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Neue Nationalzeitung · 1908-05-15 · Heft 20 (15.5.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Neue National-Zeitung" Nr. 20. Reichskolonialamtes, zahlen. Sein Vater, Joseph Dcrenbourg (geboren 1811 in Mainz, gestorben 1895 in Ems), war der hervorragende Orientalist und Professor an der Keule praetique des ha Utes ctudes. Sem Sohn, geboren 1844, widmete sich gleichfalls dem Studium der orientalischen Sprachen, zuerst unter Reinaud in Paris, spater unter Fleischer in Leipzig und unter Ewald in Güttingen, an welcher letzteren lniversität er 18O7 mit einer lateinischen Abhandlung über die Pluralbildung in der arabischen und in der äthiopischen Sprache die philosophische Doktorwürde erwarb. Er kehrte dann nach Paris zurück, wo er von 1807 bis 1870 als K'ustos an der Nationalbibliothek namentlich mit ehr Bearbeitung der arabischen Handschriften beschäftigt war und 1875 L>ozent der arabischen Sprache an der Ecole des orientales Vivantes wurde. 1875 zum Professorf ernannt, erhielt er gleichzeitig einen Lehrauftrag für arabische Sprache und Literatur in der philologischen Sektion der Ecole practique des hautes etudes, an der auch sein Vater wirkte. Im Jahre 1885 wurde ei zum Studiendirektor dieser Anstalt befördert und bald darauf auch zum Professor für islamitische Religionswissenschaft ernannt. Seit 1900 war er Mitglied des Institut de France. Verschiebung der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reiche. In einem der neuesten Vierteijatusiiette der Statistik des Deutschen Reiches befinden sich u. a. auch Angaben über die Keligionsverhältiusse der Bevölkerung des Deutscneti Reichs nach der Zählung von 1905. Wir geben daraus hier die Zahlen der Juden wieder und setzen dazu in Klammern die Zahlen vom Jahre 1871. Provinz Ostpreussen 13-553!.'4425j, Westpreussen 16.139 '..-''AS2.1* Stadt Berlin 98.893 (,30.0151, Brandenburg ohne Berlin 40.427 1.030;, Pommern 9OO0 (13.036], Posen 30.433 151.982;, Schlesien 40.845 (4O.O29;, Prov. Sachsen 8050 1,5917;, Schleswig-Holstein 3270 ^3729;, Hannover 15.581 (,12.790;, Westfalen 20.757 U7.245;, Rheinland 55.408 ^38.423;, Hessen-Nassau 50.010 130-390;, fiohenzollern 4O9 (/in, Königreich Preussen 409.501 1325 5541, Bayern 53.341 130.602;, Kgr. Sachsen 14.697 13357. Württemberg 12053 (12.245;, Jadeit 25.893 (25.703;, Ciiossnerzogtum Hessen 24.690 ^25.373/, -Mecklenburg-Schwerin 1482 ',2945;, Sachsen-Weimar 1421 (H2o;, Alecklenburg-Strelitz 298 1485;, Oldenburg 1493 (1484;, Braunschweig 1815 4171;. Sachsen-.Memingen 125O (1025;, Sachsen- Altenburg 131 (ioj, Sachsen-Koburg-Gotha 714 (2101, Anhalt 14O0 ^1890;, Schwar/burg-Sondershausen 195 m8o;, Schwarzburg- Rudolstadt 82 (I19/, Waldeck 029 1834;, Keuss ältere Linie 54 (19;, Reuss jüngere Linie 290 ^20;, Schaiimburg-Lippe 246 ^351;, Lippe (Detmold; 735 1,1035;, Lübeck O38 (.505;, Bremen 1432 (4O5;, Hamburg 19.002 (13-790;, Elsass-Lotbringen 31.708 ^40.928). — Deutsches Keich O07.862 1312-158;. Zur Nachahmung empfohlen! Das russische Bildungsmini sterium hat angeordnet, dass bei getauften Juden in Zeugnissen und Diplomen vermerkt werden muss, dass sie jüdischer Abstammung sind. Die Judenbekehrung in Russland. Jn einer Kommission der russischen Duma wird zurzeit ein Entwurf über die Gewissensfreiheit beraten. Wie es mit diesen Dingen in Wirklichkeit steht, wird durch die folgende wahre, erschütternde Geschichte illustriert, die Dr. L. Gordon in einer Petersburger russischen Zeitung erzählt. ,,Vor einigen .Monaten,'1 so heisst es dort, „kam dje junge jüdische Frau G . . . nach Petersburg zurück. Auf ihrem Arme trug sie einen Saugimg, sie selbst war verhungert und aller -Mittel bar. Gute Leute gaben ihr den Rat, das Kind ins „Säuglingsheim " zu geben, wo arme, kleine Kinder genährt und erzogen werden. Die unglückliche Alutter brachte ihr Kind in die Wohltätigkeitsan.stalt, die ihr Kind vor dem Hungertode erretten sollte. Die Leiterin des Säuglingsheims ist auch tatsächlich bereit, das Kind aufzunehmen. Aber ein kleines Hindernis — das Kind ist ein Judenkind und Judenkinder werden in dieses Haus der Barmherzigkeit nicht aufgenommen. „Lasst doch das Kind taufen," meint die Leiterin, „dann nehmen wir ein hungerndes, frierendes Kind mit Vergnügen auf." Die .Mutter will natürlich von einer solchen Zumutung nicht einmal hören und rennt mit ihrem schreienden Säugling aus dem Bereiche dieser Wohltätigkeitsanstalt. Aber — es vergehen einige Tage. Die .Mutter isst nichts und findet keinen Schlaf. Wie wahnsinnig taumelt sie über die Strassen der Hauptstadt und späht nach Hilfe und Rettung. Sie bleiben aus. Das Kind weint, schreit und ist ihr hinderlich im Arbeitsuchen und die -Mutter muss nachgeben. Das Kind ist getauft und wurde „mit Vergnügen" in die Wohltätigkeitsanstalt aufgenommen, die sich „Petersburger Säuglingsheim" nennt. Einige Monate sind verstrichen. Die Mutter hatte sich, so gut es eben ging, erholt. Sie hat irgendwo Arbeit genommen und lebt recht und schlecht wie ein Mensch. Es ist ihr sogar möglich geworden, das Kind wieder zu sich zu nehmen und sie geht ins Säuglingsheim, um sich ihr Kind zu holen. Dort wird sie jedoch abgewiesen. Weshalb.' Ganz einfach: Das Kind ist schon ein Christ und die Mutter ist noch immer Jüdin. So einfach aber die Sache auch ist, die Mutter vermag sie nicht zu begreifen. Sie wird aufgeregt und beginnt zu schreien : „Was heisst das? Das Kind gehört doch mir?" — „Jawohl, natürlich gehört es Euch!" — „Warum will man mir es dann nicht geben?" - „Wir dürfens nicht. Das Kind ist ein Chrifst und Ihr — eine Jüdin. Das Gesetz verbietet so was. Aber seht 'mal her, wenn Ihr Euch auch taufen lasst, dann stünde die Sache anders." — Man denke sich eine Mutter, die ihr Kind einer wohltätigen Anstalt auf kurze Zeit übergibt, auf dass es genährt und gepflegt werde und sie kann dieses Kind jetzt nicht wieder haben. Die Folge davon — die Mutter - - lässt sich taufen! -- So kauft sich der Czarismus neue christliche Seelen. Die Grabstätte unserer Patriarchen wird in dem jüngst erschienenen Werke „Die Urheimat unserer Väter" von Muhammed Adil Schmitz du M o u 1 i n sehr eingehend geschildert. Diese Beschreibung ist umso interessanter, als ja bekanntlich den Nichtmoslims der Zutritt zu der Stätte aufs Strengste verboten ist. Schmitz du Moulin schreibt: „Um in die grosse Moschee, welche die Grabstätten des Patriarchen A b r a h a m und seiner Familie enthält, zu gelangen, steigt man /eine breite, schöne Trepp;; hinauf. Sie führt zu einer langen Galerie, von welcher aus man auf einen kleinen Hof gelangt. Links befindet sich ein Säulengang mit viereckigen Pfeilern. Die Vorhalle der Moschee enthalt zwei Zimmer, das eine rechts enthält das Grabmal Abrahams, das andere links das Grabmal der Sarah. Im Hauptgebäude der Moschee, welche in gotischem Stile gebaut ist, sieht man rechts und links zwischen zwei starken Pfeilern je ein freistehendes Häuschen: rechts das Grabmal Isaaks, links das Grabmal der R e b e k k a. Auf der anderen Seite des Hofes ist ebenfalls eine Vorhalle, die auf beiden Seiten ein Zimmer hat. Rechts ist das Grabmal Jak o b s, links das Grabmal der Lea. Zur rechten Hand, am Säuleneingange des Tempels, führt eine f ür zu einer langen Galerie, welche man auch als Moschee verwendet; von dort gelangt man in ein anderes Zimmer, worin das Grabmal J o .s e f s zu sehen ist, der in Aegypten starb und dessen Ueberreste die Israeliten hierher gebracht haben. (Bekanntlich sind, wie Josua 24,32 berichtet wird, die Gebeine Josefs nicht in der Hohle .Uachpclah, sondern bei Sichern auf dem Stücke Feld, das Jakob von den Söhnen des Chamor gekauft hatte, beigesetzt worden. Red.; Alle Grabmäler der Fatnarchen sind mit reichen, grunseidenen, köstlich mit Gold gestickten Teppichen, die Grabmäler ihrer Frauen mit roten, ebenfalls gestickten I eppichen überdeckt. Die Sultane von Kon stantinopel spendeten diese Teppiche, die von Zeit zu Zeit erneuert werden. Am Grabmal Abrahams sind neun solcher Teppiche übereinandergelegt. Die Zimmer, worin sich die Grabstätten befinden, sind ebenfalls mit reichen Teppichen belegt. Der Zugang zu denselben ist mit eisernen Gittern, hölzernen, silhcrplattiertcn Türen mit silbernen Schlüsseln und Vorlegeschlossern verwahrt. Für den Dienst in der Moschee sind mehr als hundert Personen angestellt. In der Moschee selbst ist eine Kanzel für die Predigten, die bei den Moslims bekanntlich am Freitag abgehalten werden. Die Moschee, das Haräm, ist aus einer christlichen Kirche entstanden, die zuerst zu Justinians Zeit über der Höhle Machpelah errichtet und dann von den Kreuzfahrern neu erbaut wurde." ßincr Profcssorcnfamilic ins Stammbuch. Wie ist's so schön, wenn man am Samstag Abend Beim Lampenschein zusammensitzen kann, Und, sich an echtem Wiener .Backhuhn labend. Fängt seine Romfahrt zu erzählen an: „Natürlich bin ich auch beim Papst gewesen, G'Ott, was ein netter, was ein feiner Mannl Ich hab' gehört, wie er die Mess* gelesen 1 Was soll ich sagen — ich war vorne dran!" 1 ■ ' [ So dachtet 1 h r Euch sicherlich die Sache, Und drängtet kühn Euch hin zur Kommunion. Doch leider kam's dabei zum grossen Krache, Und war's selbst Zufall — Ihr verdient den Lohn! Mit Recht wallt stürmisch der Entrüstung Woge, Und war's Euch unbekannt, so wisst Ihr's nun: Es hat der Papst nichts in der Synagoge Und Ihr nichts bei der Kommunion zu tun! („Die Jugend".) Karlchen,

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