Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife # ,,Neüe' Natfonäl-Zeitung" £*. fi£ Studium der semitischen Sprachen. Er sc bloss hier innige Freund sc halt mit Moritz Steinscbn eider und Abrabeni Benisch. Mit diesen errichtete er die Gesellschaft, „Die Einheit^ Hie sich die Aufgabe stellte, die Wohlfahrt des jüdischen Volkes zu fördern. Jas Programm der Gesellschaft schloss auch die Kolonisation Palästinas ein, so dass man in dieser schon einen Vorläufer der zionistischen Bewegung erblicken kann. Im Jahre 1840 nahm Dr. Loewy dauernden Aufenthalt in England — Er bekleidete 50 Jahre hindurch von 1842 bis 1892 das Amt eines der Rabbiner der West London Synagoge. Vor allem widmete er sich aber den Bestrebungen aar Hebung der kulturellen Verhältnisse der Juden »Her Länder. Seiner Feder entstammen eine Anzahl •wertvoller Berichte über die Lage der Juden in den verschiedensten Teilen der Erde, die er in seiner Eigenschalt als Sekretär und Vizepräsident der Anglo Jewish Association verlasste. Auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums und der semitischen Sprache entwickelte Dr. Loewy eine eifrige und fruchtbringende Tätigkeit. Unter anderem ist es seinen Forschungen zuzuschreiben, dass die eingeborenen indischen Juden, von deren Existenz man lange Zeit hindurch nichts wusste, wieder entdeckt wurden. Zu seinen Schülern in den semitischen Sprachen gehörte u. a. Dr. Tait, Erzbischof von Canterbury, Lord Bute und viele andere Mitglieder der englischen Aristokratie. DieUniveritätSt. Andrews ernannte Loewy zum Doktor der Rechte. GSMEiNUSun& VSReiNSNMftRicraw Wien. Der „Erste Ocsterr. Rechtsschutz-Verein für Hausierer" in Wien ersucht aile jene ungarischen Hausierer ohne. Unterschied der Konfession und des Geschlechtes., welche mehr als io Jahre in OesU-rrL-irh ansässig sind und gemäss dem ungarischen Heimatsiiesctzc ihr- Zugehörigkeit bereits verloren halx-n, diesem V--reine' behufs Feststellung ihrer Zugehörigkeit ihr.- genaue Adresse zukommen zu lassen. Diese Zuschritten *nul bis längstens i. funi 1. I. an den Sekretär dieses Vereines. Herrn S A Freund. Wien. 1!.. Tabwtstrass 6'). zu richten. ueMr-r umgehend und unentgeltlich einen „Fragebogen' einsenden unu Wien. Der „Yetvin zur Kn icliiung und Erhaltung _ v;m Horten für schulpflichtige Kinder in Wien", IX.. Universitat-- strasse 4, versendet einen Aufruf „Für das Kind" mit der Bitte um'Spenden. Der Aufruf schlichst mit den Worten: „Wir richten nun an alle jüdischen Mitbürger den warmen innigen Appel! zur Stärkung dieses Fundes nach Kräften beizutragen. Jede, selbst die kleinste (labe wird dankbarst angenommen un« ausgewiesen. Schliesst sie ja die Erfüllung des Wunsches m sich, den unser geliebter Kaiser in edelsinnigster Weise als Impuls für das schöne Werk der Kinderfürsorge ausgesprochen hat. Mögen Opferwilligkeit und Nächstenliebe im Jubeljahre die Ausgestaltung und Erweiterung dieses begonnenen Werkes veranlassen, zum Wohle der grossen Zahl schütz- und fürsorgebedürftiger armer Kinder des jüdischen Proletariates." Wien. (Jüdisches M'u s e u m.) Die Sammlungen dieser Cesellschaft wurden in das neue Museumsiokal II., Prater Strasse 28, I. Stock, übertragen. Nunmehr werden die Objekte geordnet und neu aufgestellt und wird der Zeitpunkt der-Wiedereröffnung der Sammlungen rechtzeitig bekanntgegeben \*i?rden. Wien. Der I. Wiener jüdische Turnverein hat mit einem Kostenaufwand« von ca. 5000 Kronen im Hause IX., Liechtensteinstrasse 20, neue Turnlokalitäten adaptieren lassen, die in jeder Beziehung geeigneter sind als das bisherige Lokal.' Die feierliche Eröffnung der Halle findet Samstag, den 30. Mai, abends statt. Gleichzeitig hiermit beginnt wieder der regelmässige Turnbetrieb, und zwar für Herren: Montag und Donnerstag von halb 8 bis 9 Uhr abends.' Damen: Mittwoch und Samstag von 7 bis halb 9 Uhf abends. Anmeldungen am Turnplatze; * - •'• ' ^AlieNWEIXCCJlgN; Zwischen den Millionären Leo ßrodsky und Ornat ein in Kiew findet jetzt ein sensationeller Prozess statt. Es handelt sich um die Bagatelle von 15.000 Rubel, die Brod sky als Beitrag zut Errichtung der jüdischen Handelsschule hergegeben hat und die er jetzt von den Kuratoren der Schale zurückfordert. Alle Kuratoren haben ihren Teil bezahlt, Orn stein lässt es aber auf einen Prozess; ankommen. Derselbe Ilerr Brodsky hat jedenfalls auf Maitressen schon viel mehr Geld ausgegeben. Die Schweizer Universitäten erschweren den russischen Studenten die Aufnahme durch Erhöhung der Taxen und strengere Prüfungen. Betroffen werden dadurch in erster Linie die jüdischen Studenten. Für Studentinnen wird als Aufnahmsbedingung gestellt die Vorlage eines Zeugnisses über absolviertes Männergymnasium. Paul Laskar, der Abgesandte des „Hilfsvereines der deutschen Juden" ist in New-York behufs Studium der jüdischen Einwanderung und der Einwanderungsgesetze jüngst eingetroffen. 6re£0ry GersChuni, der grosse russische Revolutionsheld, der unlängst in Paris (vgl. das Feuilleton von Rüben Brainin in der Nr, 15 unseres Blattes) gestorben ist, war auch Besitzer zweier Aktien der Jüdischen Kolonialbank. Dieselben wurden in seinem Nachlasse gefui den und von seinen Erben der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem geschenkt. Die jüdische Emigration nach Amerika ist in Abnahme begriffen. Im .März d. J. lau-etenin New-York 4095 jüdische Emigranten (3167 aus Russland) gegen 6741 im März v. J. Die Juden als Soldaten. Anlässlich der Judendebatte in der Duma erinnern die judenfreundlichen Blätter, dass sich während des russisch-japanischen Krieges selbst die antisemitische „Nowoje Wremja" sehr lobend über die jüdischen Soldaten geäussert hat. Ihr Spezialberichterstatter schrieb: „Was hat man nicht alles für Anekdoten über die Feigheit der Juden erzählt! Tatsächlich aber haben sich während des jetzigen Krieges nicht wenige unter ihnen als vortreffliche, tapfere und umsichtige S o l d a t e n erwiesen Viele von ihnen sind mit Georgskreuzeu dekoriert worden, manche von ihnen haben deren soj>ar zwei und drei bekommen. Und diese Kreuze wurden nicht von der Obrigkeit verliehen, sondern von der Kompagnie verteilt! Und» wie liebten die anderen Soldaten diese Juden! Auch die Offiziere konnten sie nicht genug loben!" Die amerikanische Armee dient jetzt sehr vielen russischen Juden als letzter Rettungsanker. Angesichts der grossen Arbeitslosigkeit melden sie sich in Massen als Rekruten. Fast 70% dieser Rekruten - haben den russisch-japanischen Krieg mitgemacht und sie wurden auch assentiert, wiewohl sie der englischen Sprache nicht mächtig sind. Ein jüdisches Mädchen musste unlängst in Paris am Samstag bestattet werden, da dies die Sanitätsbehörde wegen der Infektionskrankheit, der es erlag, verlangte. Vierundzwanzig jüdische Minister gibt es in allen Staaten der Welt, naoh einer Berechnung de» „New-York Herald". Es sind dies: der Finanz minister