Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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; „Neue Natien^jL-Zeitung1 Expedition nachstehenden hochinteressanten Bericht -eingeschickt, den wir der „Deutschen Ivonf etenzge- ^neinschaft" verdanken inid der wiegen deines allge^ meinen Interesses hier auszugsweise wiedergegeben JiEkx werden verdient : i { .. . Addis-Abeba, 12. März 1908. , Ich bestätige..-ergebend meinen. Brief vom 6. d. M., in -dem ich Ihnen in der Eile den wohlwollenden Empfang gemeldet .fiabe, den S. M. Menelik der Mission der Alliance an diesem Tage gewährt hat. (Dieser Bericht ist nicht an seine Adresse .gelangt, somit wahrscheinlich verloren gegangen.) Andern Tags, am Sonnabend; kam der Zereroonrenmeister und erste Hofdplmetsch Ato Haile Mairam zu uns ins Hotel. ,,Ich komme/' ■sagte er, „im Auftrage Ihrer Majestät der Kaiserin, deren kaiserliche Grüsse zu übei bringen, Ihnen für das schone ■Geschenk zu danken, das Sie Ihrer Majestät gebracht haben, tind Sie herzlich zu Ihrer gestrigen Rede vor dem Kaiser zu 'beglückwünschen. Ihre Majestät die Kaiserin würde sich freuen, wollten Sie ihr eine genaue Niederschrift schicken. Zugl-ieh überbringe ich Ihnen die Einladung zur Teilnahme an dem ■kaiserlichen Frühstück am Sonntag."' Am Montag, o. März, erkundigte sich der nämliche "Würdenträger im Auftrage des KaNerpaarcs nach unserem befinden. Ich behielt ihn zu Tisch. Er wiederholte, da«s Sc. Majestät viel von meiner Rede spricht, von der ich hier einen kurz-en Auszug gebe: Vor einem orthodoxen Kaiser sprechend, de;- ein glühender Verehrer der Bibel und namentlich der Psalmen ist, ging ich von dem Bibelspruch <i. Mos. 12, 3; aus: „Durch dich werden alle Völker der Erde gesegnet werden." Ich zeigte einerseits die moralische tlrösse der Mission Israels, anderseits die hohe Macht des alten Aethiopien: wie jenes durch Jahrhunderte der t'nwissenheit und durch die Verlegungen des Mittelalters hindurch seine »iiaub-en.seinheit bewahren, widieses trotz zahlreicher Vebertalle -t ine l'nabhangigkeit ungt.-v.vlt erhalten konnte; kam dann auf die Renaissance Israels und auf die neue Blüte Aethiopiens. Die Israeliten und die jüdische Wissenschaft schreiten immer vven-r voran, dank ilirer lebendigen Organisation in der Alliance Israeüte l'niver-elle, die für die ganze Menschheit arbeit -t. hu!-eni :-ie für 'die i-eeelit -n sieh einsetzt. Aethi >oien wiederum!,:it den Weg /'ir Zivilisation beschritten, dank der holen Einsicht, der Duldsamkeit, der Güte Ihrer Majestäten, dv Ge.-.-rhtigkeit. Eintracht, Frieden zur Herrschaft bringen wollen, nach dem Worte des Psalmist-.-n : „Güte und Wahrheit beg-gie-n si.-li, < 1-er; chtigkei: und J-'riedc umarmen sich'" J's. 85. i) . Dieses Zitat gefiel d■■m Kaiser so sehr, daser es - >lovt nachschlagen luss. Der ausgezeiclinete fnrv«".-tische Ik-vollmä' hliga- Hnce. von dem uns bereiteten Empfang durch unseren Begleiter, den französischen dvoiisul Herrn R n\, und vom Palms aus benachrichtigt, beglüchwün» hte uns zu den Sympatl.iekun.dv. •bungen, mit denen die Kaiserin uns beelirt hatte. Die Kaiserin verläs-t nur sehr selten und immer mir verschleiert den Harem, f.ist nie sieht sie Fremde. Die zu unseren Gunsten gemachte Au-i.aiime war für uns v <n hoher Bedeutung, wen die i'rovir./en. die wir besuche:: wollen, in „ihrem Lande" liegen Sch a und Amhara sind hier, was Aragonien und Castiüen für die karimlischen Könige sind1 und von ihrem Bruder und Neffen vrwa'cct werden.. Gestern verlangte die Französische Gesandtschaft vom Palastsekretariat den Schutzbrief für unsere weitere Reise. Es wurde geantwortet, Se. Majestät wünsche zunächst, da-s :< h die Ruinen und Inschriften besichtige, die sich drei Tag reisen von der Hauptstadt befinden, auch die mit Inschriften versehenen antiken Gegenstände, die in dem Schatz von Gebbi verwahrt sind. * Der Geleitbrief des Kaisers Menelik für die Alliance-Mission hat folgenden Wortlaut: Siegel.) „Der Löwe des Stammes Juda, der Sieger Menelik II., von Gottes Gnaden. Konig der Könige von Aethiopien. Die Träger dieses Briefes, die Herren Nahum und Eberlin, sind nach Aethiopien gekommen, um die Falaschas zu sehen. Sie mögen überall hingehen, m aile Lande — hindert sie nicht daran. Ihr, Oberhäupter der Provinzen, bringt ihnen alles, was sie zu kaufen nötig haben, gejeitet sie in guter Sicherheit, damit sie' das Land in ungestörter Gesundheit durschreiten. Ich be- . fehle, dass es also sei. u Geschrieben und gegeben in der Stadt Addis-Abeba -. am 9. Maggabit im Jahr der Gnade 1908." ■i .. e: . , * : Bei Ueberreichung dieses Geleitbriefes hielt Kaiser MrT nelik an die Expedition folgende Ansprache: „Bringen Sirf meine Kaiserlichen Grüsse allen' Mitgliedern der Alliance Jsraelite Universelle und sagen .Sie innen, dass ich ihnen für die Gebete danke, die sie füjr mäch sprechen. In der, Tat, das Gebet ist die Kraft der Könige. Besuchen Sie die Falaschas und die archäologischen Denkmäler, und schicken Sie mir durrfi. den französischen Herrn Minister ausführliche Berichte. Ich wünsche Ihnen gute Reise und bitte Sie, mir telegraphisch .von Ihrer gesunden Ankunft daheim Kenntnis zu geben." Russland. Zur Lage der Jud«n in Russland. Riga, den 18. Mai. (Orig.-Korr.) Was für eine Stimmung m Bezug auf die luden momentan in Russland herrscht und welche "Aussichten "ihnen be> zügiieh der Gleichberechtigung in nächster Zeit bevorstehen, haben die letzten Debatten in der Duma bei der Beratung der Rekruten vorläge zur Genüge bewiesen. Die Rechte benützte diese Gelegenheit und suchte der Frage der Gleichberechtigung der Juden schon frühzeitig vorzubeugen. Wer" diese Debatte gelesen hat, der wird sich wohl einen Begriff von der antisemitischen Gesinnung nicht nur der Rechten, sondern auch der Oktobristen machen können. Die Haltung der Regierung gegenüber den Juden, beleuchten einige in den letzten Tagen erlassene Zirkulare. So wurden auf Befehl der nbrigkeit alle im .\1 i 11 s k s c h en Gouvei nement existierenden Vereine der ,,jüdischen T»-rriti nialistischen Organisation'" geschlossen. Der Generale iouverneur in C hark ,>w verbot den Juden auf den in der Umgebung der Stadt befindlichen Datschen zu wohnen, was grosse i nzufn'edenheit sogar unter den dortigen Christen, die /um Teil ihre Datschen -ch,m an Juden 'vermietet hatten, hervorgerufen Ji.it. In Kiew lehnt der Kurator des Lchrbe.rirlcs rille an ihn gerichteten Gesuche um Eröffnung der jüdischen' Privatschalen ab. Der .Minister des Innern befahl in allen (iou\ernements des Innern Rußlands rnlersuchungen anzustellen, ob die jüdischen Handwerker auch ihr Handwerk kennen. Ferner hat der Minister des Innern die Gouverneure in Sibirien in Kenntnis gesetzt, dass sie auf Grund der letzten Senatsentscheidung berechtigt sind, eigenmächtig die Angehörigkeits-Orte der verbannten Juden und ihrer Nachkommen abzuändern, in dem Falle, wenn keine Hindernisse im Wege liegen. (Dieses muss übrigens als Vergünstigung angeschen werden.) Der berühmte Pogromstifter in Kischinew fordert in seinem Blatte „Freund", — das übrigens mur mit Flilfe von Subsidien existiert — auf, die Duma auseinanderzujagen, weil sie dem Kaiser und Thron untreu ist und die Juden aib der Armee nicht entfernen will. Grossbrifannieii. I Kabbiner Di* Ulbert Loewy. London. Vor einigen Tagen starb in London der Rabbiner Dr. Albert Loewy im Alter von 92 Jahren. Der Verstorbene wurde im Jahre 1816 in Aussee in Mähren geboren. In Leipzig, Jägerndorf und Olmütz für die Universität vorgebildet, widmete er sich an der Wiener Hochschule dein