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Neue Nationalzeitung · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ,Nfeüfe National -Zeitung" Nr. 23. tausenden zählenden Personen, denen die Komitees der Allianz in Czernowitz, Brody und Krakau ihre Fürsorge zuwandten." Der Bericht erwähnt ferner, die Schulaktion der Allianz in G a 1 i z i e n und die Kooperation der Allianz mit dem Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galiziei} zur Förderung des Unterrichtes in der Spitzenklöppelei, durch welche einer grossen Anzahl jüdischer junger Mädchen und Frauen aus den ärmsten Kreisen ermöglicht wird, sich redlich ihr Brot zu verdienen. Die Allianz hat dem Hilfsverein zur Entsendung von fünf Lehrerinnen pro 1908 einen Beitrag von 5000 K bewilligt und das Zusammenwirken ist dadurch erleichtert worden, dass ein Mitglied des Allianzvorstandes zum Vize- Präsidenten jenes Vereines erwählt wurde. Die Diskussion. Herr Baum kommt auf seinen in früheren General-Versammlungen gestellten Antrag zurück, dass die Propaganda sowohl in Wien wie in den Provinzen viel eifriger betrieben werden müsse. Er findet im Verhältnis 2U der umfassenden Hilfstätigkeit der Allianz, welche der gesamten österreichischen Judenheit zur Ehre gereicht, ein viel zu geringes Interesse in der jüdischen Bevölkerung für dein Verein ausgedrückt. Dies zeige jsich z. B. darin, dass die Tempelspenden zu Gunsten «der Allianz so spärlich fiiessen und mit Ausnahme <der Inneren Stadt und des Leopoldstädter Tempels, sowie 'des Grossen Musikvereinssaales, wo offenbar »infolge des Umstandes, dass Herr Dr. Kaminka dort an den Feiertagen predigt, manches gespendet wird, beinahe aus keinem anderen Bethause in Oesterreich dem Verein etwas zufHesse, Es sei auch bezeichnend, dass von den 16 Wiener Rabbinern keim einziger anwesend und manche nicht einmal Mitglieder seien. (In diesem Augenblicke erscheint Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus und wird vom Präsidium begrüsst.) Der Beirat sei auf die statutarische Anzahl von 15 Personen zu erweitern. Die Einladung zur Generalversammlung möge auch an die auswärtigen Mitglieder immer gesandt und im Berichte jedesmal ein statistischer Ausweis über den Zuwachs an Mitgliedern gegeben werden. Das Sekretariat möge im ganzen Reiche eine energische Propaganda entfalten und nicht zum wenigsten auch in Ungarn, wo z. B. Budapest mit einer verschwindend geringen Anzahl von Mitgliedern bis jetzt figuriert. Der Vorsitzende Dr. Stern dankt den Vorrednern für das aus ihrer Kritik hervorleuchtende warme Interesse für den Verein. Was die Spenden betrifft, so bestehe in Wien eine grosse Anzahl von humanitären Vereinen, wodurch die Wohltätigkeit zersplittert wird. Die statutarische Ergänzung des Beirates stosse auf die Schwierigkeit, dass in denselben nur stiftende und gründende oder lebenslängliche Mitglieder gewählt werden können (d. h., die einen einmaligen Beitrag von 4000 K, bez. 1000 oder ^200 K geleistet haben), d. h. mit anderen Worten: der Beirat ist eine Gesellschaft, die unter sich bleiben möchte und sich daher nur aus den reichen Kreisen rekrutiert. Glücklicherweise, meint der Vorsitzende, bilden die Eingänge von Mitgliedsbeiträgen, wie aus der Bilanz ersichtlich, nur einen verschwindenden Bruchteil des Budgets, das eine Höhe von 1,080.482 K pro 1907 erreicht hat, und die Stärke der Wiener Organisation, sowie das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung zu ihr zeigt sich hauptsächlich in der Höhe der Sammlungen für besondere Hilfszwecke. So hat der Verein während der letzten Jahre weit über eine Million Kronen für die russischen und erst in diesem Jahre 176.000 K für die rumänischen Juden aufgebracht. In Budapest könne eine Propaganda seitens der Wiener Allianz systematisch nicht betrieben werden, da dort eine Filiale der Pariser Alliance bestehe und die ungarischen Juden infolge der bekannten politischen Stimmung gegen Oesterreich ihre Beiträge lieber nach Paris senden. , Rabbiner Dr. Funk bemerkt mit Bezug darauf, dass einige hervorragende ungarisch-jüdische Persönlichkeiten infolge seiner Anregung die Absicht haben, eine ungarisch-jüdische Allianz nach Muster der Wiener Organisation zu gründen. Der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse werden hierauf einstimmig genehmigt. Die turnusmässig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Rabbiner Dr. Adolf S c h m i e d 1 und die den weitesten Kreisen unbekannten Herren, die sich in einer jüdischen Sache noch nie exponiert haben, aber von der „Gesellschaft" sind, Generalrat Adolf Klein, Direktor Moriz , Koritsclvoner, Fritz Singer und Hof rat Siegmund T a u s s i g werden per Akklamation wiedergewählt. Herr kais. Rat Jonas Weil — auch einer von der Gesellschaft — dankt hierauf namens der Mitglieder dem Vorstande und dem Sekretariat. Herr Dr. Markus Spitzer dankt in einer warmen Ansprache der Leitung der Allianz namens des Kultusvorstandes. Herr Vorsitzender Dr. Stern dankt für die Vertrauenskundgebung und teilt mit, dass gerade in diesem Augenblicke die Hilfstätigkeit der Allianz (Das ist aber doch das Verdienst der. P a r i s e r Allianz. Anm. d. Red.) sich bis ins innerste Afrika erstrecke. Erst vor drei Tagen sei ein Brief von dem Leiter der mit Unterstützung der Allianz zu den Falaschas in Abessynien gesandten Expedition, Herrn Prof. Nahum, an den Sekretär der Allianz eingetroffen, wonach sich Nahum bald nach der Rückkehr nach Europa in WTien aufhalten werde, um über die Ergebnisse der Expedition Bericht zu erstatten. Die Versammlung wird hierauf geschlossen. Die ^Jahresberichte der Baron und Baronin Hirsch'schen Stiftungen für Galizien und Bukowina Wir.haben es hier mit zwei Stiftungen zu tun: Die e i n e, gegründet von weil. Baron Moriz Hirsch mit einem Kapital in der gegenwärtigem Höhe von 18,492.152 Kronen hat zur Aufgabe die Förderung des Volksschulunterrichtes, des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden in Galizien und der Bukowina; die zweite von weil. Baronin Clara Hirsch ins Leben gerufene und über ein Vermögen von 4,695.100 Kronen verfügend, bezweckt teils armen Kindern, welche die Schulen der Baron Hirsch'schen Stiftung besuchen, Mittagskost und Kleidungsstücke anzuschaffen, teils jüdischen Mädchen in Galizien und Bukowina durch Errichtung von Arbeitsschulen oder Verleihung von Stipendien usw. die Erlernung eines Erwerbes zugänglich zu machen, teils jüdischen Kindern, die zur Erlernung eines Handwerks untauglich sind, die Erlernung eines anderen Berufszweiges zu ermöglichen. Beide Stiftungen ergänzen sich. Sie sind gewiss eine grosse Wohlrat in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung für Galizien, wenn auch die Exekutive derzeit eine rein bureaukratisch-mecha - nische, jeder Initiative bare ist. Die Berichte verzeichnen mit knappen, trockenen Ziffern, was im vergangenen Jahre geschehen

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