Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Srite 6, .Neue NationahZcitung" Nr. 2& * -~ ' Um nun das Kultusstatut mit dem Gesetze in Uebereijistimnrung zu bringen, wurde ein dreigliedriges Komitee, < bestehend aus den Herren Dr. Z i p s e r, Dr. R y b a c z e \v s k i und Wolf Pappenheim gewählt, die sowohl beim Kultusvorstande als auch bei der Behörde wegen Aenderung der Bestimmungen der Statuten, insoferne dieselben mit dem Gesetze nicht im Einklänge stehen, einzuschreiten und einer einzuberufenden Konferenz hierüber zu berichten haben. Ein jüdisches Ehrengericht. Lemberg. Ende vorigen Jahres veröffentlichte Herr Hurwitz in der Wochenschrift „Ha'olam", dem in Köln erscheinenden hebräischen Zentral - organ der zionistischen Organisation, einen Artikel, der Herrn Lasar, Herausgeber der hebräischen Wochenschrift „Hamicpe" in Krakau, zu einem Angriff gegen Herrn Hunvitz und gegen den Ha'olam veranlasste. In dem Streit, der sich darauf entspann, bezeichnete Lasar Herrn Hurwitz als „M i s s i o n ä r". Herr Hurwitz verlangte für diesen ihn als jüdischen Schriftsteller beleidigenden Ausdruck Satisfaktion, und die Sache kam mit Zustimmung der Parteien vor ein Schiedsgericht. Die Sitzungen des Gerichtes, die mehrere Tage um er Dr. Brau de's, des Obmannes der zionistischen Organisation Galizicns, Vorsitz währten., waren öffentlich und erregten grosses Interesse bei der gesamten galizisch-jüdischen Intelligenz, da natürlich die verschiedenartigsten Angelegenheiten zur Sprache kamen. Die Verhandlungen wurden in hebräischer Sprache geführt. Es stellte sich schliesslich heraus, dass Herr Lasar für seine Behauptungen nach Ansicht des entscheidenden Ehrengerichtes keinerlei genügende Beweise vorbringen konnte; sein Hauptzeuge, Dr. B e r n f e 1 d (Charlottenburg), der speziell telegraphisch nach Lemberg berufen wurde, musste am Schluss der Verhandlungen Herrn Plurwitz offiziell Abbitte leisten. Herr Lasar selbst wurde zu einer Geldbusse von 200 K zu Gunsten des Nationalfonds, zum Ersätze von 300 K Reisespesen an Herrn Hurwitz, zur Abbitte an denselben und Veröffentlichung derselben in mehreren hebräischen Zeitungen verurteilt. Dem gegenüber erklärt Herr Lasar in seinem Blatte, es sei ihm unrecht geschehen und fordert die orthodoxe Bevölkerung in den galizischen Städten auf, für ihn in Volksv ersammlungen Stellung zu nehmen. Ge£pj; 1 ie R-s«'1 >uon Schniid. Krakau, den 12. Mai.*,1 (Orig.-KorO Samstag fand hier eine von der n a t i o n a 1 - j ü d i s c h e n Jugend einberufene Studemenversammlung statt, welche zu der Resolution Schmid Stellung nehmen sollte. Seitens des Universitätssenats er - schien Prof. Dr. Estreicher. Die Versammlung eröffnete stud. iur. B i e n e n z u c h t. Er wies darauf hin, dass die Annahme der Resolution mit der Verletzung der Staatsgrundgesctze und der Lernfreiheit gleichbedeutend sei. Dagegen müssten alle freiheitlichen Bürger einmütig protestieren. Das Referat erstattete stud. iur. Schrei b e r. Er schilderte die gegenwärtige politische Situation in Oesterreich, wo auf allen Gebieten die Klerikalen Oberhand ge-» winnen, wies auf ihre letzten Vorstösse hin, und bat •um .Annahme einer Resolution, in der in kräftiger Weise gegen die .Angriffe auf unsere Rechte protestiert wird. An der Diskussion beteiligten sich die Vertreter aller polnischen und jüdischen Studentenvereine. Alle erklärten einstimmig, dass 'sie prinzipiell wie am schärfsten die Schmidsche Resolution *\ Wegen Raummangel leider verspätet. Anm. d. Red. verurteilen müssen. Nur die Nationaldemokraten (Allpolen) erachteten! es für zweckmässig-, bei dieser Gelegenheit, den Zfemisteri Lehren zu 'erteilen iundi ihnen Vorwürfe wegen ihrer angeblich polenfeindlichen Stellung zu machen. Auf die Einwände antworteten Fink und 'Bienenfeucht. Sie erklärten/ dass sich ,'die Nationaljuden keinesfalls auf Gnade und Ungnade den Polen ergeben werden. Mit den fortschrittlichen Parteieü. werden sie immer zusammengehen, die reaktionären ]und antisemitischen Elemente Werden sie immer bekämpfen. Es wurde .schliesslich eine Resolution beschlossen, in der die akademische Jugend in Krakau die Resolution Schmid als eine Verletzung der Staatsgrundgesetze sowie der Lernfreiheit betrachtet und überzeugt ist, dass sie einen Anlass zu inneren Kämpfen geben kann; sie widerspreche der Kultur des 20. Jahrhunderts. Die ganze Jugend ohne Unterschied der Nationalität protestierte aber gegen den. neuen klerikalen Vorstoss. Dcufsches Reich. Aus dem Reiche Carmen Sylvas. Berlin. Nach den an das deutsche Bureau der „Alliance Israelite Universelle" gelangten Nachrichten aus Rumänien fährt die dortige Regierung' fort, die Juden besonders in der Moldau zu bedrängen. Infolge der systematischen, auf den Ruin der jüdischen Bevölkerung gerichteten Weisungen des Ministers Bratianu werden zahlreiche jüdische Familien aus dem Distrikt Jassy vertrieben. In Bivolari erhielten fast alle Juden, die keine Immobilien besitzen, Ausweisungsdekrete und befinden sich in verzweifelter Lage. Einflussreicher Intervention ist es vorläufig gelungen, kurzen Aufschub zugunsten der Ausgewiesenen zu erlangen. Wenn aber nicht alsbald von autoritativer Seite nachdrücklichste Vorstellungen an massgebender Stelle erfolgen, sind unzählige Familien in ihren Existenzbedingungen bedroht. Versammlung der „Misrachi". Berlin. In der am 12. Mai stattgehabten Mitgliederversammlung der hiesigen Misrachi- Gruppe berichtete der Vorsitzende, Herr Hermann Struck, über den Fortgang der Arbeiten für die in Palästina zu gründende Schule, für die Föderation u. a. Es fand dann eine eingehende Besprechung wichtiger Fragen im Hinblick auf den Deutschen Delegiertentag statt. Wie allerorts wurde auch hier gegen die betrübenden Vorkommnisse in Köln lebhafter Protest erhoben. Es kam auch zur Sprache, dass verschiedene Artikel in den offiziellen zionistischen Organen einen entschieden antireligiösen Charakter tragen. Es steht zu erwarten, dass der Delegiertentag hiergegen Stellung nehmen wird und auch das Verlangen des Misrachi, Garantien zu erhalten, dass für die Folge solche Vorkommnisse ausgeschlossen sind, unterstützen dürfte. Die jüdische Expedition nach Abessynien. Berlin. Sie haben vor einiger Zeit (Nr. 12 d. Jg.) berichtet, dass die Alliance Isr. Univ. eine Expedition Izur Erforschung der in Abessynien/ lebejiden schwarzen Juden (Falaschas) ausgeschickt hat^ Der Leiter dieser Expedition, Herr Nahum, hat nun über den Empfang und die weitere Tätigkeit der