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Neue Nationalzeitung · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. uind .wievjel 'Geld hiefür verausgabt wurde. Ks; scheint, als ob der Verfasser gefürchtet hätte, auch nur mit einem über diesen Rahmen hinausgehenden Wort irgendwo Anstoss zu erregen. Wir haben kein Recht, vom Kuratorium über seine richtunggebende Linie Aufklärung zu verlangen, denn die Herren vom Kuratorium sind nicht verpflichtet, selbständige Gedanken zu haben. Aber Eines muss entschieden gerügt werden, denn es ist ein trauriger Beweis, dass das Kuratorium sich über die ganze Oeffentlichkeit erhaben wähnt und wenig Verantwortungsgefühl besitzt : Es sollen demnächst einige Volksschule n, wie Boryslaw, Stanislau usw. ganz aufgelassen, es soll nun überhaupt ein, ganz neues Prinzip der zweiklassigen Schulen eingeführt werden. In vielen Städten herrscht unter der jüdischen Bevölkerung eine grosse Beunruhigung! Die Volksschulen haben sich in manchen Orten eingelebt, die arme jüdische Bevölkerung sieht darin einen Rettungsanker für die kommende Generation — und nun nimmt man ihnen die Schulen weg . . . Aber im. Jahresbericht ist darüber kein Wort zu finden, kein Wort der Aufklärung oder Beruhigung. Das ist doch zumindest eine Rücksichtslosigkeit. Man wird sich mit der Person des Herrn David von Gutmann etwas mehr beschäftigen müssen. Man wird sich endlich fragen müssen, wie lange man es noch dulden soll, dass dieser Mann, der wohl ein sehr geriebener Kaufmann, aber sonst von sehr bescheidenen Fähigkeiten ist, der übrigens auch in Bezug auf Wohltätigkeitssinn bekanntermassen sehr viel zu wünschen übrig lässt, an der Spitze dieser Institutionen bleibe, deren Bedeutung und Tragweite für die Zukunft der galizischen Judenschaft er kraft seiner Intelligenz gar nicht verstehen kann. Dazu kommt noch der Umstand, dass sich Herr von Gut mann in seiner schlauen Art mit einer Garde von Börseleuten umgeben hat, wie die Herren Koritschoner, X o s s a 1, Hammerschlag, S t e i n h ü b 1, Dr. Schwitz er, Dr. Stein u. a., für die Galizien ein Halbasien ist. Dass auch Oberrabbiner Dr. Güdemann, der Vize-Präsident des Kuratoriums, ein Feind der galizischen Juden ist, weiss man allgemein. Und diese Herren sollen an der Spitze zweier so kolossaler Stiftungen eine kulturelle und wirtschaftliche Wiedergeburt Galiziens herbeiführen? . . Es wäre Zeit, dass die galizischen Gemeinden das Wort ergreifen. Um ihr Schicksal handelt es sich. Die Herren Gutmann und Genossen dürfen nicht alles machen, was sie wollen; durch ihre Unfähigkeit und ihr Unverständnis darf ein grosses und edles Werk nicht verflacht und verzerrt werden! 0ic ßarcti Hirsch'sch* Stiftung. (Schaljahr 1906/07.) Volksschulen. „Im abgelaufenen Schuljahre wurden in den 47 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 188 Lehrpersonen, und zwar 153 Lehrpersonen für die Volksschulgegenstände und 35 Lehrpersonen für das Hebräische, in 185 Klassen 7549 Schüler unterrichtet. Die Zahl der Schulen, welchen seitens de* hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht das Oeffentlichkeitsrecht verliehen wurde, ist im Berichtsjahre 1906/1907 gleich geblieben. Seither wurde mit Erlass des k. k. Ministers für Kultus und Unterricht v;mi 18. November 1907, Z. 45291, der Stiftungsschule in Zaleszczyki das Oeffentlichkeitsrecht verliehen. Von den 45 in Galizien errichteten Schulen sind 21 höheren und 24 niederen Typus, 33 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung. In Pomorzany wird derzeit ein eigenes Schulgebäude errichtet, an 14 Orten wurden Schulräume gemietet, Neben den Volksschulgegenständen wurde an 6 Schulen von 6 Lehrern in 9 Abteilungen an 1120 Kinder Unterricht in Handfertigkeit (Slöjd) erteilt. Ueberdies wurde den Lehrern wiederholt nahegelegt, der Pflege der Jugendspiele, dem Turnunterrichte und der Veranstaltung von Ausflügen vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es haben am Turnen 6002, an Jugendspielen 5637 und an Ausflügen 4363 Schüler teilgenommen. Auf Grund eines.vom Sekretär erstatteten Referates beschäftigte sich das Kuratorium auch mit der Frage der Errichtung von Kinderhorten, , welche nach Massgabe der verfügbaren Mittel versuchsweise in einzelnen Schulen zu dem Zwecke aktiviert werden sollen, um die Schulkinder in unterrichtsfreier Zeit angemessen zu beschäftigen und durch sorgfältigere Beaufsichtigung erziehlicher zu wirken. Bezüglich der finanziellen Gebarung wird auf die Beilage des Berichtes verwiesen. Derselben ist zu entnehmen, dass gegenüber den gleichgebliebenen Einnahmen nahezu sämtliche Ausgabeposten eine wesentliche Erhöhung erfuhren, so dass der Saldo, welcher am 31. August 1906 K 116495,47 betrug, sich per 31. August 1907 auf K 109 969,79 reduzierte. Ausser dem für den Unterricht für Volksschulen verausgabten Betrag von K 470.626,36 wurden für Unterstützung der Kinder durch Verteilung von 29.808 neuen Büchern, 58.895 Heften, 19.413 sonstigen Schulrequisiten K 8775,17 verausgabt. Aus den Mitteln der Jubiläums-Stiftung gelangten an die unsere Schulen besuchenden Kinder 108.824 Mittagmahle, 1567 Lodenröcke und Hosen, 3070 reparierte Mäntel, 1091 neue und 3659 vorgeschobene, zusammen 4750 Paar Stiefel, 2459 Sommeranzüge und ^JS7 Hemden, sowie 4445 Sacktücher mit einem Kostenaufwande von K 77.723,11 zur Verteilung. Seitens einzelner Schulleiter wurde anlässlich der Bespeisung und Bekleidung armer Schulkinder die lokale Wohltätigkeit herangezogen und ist ein Ausweis der eingeflossenen; Beträge diesem Berichte angeschlossen. An Subventionen wurden, wie im Vorjahre, für die Schulen in Brody und Zablocie K 10.850,— bewilligt." Abendkurse. „Die Zahl der im abgelaufenen Schuljahre abgehaltene^ Abendkurse betrug 19, dieselben wurden von 880 Schülern besucht und von 51 Lehrern geleitet. Jn diesen Abendkursen wurden einerseits Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in den Volksschulgegenständen unterwiesen, anderseits wurden Knaben, die vor Erreichung des vollständigen Lehrzieles die Schule verlassen hatten und bei Handwerkern oder Geschäftsleuten untergebracht waren, weiter unterrichtet. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnis der Volksschulgegenstände hatten, wurden speziell in Gegenständen unterrichtet, die ihnen bei Ausübung ihres Berufes besonders von Wert waren, wie zum Beispiel Schlosser, Drechsler, Tischler im Zeichnen, Kommis im Rechnen usw." Handwerk. „Im Laufe des Jahres wurden auf Kosten der Stiftung- 97 Lehrlinge freigesprochen, 115 neu aufgenommen, so dass nach Berücksichtigung einzelner Abgänge am Ende des Schuljahres 1906/1907 im Status der Stiftung 245 Lehrlinge verzeichnet waren. Die Bekleidung der Knaben, welctee unsere Abendschulen besuchten, erfolgte aus den Mitteln der Baronin Clara von Hirsch Kaiser Jubiläums-Stiftung." ®i« ßaponin Hipsch'sche Stiftung. (Scfca'Jihr 1906/07.) „Wie in den Vorjahren wurden auch heuer in den einzelnen Orten, unter möglichster Heranziehung der einheimischen Bevölkerung zur Beitragsleistung, Knaben beköstigt und mit Kleidern beteilt. Einer grösseren Anzahl von Knaben wurden auf Kosten der Stiftung die im Vorjahre verabreichten Schuhe und Kleider repariert. Im ganzen wurden 108.824 Mittagmahle verabreicht und 4637 Schüler mit Kleidern und Schuhen, sowie mit Wäsche beteilt; die Gesamtzahl der verteilten neuen Kleidungsstücke betrug 4026, die der verteilten neuen Lodenröcke und Hosen 1567, die der Sommeranzüge 2459, der neuen Schuhe 1091, der verteilten Hemden 3757. Die alten Vorräte an Mänteln und Stiefeln wurden repariert und unter die ärmsten Schulkinder 3070 reparierte Mäntel und 3659 reparierte Paar Stiefel verteilt. Ausser diesen den Schülern der Baron Hirsch-Stiftungsschulen zugewendeten Unterstützungen wurden aus diesem Fonde für Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder nachfolgende Subventionen an Gemeinden gewährt: >

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