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Neue Nationalzeitung · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 21. als es-heute der Fall ist, und welches schon äusscrlich zum Ausdruck bringen müsste, dass die Wiener Judenschaft., mit ihren fast 180.000 Seelen ein Faktor ist, mit dem man rechnen muss. Fine Reihe grösserer und, kleinerer Rro\ inzstädle sind nach dieser Richtung" der grösst-n Gemeinde des Reiches weit vorausgeeilt, und es wäre tief betrübend, wenn wir auch noch auf andeien Gebieten unsere führend« Stellungverlieren würden. Dies zu verhindern, iv. nicht nur im Interesse unserer (iemeinde allein, s"ndern in dem der gesamten judenschaft des Reiches muss unser stetes Streben sein. Bevor ich schliessc, muss ich noch für die anerkennenswerten Leistungen unserer Buchhaltung Und deren Ajmtsleiter Herrn R u f f unseren allerbesten Dank aussprechen und bitte Sie gleichzeitig den Rechnungsabschluß >ur Kenntnis zu nehmen." Ein Amtsjubilänm. Wien. Am 1. Mai feierle- <l<r Aiütslriter und Mairikt-nl'ühr.-r der Wiener Kultu^-viu •iiuk-. 1! n Michai-1 H r ."> >1it sein 2;j;iiiri^!'S Aiutsjulrilaiim. il-.-rr Brör-kr iiat sich wälin-nd srin-r Aintstiüi^keit durc h seine I>f!i< int reue, \ei iasslirhkeii und «hav'n sein;ovi;ik-s Auftieten die Ai.--rkenn'.n:4 seiner \'(>rj,i\-ri/ten vu siehern verstanden. Die 1': ,i/Ki->n und unbedingte Vei lässii« hkeit. mit welcher das .Matrikelami unter der I.eitun-; des Herrn I'rdsler arbeitet, wurde aut!; v.ni den kommunalen mid Staate bi hi'.rden wiederholt lobend anerkannt. \m ersten Mai war der Jubilar Gegenstand \ leliaHirr Khrun-eii seitens -eir.er \' >r-esi'tzten. Freunde und Kolleg -n. Sein Amts/immer war festlieb mit Blumen geselunüekt. Vom Präsidium der Kultusgemeinde gratulierten die Vizepräsident -n Dr. Gustav Knli n und Baurat' v G o 1 d s c Ii m i d t Im Namen <ler Beamten überreichten die Sekreiäre kais. Kat Dr. Liehen und Dr. Adler und Ilauptkassier J«'M-f P e t e r - <• 1 k a dem Jubilar ein wertvolles Gesehenk. Eine besondere Ehrung bereiteten die Beamten des Matrikekimtcs ihrem Amt>leiier. Der älteste Beamte des Ma- (rikelanues. Herr faknb Sirni. .-oi.e h im Xamen seiner Kol Ii -en her/liehe Worte der Anbaneliebkrii und 1'r uiul-eh dt finden fubhar und überreif hie ihm im Namen derselben einen wertvollen silbernen Heeher /um Andenken an die 25 jährige gemeinsame Tätigkeit. Allen Gratulanten dankte Herr l> r ö sler für die f reundschaltiiehen Kundgebungen. Aueh \ on auswärts erhielt Herr Brösler ^ühlreiche Glückwunsch-Teiegramme. Verband der Rabbiner Mährens nnd Schlesiens. Olmütz. Der Vorstand des Verbandes der R a b b i n e r AI a h r e u * u n d S c h 1 e s i e n s hat für den 2<S. Mai eine ausserordentliche (h:ucrahe-rsamin- Iung hieher einberufen. Beginn der öffentlichen Sitzung halb 11 I hr vormittags im Saale des deutschen Kasinos. T a g fMir d n u ng : 1. Begrüssung der Versammlung. 2. Vortrag des!'rär.idcnten des böhmischen Rabbinerverbandes, Hern!)r. Ku rrein. Rabbiners in Töplitz: ...M■nderni.^nms und Rabbiner". 3. Referat des Herrn Dr. Lex y, Rabbiners in Brünn: ..Der Wiener (h nieindebundestag und seine Haltung den Rabbinern gegenüber". l'm halb 2 Dir nachmittags findet eine nichtöffentliche Beratung der Kollegen über interne Angelegenheiten, wie Pensio isgesetz, XiLsanuncnschlusü der Rabbinerverbände etc. statt. Zar Wahrmund-Bewegung. Czernowitz, den 15. Mai (Orig.-Korr.). Die Bewegung, welche aus Anlass der Wahrmund-Affaire an den österreichischen Universitäten entstanden ist, hat auch in Czernowitz einen imposanten Demonstrationsumzug aller freiheitlichen Studenten zur Universität gezeitigt. An demselben nahmen auch alle jüdisch-nationalen Couleurs und die jüdischnationale Finkenschaft teil. Vor der Demonstration fand eine Konferenz der Senioren der freiheitlichen Studentenverbindungen statt. Bei derselben gab der Senior der jüdischnationalen akademischen Verbindung „Hasmonaea", cand. phil. Gabi im Namen der vier jüdischen Verbindungen folgende Erklärung ab: „Die jüdisch-nationalen Studenten sind sich wohl bewusst, dass sie in dieser Angelegenheit mit Studenten zusammengehen, die vor ungefähr 4 Monaten dagegen gekämpft haben, w ofür sie heute kämpfen. Angeblich freisinnige deutsche Studenten waren es, welche den Dozenten Dr. Arthur Mahler wegen seiner polititischen Ueberzeuguug an der Prager Universität unmöglich machten, ebenso waren es freisinnige deutsche Studenten, welche in Czernowitz, als es sich um die Uebertragung der venia legendi des Dozenten Mahler handelte, in einer Versammlung dagegen Stellung genommen haben. Wenn also der Fall Wahrmund für unsere Empfindung um nichts krasser als der Fall Mahler ist, so stehen wir jüdische Studenten dennoch nicht an, treu unseren freiheitlichen Prinzipien, unsere Solidarität mit der freiheitlichen Studentenschaft von ganz Oesterreich zu bekunden.'' Sämtliche jüdisch-nationale Studenten -Verbindungen haben des ferneren beschlossen, die Aufnahme ihres in der oberwähnten Erklärung gekennzeichneten Standpunktes in das dem Rektor zu überreichende Memorandum zu fordern. Diesem Wunsche wurde Reehnuug getragen. Die Antwort des Rektors enthielt auch einen bemerkenswerten Passus, der offenbar auf den Fall Mahler sich bezieht Der Rektor sagte u. A. „Es ist in diesem Jahre ein Fall vorgekommen, der einen Eingriff in die Lehrfreiheit an unserer Universität bedeutet; wir haben aber dagegen entschieden Stellung genommen. Und ich kann Ihnen nur versprechen, dass von diesem Standpunkte der akademische Senat stets die kundgetane Absicht zur Ausführung gelangen lassen wird . . Bekanntlich haben die deutsch-nationalen Studententen in Czernowitz gegen die Uebertragung der venia legendi des Dozenten Dr. Mahler von Prag nach Czernowitz in einer Versammlung im christlichen deutschen Hause protestiert und wegen dieses Eingriffes in die Lehrfreiheit eine Rüge des akademischen Senates erhalten. Die Uebertragung der venia legendi des Dr. Mahler nach Czernowitz ist aber bis heute trotzdem nicht erfolgt. Nun protestieren dieselben deutsch-nationalen Studenten gegen den Eingriff in die Lehrfreiheit durch Sistierung der Wahrmund'schen Vorlesungen in Innsbruck. Um aber die Demonstration überhaupt nicht unterlassen zu müssen, bedurften sie der Mitwirkung der jüdisch-nationalen Studenten. Diese sind ihren freiheitlichen Prinzipien getreu solidarisch mit ihren Kollegen in ganz Oesterreich vorgegangen, was sie aber nicht gehindert hat, die deutschnationalen Studenten an ihren Eingriff in die Lehrfreiheit zu erinnern — als es sich um einen jüdischen Dozenten gehandelt hat.

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