Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Herr Berisch Silberbusch, zum Präsidentenstellvertreter Samuel Kritz, in das Direktorium die Herren: Mathias Händler, Jakob Holder, Samuel Jutner, Karl Metsch und Leibisch Rosenblatt. De Bank hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen und es wäre ihr nur, als einem wahren Volksinstitute, eiDe recht kräftige Unterstützung der jüdischen Bevölkerung zu wünschen. Deutsches Reich. Dr. Eduard Glaser — gestorben. München, den 8. Mai. Der Arabienforscher Eduard Glaser, ein gebürtiger Oesterreicher, ist heute in München, wo er seit Jahren lebte, plötzlich gestorben. Glaser, im Jahre 1855 in Deutsch-Rust in Böhmen geboren, studierte auf dem Polytechnikum in Prag, machte 18S0 eine Forschungsreise nach Tunis, ging zwei Jahre später durch Tripolis nach Alexandria und 1883 in das südliche Arabien, das er nach drei Eichtungen durchquerte. Ausser verschiedenen Studien über die arabische Sprache schrieb er auch eine Skizze der Geschichte und Geographie Arabiens von den ältesten Zeiten bis Mohammed. Der Verstorbene hat eine Zeitlang ein warmes nteresse gehegt an der grosszügigen Einwanderung der Juden nach der Türkei. Es entstanden jedoch zwischen ihm und Dr. Herzl im Jahre 1897 Missheliigkeiten, die einer erregten Presskampagne und dann zu gegenseitigen Ehrenbeleidigungs - Klagen führten. to G£MEiNDEun& VSReiNSNÄWRitWW Wien. I)cr..!sr. 11 um mitaUv .■:-in zur Au-.1 all m u e{c " Im: am fi. (1. .M. seine < ieneraher-aiiuniung abg. halieo. Ks wurde ein neuer Auss<-!nis> aus der Milte d -r < >pp..sii:.in -cu'iilill und «Irr Bes.'hluss gefass!. unter Zu/iehung ' \ ,n untere.: Mi; gliedern die notwendige Statutenändi rung \ mvaihei eiten. W behalten uns bis zur Verlage de-, Statuten ntwurles uns. 1 Aeusseruug Vor. So \ iel -teilt es i -doch heute fest, tl'is.s d. \'erein mit seinen gegen'.vartigen Si nuten mein reüssieren kaue. Wien. Der \Y>- :- ./! i! e r .. ]>, •, , i, „ ,- i nc M.. Tai)-! stra->e 57. b<e;iI>^i< Iit1. den 1".-beiständen bezüglich der Sabbat heiligung im Interesse der Stellcnsindicnden abzuhelfen, indem er sich einerseits an den V rem „für unentgeltlichen Arbeits naehweis" wendet, an,!, rseiu das Ansuchen an' die 1'. T. Herren Ghet's stellt, am Samstag ihre (Geschäft'' -es. blassen xu halten. Budapest. Die hiesig- ("nevra Kadisrha hielt mit -r dem Vorsitze des Präsidenten' Julius \V i n t e r b ■ r g und unter grosser Beteiligung der Vorstandst!!'.!gheder ihre lahres-( ieneralvcrsammlung ab. Nachdem der Präsident die Anwesenden begrüsst hatte, wurde der -vom Sekretär und Anwalt Dr. Kr. M e z e v verfasste Jahresbericht vorgelegt, welcheein vollständiges Bild der humanitären Tätigkeit des Heiligen Vereines entwirft. Kür l nterstützungen hat der Verein I4~.~ v> K>' >nen und für Kranken- I Hege 72.655 Kranen verwendet. Bestattet wurden 2650 Personen. Das Vereinsvermögen betragt ^.2? }.'•-!-• Ke.men. Das Budget pro lyo." weist 0:24.545 Kronen Hinnahmen und 649.-c<S Kronen Ausgaben, somit ein Defizit von 25/223 Kronen auf. An Spenden zur Verteilung an Arme sind 18.520 Kronen eingeflossen. Der Bericht und das Budget wurden zur Kenntnis genommen und der Vereinsleiumg das Absolutorium erteilt. In das Rerhnungsrevisionskomitee wurden als neue Mitglieder Bela v. Dirsstay und Oskar Krisst gewählt. Der Piasidenl schloss hierauf die Generalversammlung mit einer schönen. von poetischem Schwünge getragenen Rede, der wir nachstehendes entnehmen : ..Die alljährliche Generalversammlung ragt wie ein Meilenstein auf unserem Lebenswege: ein Stück ist wieder durchgelaufen, der Blick zurück zwingt den, der hören kann und sehen, zum Denken und Betrachten — wohl auch zum Sprechen, zumal es uralter Brauch und ganz charakteristischer Zug jüdischen Geisteslebens seit {eher war, in der Versammlung, die dem Gemeinwohl dient, befruchtender Anregung nachzuspüren, dass die alltägliche Wirksamkeit sich neu belebe und erfrische und dieses unser Haus scheint mir dafür berufene Slelle, denn ich denke mir die ("hevra Kadisehl als pochend Her/ im Leib d s Judentums, das klopft und bebt mit edler Gewalt, vom Wechsel der Krcignisse getrieben. Was draus;en in der Zeiten Flucht uns das Verhängnis bringt, hier klingt es nach, wir aber wissen lange, wie man des Lebens Last und Schwere zwingt, wie man es i'ägi, cü'ägt und überwindet — die sondergleichen Meister ücr Kmsagung - da. Hine aber haben wir erfahren und auch zumeist am eigenen Weh erfahren, kein Hieb trifft schwer, wie der von Bruderhand Im Weisheitsschatze unserer Alten birgt sich ein Spruch, an Worten knapp, doch inhaltsschwer, ich will's versuchen, ihn xu deuten: Ks lieisst. Du sollst dem Durstenden Den nächsten Weg zur Ouelle weisen, Dass keine Seele Schaden leide. Die sein* nieht und nicht die Deine! Wenn ich mit meinen Worten gerech! cn Stolz und Selbstbeuusstsejn wecken will, um Fahnenflucht und T r e; b r u c h einzudämmen, gilt dies doch keineswegs den braven Sireitern, d: laut und >fi mi si' h zu imbekennen, erhobenen Haupte, an unse; - Seite gehen, die Halben meine ich. die Angckrankten. di h em'i-ii in ein fremdes Lager schielen und uns in; Zwielicht gern \ rleugiK n. die Brüder mit dem 11 e 11 c 11 K a i n s x e i c h e n. die g o t t v e r g e s s e n i h r e \' ii t e r schmähen Wir sind so wenige, der Gegner Viele, dass je der Stein uns f dilt. den war verlieren, ob ihn der Tod uns raubt, oh, ihn ein widrige-, Gesehiek hr-rausraisst aus dem kimh nden Gefüge, was Wunder, da-s Verlust uns doppelt trifft und kränkt." $us allen weLtteneN Ein jüdischer Graf Potocki. Das blutige Attentat gegen den Statthalter von Galizien erinnert an den gewaltsamen Tod eines Grafen Potocki aus dem 17. Jahrhundert, der freilich nicht politischem, sondern religiösem Fanatismus zum Opfer fiel. Seine Schicksale sind in Lelew^l-; „Polska", 3. Band, mitgeteilt. Er war in Wilna geboren und widmete sich von seiner frühesten Jugend an theologischen Studien. Er prüfte die Dogmen aller bekannten Religionen und unternahm Reisen in die verschiedenen Länder Europas, um seine Gedanken mit gelehrten Männern auszutauschen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalte in Paris, wo er häufig mit den Gelehrten der Sorbonne über religiöse Fragen disputierte, ging er nach Italien, um dort zum Judentum überzutreten. Allein die Rabbiner, die den Papst fürchteten, widersetzten sich seinem Wunsche. Darauf verlies** er Italien und ging nach Amsterdam, wo er sich der notwendigen Bekehrungsprozedur unterzog und die jüdische Religion annahm. Man gab ihm den Namen Abraham, da der Patriarch Abraham der erste Proselyt war. Er blieb in Amsterdam einige Jahre, die er auf das Studium des Talmuds verwendete, und kehrte alsdann, als polnischer Jude verkleidet, in seine Heimat zurück. Doch in seiner Geburtsstadt wurde er bald erkannt und durch den Einfluss seiner mächtigen Verwandten in den Kerker geworfen. Anfangs leugnete er, der Graf Potocki zu sein, aber man marterte ihn so lange, bis er endlich gezwungen war, alles Vorgefallene zu gestehen. Hierauf wurde er, auf Wunsch seiner Angehörigen, zum Feuertode verurteilt. Beim Scheiterhaufen angelangt, hatte der unglückliche Graf Potocki noch die Kraft, an seine herzlosen Verwandten folgende Worte zu richten : „Glaubet nicht, dass es eine Gerechtigkeit ist, die ihr ausübt; ich sterbe gern für meine Ueberzeugung, aber mein unschuldig vergossenes Blut wird einst an euch gerächt werden