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Neue Nationalzeitung · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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„Neue National Leitung" Kr. 21. Ich nehme an, dass sich dieser Wunsch auf jenes Interview bezieht, welches ich in mehreren Zeitungen erwähnt finde und worüber mir zahlreiche Anfragen zugekommen sind. Ich erkläre nun. dass ich ein derartiges Interview in i t Niemandem hatte und ich erinnere mich überhaupt nicht. jemals mit e i r teil d e r ,.Z e i t" v i e w g e h a b t z wo begegnet, aber v i e w u n d h a b g e n g e m a c h t. i AY a s h ü b c i n g t :» n e r K o r r c n d c i n T h e m a Ich bin diesem Hei < J)1 d e er liatte mit ich i h m ■ l) t i i Angesichts dieser plumpen Fälschung, die sehr leicht viel Pnu^l hlitte anstiften können, weiss man nun in .Amerika ein für allemal, was man von der Wahrheitsliebe und der journalistischen Anständigkeit der „Zeit" zu halten hat. Dr. Sch. * * * Anmerkung der Redaktion: Die Mitteilungen unseres Korrespondenten kommen uns nicht überraschend; wir haben ,,L)ie Zeit", seitdem sie mit dem fingierten Gutachten des verrückten Löwendahl hineingefallen ist, für schlecht und >dummj gehalten. „Die Zeit" ist so gewissenlos, um wegen einer Sensation, die noch dazu erlogen ist, tausende '.■>!) Existenzen zu gefährden. Allein es ist charakteristisch, dass „Die Zeit", diesich immer mehr;:u einer Gefahr für die Juden entwickelt, den Wteuer zionistischen Ehrabschneidern als Ouelle ihrer schmutzigen Angriffe noch immer gut genug isi. Die anständigen Juden, speziell in QUlizien, werden wissen, was sie zu tun haben: Dieses famose Hetz-Blatt muss aus jedem jüdischen Hause h i n a u s g e w o r f e n werden! I^chad ffaam's Ebschied. (Von unserem Korrespondenten.) O d e ssa. Mitte Mai. Achad Ha am <A. Ginzbcrg) hat sich nun endgiltig entschlösse:). Kus.-iand für immer den Rücken zu kehren und sich in London dauernd niederzulassen. Er weilte vorige Woc he behufs Abwicklung seiner Geschäfte in Odessa und die jüdische Schriftsteüerkolonie erfaßt c die>en Aulass, um Achad Haam ein Abschiedsbankett zu geben, das, wie alles, was von dieser jüdischen Boheme kommt, seinen eigenen Reiz hatte. Nachdem Achad Haam gebeten hatte, von eigentlichen Toasten abzusehen, kam die Tafelrunde überein, anstatt Tischreden, sozusagen g e sprochene M e m o i r e n vorzutragen. Man bekam hier ganz interessante, zum Teil noch gar nicht oder nur wenig bekannte Mitteilungen zu hören, die auch historisc hen W ert besitzen. Als erster gab Lssischkin seine Reminiszenzen zum Besten. Er gedachte seiner ersten Begegnung mit Achad-Haam. Eigentlic h war es ein Bekanntwerden mit einem Begriffe, mit zwei Wörtern: Achad Haam. Es war im Jahre 1889: er, Essischkin, war damals noch Student jn »Moskau. Er musste in irgend einer Sache nach Petersburg, und es war nur selbstverständlich, dass, wenn man einmal in Petersburg ist, auch die bekannten jüdischen Schriftsteller aufsuchen müsse. Als Chowew- Zion besuchte er den Redakteur des damaligen Hameliz", Herrn Zederbaun). Zederbaum erzählte ihm nun, dass1 er von einem Odessaer Maskil einen sehr scharfen Artikel gegen den Chow ewei-Zionismus erhalten habe, den er jedoch nicht abdrucken wollte, um seinem Blatte und der Richtung nicht zu schaden. Mit schwerer Mühe gelang es, Zederhaum zum Abdrucke des Artikels zu bewegen. Es war der erste Artikel von Achad Haam „E o Zeh II ade rech" (,,Nicht das ist der Weg"), der damals so ungeheures Aufsehen erregte .... Aus den weiteren Reminiszenzen Ussischkins ist hv. nders diejenige interessant, die sich auf die seinerzeitige Deputation zum Pariser Rothschild bezog. Wie bekannt, hat eine Versammlung der Chowewei-Zion im Jahre 1901 beschlossen, in Angelegenheit der palästinensischen Kolonien eine Deputation an den Pariser Rothschild zu entsenden. Mitglied dieser Deputation war auch Achad Haam. In einer Sitzung, welche die Deputation in Paris hielt, beantragte Achad Haam, dass die Abordnung an Rothschild die kategorische Forderung stelle, dass er die Bevormundung der Kolonien in Palästina ein für allemal aufgebe, weil er durch sie mehr schade als nütze. Der Baron möge den Kolonien ihre Selbständigkeit sichern, denn so lange Baron Rothschild die Kolonisation in Palästina nicht aP eine allgemeine, nationale Sache betrachtet, ist sie nichts mehr, als eine ,,Phantasie eines Barons", für welche die jüdische Allgemeinheit gar kein Pateresse haben könne. Achad Haam erklärte gleichzeitig, in diesem Sinne der Sprec her der Deputation sein zu wollen. Die Mitglieder der Deputation erschracken jedoch vor einem solchen entschiedenen Schritte und lehnten den Antrag Achad Haams mit allen gegen zwei Stimme-.! ab. Er trat in Konsequenz dessen aus der Deputation aus und ging nicht mit zu Roth schiel .... Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir auch ein anderes interessantes Moment. An der Deputation hat sich auch Dr. Nord au beteiligt, der sich während der ganzen Zeit, während welcher ehe Deputation in Paris weilte, hauptsächlich mit Achad Haam unterhielt. Am Schlüsse eines solchen anregenden Gespräches rief Dr. Nordau entzückt aus: ,,Der Tag, an welc hem Sie, Herr Ginzberg, in die zionistische Organisation eintreten werden, wirei der glücklichste meines Lebens sein". Das ist authentisch und. geschah alles in allem anderthalb Jahre, bevor Herzls Alt-Neuland" erschienen war, und Nordau seinen persönlichen Angriff gegen Achad Haam veröffentlichte .... Auch der alte ,,Seide" Menelele Mocher S fori m ergriff elas Wort, indem er mit Trauer eles Zerfalles der ()dessaer jüdischen Dichterkolonie gedachte. Dr. Klausner erinnert in seinen Reminiszenzen an eleu ersten Kongress, bei welchem sich Achad Haam schon als Gegner Herzls zeigte, dem er niemals recht trauen wollte. Kr erinnere sich noch, wie derselbe Achad Haam, der allgemein als der kaltblütigste Mensch gilt, zu jener Zeit, als die erste Nac hricht von dem Fgandaprojekte nach Russland kam, so aufgeregt und zornig wurde, elass seine Freunde grosse Mühe hatten, ihn zu beruhigen. Die ganze Nacht waren sie beisammen und Achad Hiaam rannte im Zimmer umher und rief ununterbrochen : ,,Also so rasch hat sich der wahre Herzl gezeigt! . . Dr. Klausner tröstet sich schliesslich damit, dass, wenn auch der Körper Achad Haams von Odessa

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