Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 22. ,N«ue National Zeätuing' Seite 3. denen Wahlen in den Kultusvorstand wohl noch kandidierte, aber trotz aller Anstrengungen unterlag. Der Sturz Baumgartens, zu dem Obcrrabbiner Dr. Güde m a n n und Dr. J. S. B 1 o < h das meiste beigetragen haben, kam trotz des heiligen Wahlkampfcs für den Vorstand so überraschend, und er stand noch so sehr unter dem Mintlusse dieser gewaltigen Persönlichkeit, dass er in seiner ersten Plenarsitzung nach der Wahl, und zwar am l. Dezember 1889, dem langjährigen Mitgliede das Vertrauen aussprach. Es dürfte wenigen bekannt sein, dass die Idee, in Wien eine Rabbiners c h u 1 e zu errichten, von Emanuel Kaumgarteii ausging. Am [4. Jänner 1867, also zu . einer Zeil, da Baumgarten noch gar keine offizielle Stellung in der Kultusgemeinde hatte, richtete er an den Wiener Kultus vorstand eine Zuschrift, die auch aus anderen Gründen historischen Wert besitzt. Baumgarten weist nämlich mit Rücksieht auf die Bestimmungen des neuen W e h r g e s e t z e s, wonach die Kandidaten des geistlichen Standes, also auch des Rabbinates, von der Wehrpflicht befreit sind, darauf hin, tlass ,,im ganzen Kaiserstaate nur die Jeschiwa. in Pressburg als Rabbinatsschule staatlich anerkannt wird, dass sich diese jedoch mittelst eines, erst vor zwei Jahren erneuerten C h e r e m s gegen alle wissensehahliche Bestrebungen hennetisch abschliesse", weshalb er die Errichtung einer Rabbinatsschule in Wien in Vorschlag bringt. Nicht minder interessant ist es, dass die Errichtung eines jüdischen K i n d e r s p i t a 1 s, für welches in jüngster Zeit wieder eifrig Propaganda gemacht wird, ursprünglich von Baumgarten in Anregung gebracht wurde, und dass er es war, der im Jahre 189g, also zehn Jahre, nachdem er aus dem Kultusvorstande ausgeschieden war. im Namen eines Ungenannten 50.700 fl. für die Zwecke eines jüdischen Kinderspitales beim Präsidenten der Kultusgemeinde deponierte. Wie sich später herausstellte, stammte diese Spende vom Bankier Philipp l'horsch. Hier sei auch erwähnt, dass Baumgarten im Jahre 1889, also dem Jahre, in welchem er bei den Kultuswahlen unterlegen ist. der jüdischen Gemeindebibliothek 152 Bände verschiedener wertvoller Bücher spendete. %vw ©*$anisation de* oalizischcn Duden in ^icn. In dem unlängst erschienenen Artikel einer jüdischen Zeitschrift werden die galizischen Juden aufgefordert, zum Zwecke der wirksamen.'Bekämpfung des in der Metropole des Reiches gegen sie herrschenden unsinnigen Vorurteils eine \ Organisation zu gründen. Der Gedanke ist zwar nicht neu, allein dem Verfasser des Artikels. Herrn J. Grobtuch, gebührt trotzdem der Dank, diese Idee wieder zur Diskussion ge stellt zu haben. Denn die in Wien lebenden Juden des Ostens — ich gehe viel weiter als der Verfasser des genannten Artikels, der sich bloss an die galizischen Juden wendet: man zählt unterschiedslos auch die aus der Bukowina, Russland und Rumänien slamuM-nden Juden zu den , Polischen" - habt-n ein der I ai /'nii aIIcrgiöv-,1 en Teile nur l' Ii /.u/u < Iii'eibcil, dt,. -a<- im I 11i * lle-eli/yt iliruIii des Reiche-' gerade/u der \ ei a< In un,u pi'i^iiegebeii ind lhV,<- \nhn< >sh üi;:•;•■.-<;! die ' ■■ m jndvu oder d" liehe Vorurteil beinahe weniger von Judenfeinden, denen ja der aus Ost oder West stammende Jude in gleicherweise der„Saujud" bleibt, genährt wird, als von unseren eigenen Glaubensgenossen; was der Verfasser des genannten Artikels ja auch hervorgehoben hat. Ja man höre und staune. Gerade dort, wo wir Juden des Ostens dieses Vorurteil am wenigsten erwarten sollten, in unserer Kultusstube, kommt dasselbe am krassesten zum Ausdruck. Und nur diesem Umstände ist es zuzuschreib 1 1, dass sich ein Seelsorger getrauen durfte, von der Kanzel herab auf die Ostjuden loszuhauen. Gerade der letzt ang'efiihrte Vorfall hätte sich wohl schwerlich ereignet, wenn der würdige Herr Seelsorger von einer kräftigen Organisation der ()scjuden eine andere Zurechtweisung zu befürchten gehabt hätte, als sie ihm von Seiten des verehrlichen Kultusx orstandes widerfuhr. Die beiden in der Kultusrepräsentanz sitzenden Gali zianer, Hofrat Rappaport und Baurat Marniorek, besonders der erstere, scheinen im Gegensatze zu dem leider allzufrüh verstorbenen Artur Edlen von M i s e s nur ungern daran erinnert werden zu wollen, dass ihre Wiege im Osten stand, und sie können daher bei sich ergebender Gelegenheit für ihre Landsleute nicht mit dem Nachdrucke eintreten, der notwendig wäre, um jenes unselige Vorurteil mit Erfolg zu bekämpfen. Die aus Czaslau oder ähnlichen westeuropäischen Kulturzentren stammenden Herren halten sich schon deswegen für mehrwertig, weil sie Westjuden sind und vergessen nur gar zu gerne, dass auch die Ostjuden zum Haushalte der Gemeinde in nicht unbedeutendem Masse beisteuern. Ueber die verderblichen Folgen dieses unsinnigen Vorurteils für die wirtschaftliche und soziale Existenz der Ostjuden Hesse sich noch viel (mehr sagen, als es Herr Grobtuch in seinem Artikel getan hat. Allein wir wollen uns mit dem von ihi® Angeführten begnügen und dies bei gegebener Gelegen heit zur Debatte bringen. Jetzt möchte ich jedoch ausführen, welche Zwecke diese zu gründende Organisation verfolgen tnüsstc, um einen praktischen Erfolg aufweisen zu können. Herr Grobtuch scheint gerade hiebei vor seiner eigenen Idee erschreckt zu sein; es Hesse sich sonst nicht erklären, dass er als Zweck einer solchen Organisation nichts anderes anzuführen weiss, als die Abhaltung deutscher Lehrkurse für die aus Galizien stammende jüdische Jugend. Gerade an Gelegenheit zur Erwerbung von Wissen fehlt es in Wien nicht. Um ein Beispiel anzuführen: In den Lehrkursen des Volksheims wird niemand darnach gefragt, ob seine Wiege in Czasliau oder Tarnow stand. Die zu gründende Organisation hätte vielmehr in erster Linie den Zweck, eine Repräsentanz der in Wien lebenden Ostjuden zu sein, die bei jeder Gelegenheit dem grossen Publikum zu zeigen hätte, dass auch die Ostjuden einen wichtigen Faktor im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Metropole bilden, mit dem man rechnen müsse. Wenn auch dem Herrn Gröblich darin Recht gegeben sei, dass sich diese Organisation von jeder politischen Betätigung fern haken müsse, kann ich ihm keinesfalls darin zustimmen, wenn er ihr auch in dem u ichl ie^len, die Intercssi n der [udeuschafl langieren d< ii I alle li' i(h*n uichi j >< all iv lu a 1s ullusw alilen, die P.t l.ii j;-'Uii;-; 'i^ieoii s\ \\\. i i.ulr liicl i^t ja die besli ( it_]< gt ulicjl ^cgcbclij, de.li gfci richten WÜn - •< y»v^heu dei ostjüdischen Bevölkerung der -Reichs- — ,~ > .-^ ■ 1 1 --%>-' , cpv>',m.'i viw v-ijuvu./ HUU ift ' wirvi iuiij, i»--ju-> .jPolischeii" ist uni&o trauriger, als dieses' unglaubhauptstadt praktischen Erfolg zu sichern. Die Or-