Stipendien von je K 20 monatlich gewährt. Das Kuratorium hat weiters 4 im israelitischen Waisenhause in Wien untergebrachten galizisehcn Mädchen Stipendien von zusammen K 1000, dem Waisenhause in Brody eine Subvention für 10 Mädchen von zusammen K 1200, 6 Schülerinnen der gewerblichen Fortbildungsschule für Mädchen in Storozynetz die Bezahlung des halben Schulgeldes per K 165, und für 16 galizische Mädchen, die durch Krankheit oder grosse Erholungsbedürftigkeit an der Ausübung der Erwerbsbeschäftigung behindert waren, K 500 zu Händen des Vereines ,,Frauenhort" und K 500 zu Händen des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidcnder bewilligt. Ausser den vorstehend angeführten in Form von Stipendien und Schulgeldbciträgen gewährten Unterstützungen hat das Kuratorium für 17 Bittstellerinnen Nähmaschinen angeschafft und dem Waisenhause in Brody eine Schreib- und eine Strickmaschine für die dortigen Mädchen bewilligt. Insgesamt wurden im abgelaufenen Schuljahre für Mädchen verausgabt K 63.808,86." Aneiferung zur Auswanderung. „Das Kuratorium hat an 176 HandAverksgesellen, die schon durch einige Jahre gearbeitet hatten, Fahrkarten und Reiseunterstützungen für das Ausland bewilligt und für diesen, Zweck K 7669,46 verausgabt. Die Nachrichten, welche über diese Gesellen dem Kuratorium zukamen, lauteten durchwegs günstig." * * * Warum gibt das Kuratorium diesen jungen Leuten statt einer Reise-Unterstützung ins Ausland, nicht lieber die Möglichkeit, sich im Inlande selbständig zu etablieren? Gerade bei diesem Punkte zeigt sich am besten die ganze Indolenz, der Gutmainn'schen Börseanergilde. Statt in Galizien einen gutgeschulten jüdischen Handwerkerstand heranzubilden, exportiert sie diese Blüte und Hoffnung der jüdischen Bevölkerung ins Ausland und setzt eine Prämie auf die Auswanderung. So macht David, von Gutmann jüdische Sozialpolitik. (5Y™nasiasten=f)olitil{. In der öffentlichen Sitzung des Parlamentes vom 1. d. M. wurde Abgeordneter Dr. Gabel durch seine beiden Kollegen und Mitglieder des jüdischen Klubs, Dr. Strauch er und Dr. Mahl er, biossgestellt. Dr. Gabel musste sich nachsagen lassen, dass er die Unterschriften dieser beiden Herren, ohne deren Ermächtigung, unter seine Interpellation gesetzt hat, und dieses Vorgehen wurde überdies vom Präsidenten Dr. Weisskirchner als „ein ewiges Denkmal, wie hier in diesem Hause in der illoyalsten Weise vorgegangen wird" bezeichnet. Ein peinliches Schauspiel. Doppelt peinlich für jeden Freund dieses Klubs, wenn er bedenkt, wie viel Feinde auf eine Gelegenheit lauern, um die erste par-

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