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Neue Nationalzeitung · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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„Neue National-Zeitung" Seite 5. Nr. 21. scheidet, seine Werke, an denen er jetzt arbeitet, bald wiederkehren werden. Der junge Dichter Ch. X. Bialik führt besondere Klage gegen Aehad Haam : Wozu hat ihn Achad Haam nach Odessa gerufen? Jetzt, da unser Meister uns endgiltig verlässt, was habe ich noch in Odessa zu suchen?" ruft Bialik tränenden Auges aus. Ks sprachen noch viele, alle interessant und traurig, und man hatte das Gefühl, dass nicht nur ein grosser Dichter, sondern auch die Seele der Odessacr jüdischen Dichterkolonie von dannen gezogen ist ... . Eine Abbitte. ..Anlässlich (k's Gemeindetages gebrauchte ilerr liiiuial Marmiorek in der Krr^un^ einen verletzenden Ausdruck gegen die Wiener Zkmisten. Durch die seinerseits inzwischen brieflich erfolgte, ausdrücklich;- Erklärung, dass er jenen Ausspruch, den er nur in momentaner Erregung gebraucht habe, mit dem Ausdrucke des Bedauerns zur Ganze zurücknehme, erscheint der Vorfall für alle Teile erledigt." Diese Erklärung findet sich in der letzten Nummer jenes Wattes, durch welches das ehrenwerte Trifolium Bohm-Margulies Zweig den Nachweis zu erbringen bestrebt ist, dass sie das Handwerk des Ehrabschneidens zu ihrem 1. •bensbei ufe zu machen seheinen. Herr Marmorek hat sie öffentlich ..Ehrabschneider" genannt und wir halten es für unsere publizistische Pflicht, von der Abbitte ebenso wie von dem Zuruf N;>tiz zu nehmen. Im übrigen mögen sieh die Herrschaften ihre Angelegenheiten unter einander austragen. Herr Marmorek wird wohl am bebten wissen, warum er sich zu dieser demütigenden Ab bitte entschlossen hat. Ein .Mann, dem die W iener Zionisten, wiederholt vorgeworfen haben, dass er sie an Theodor von Taussig verkauft hat - und Herr Marmorek hat ja selbst dem Ausruf ..Ehrabschneider" den Satz mit tränen erstickter Stimme vorausgeschickt: ..Es ist nicht wahr, dass ich die Zionisten an Taussig verkauft habe" sollte mit aller Gewalt eine Gelegenheit herbeisehnen, um zu beweisen, dass ihm t'nreeht geschehen ist, dass er verleumdet wurde Diese Gelegenheit hat sich für ihn jetzt gefunden. Er ist ihr aus dem Wege, gegangen. Vielleicht wollte er dem zweifelhaften Vergnügen ausweichen, mit diesen Maulhelden, die er wiederholt in öffentlicher Vorstandssitzung demonstrativ von sich abschüttelte, vor Gericht zusammenzukommen. Das hätte Vieles für sich. Denn er bleibt ja nach wie vor der Herr Marmorek. Das 'lecht. der „Genosse" einer Wiener ..Partei" zu sein, die keis, zehn volljährigen Männer zählt, wird ihm dauernd versagt. Wenn Dr. Herzl heute aufstehen und sehen würde, wer seine Wiener Apostel sind, er würde sich voll Ekel und Abscheu von dieser Gesellschaft abwenden. Zum Schlüsse noch eine Bemerkung. Es ist unter Gegnern, die sieh gegenseitig gefordert oder geklagt haben, wenn sie auch nur einen Funken Anstand besitzen, üblich, ihren Streit bis zur endgütigen Austragung ,mit Waffen oder vor Gericht journalistisch ruhen zu lassen. , Dieser Anstandspflicht ist Herr Dr. Landau selbstverständlich nachgekommen. Er liess am 14. März d. J. die ..Jüdische Zeitung" konfiszieren und überreichte gleichzeitig beim Landesgericht den Antrag auf Einleitung der .Strafuntersuchung gegen Herrn Alexander Geller. Am 20. Marz erschien in der „Jüdischen Zeitung" eine Anrempelung des Dr. Landau. Auf dieselbe wurde von uns weder in der folgenden, noch in einer späteren Nummer geantwortet, , Dafür aber hat die „Jüdische Zeitung" am 1. Mai die v e r 1 o g e n e n und v e r 1 e u m d e 1 i s c h e n Angriffe der ..Zeit" gegen Dr. Landau abgedruckt, wahrscheinlich, um Dr. Landau von der t"eberreichung seiner fertiggestellten Anklage abzuhalten. So zeigt sich denn der wahre, den primitivsten Grundsätzen des Anstandes und der Ehrenhaftigkeit widersprechende Charakter der Leute, welche unter Missbrauch eines jungen Studenten als Sitzredakteurs die .Jüdisch-e Zeitung" ,,redigieren", in seinem wahren Lichte. Ben Abi. PARLAMENT. Die Umversitätskämpfa. Der Kulturkampf, der sich einerseits an den deutschen Universitäten zwischen den fortschrittlichen und klerikalen Studenten und anderseits im Parlamente zwischen den Freisinnigen und Christlich-Sozialen deutscher Nation abspielt, ist ein eklatanter Beweis für die rücksichtslose Eroberungsgier der klerikalen Antisemiten. Was hat's genützt, dass sieht ihnen im Namen des ,,unterdrückten Deutschtums" die Deutsch-Nation alen und selbst die ..Fortschrittlichen" attachierten; die Antisemiten haben auf ihre klerikalen Postahtc nicht verzichtet, sondern haben im Gegenteil die Eroberung der Universitäten zu ihrem Schlagwort erhoben. Das Opfer der Gesinnung, welches die ,.freisinnige" Partei dem Bündnis mit den Christlich-Sozialen zu Liebe auf dem Altar ihrer nationalen Ideen niedergelegt hat. indem sie die jüdischen Abgeordneten ablehnte, vermochte die Klerikalen nicht zu beschwichtigen. Sie kennen keine Rücksicht, sie eilen von Sieg zu Sieg, von Eroberung zu Eroberung und zeigen so die lächerliche Position der deutschen Freisinnigen im Parlamente. Der Judenpunkt war so rasch überwunden; es schien, dass jetzt alle, Radikale. Freisinnige, deutsche Volkspartei und Christlich-Soziale gemeinsam und unverdrossen nur für das deutsche Volk, für die deutsche Wissenschaft, für ein gerechtes Sprachengesetz, für Schatz der Minoritäten einstimmig eintreten würden. Allein es geht nicht. Die Kirche braucht keine Sprachenfrage und keinen Minoritätenschutz; sie will Macht, Einfluss, sie will den alten Einfluss an den Universitäten wiedergewinnen. Ks ist erfreulich, dass die Studentenkämpfe an den Universitäten und die Partei-Intriguen im Parlamente jeder jüdischen ICinf iussphäre entrückt sind. Die jüdischen Studenten und Abgeordneten stehen von der Ferne. Sie sehen ein. dass sie hier nichts zu suchen haben. Die Zeiten sind längst vorüber, dass die Juden den ..Freisinnigen" die Kastanien aus dem Ofen holten. Die Juden verfolgen die Kämpfe der feindlichen Brüder an den Universitäten, sowie die antisemitischen Intriguen der.Christlich-Sozialen gegen den Unterrichts-Minister mit gespanntem Interesse. Sie sind auch bereit, für die Freiheit der Wissenschaft einzutreten : aber nicht als Vorposten oder Heerführer. Wir sind endlich bescheidener geworden nncl entdecken, welche Prügelknaben wir abgegeben haben. Die Vorgänge an der Czernowitzer Universität haben bewiesen, dass ,es gut ist, wenn die jüdischen Studenten warten, bis man sie ruft. Und man ruft sie. Dann gehen sie. Aber nur sich nicht vordrängen. Ist denn der Freisinn in ganz Oesterreich <o ge-

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