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Neue Nationalzeitung · 1908-05-15 · Heft 20 (15.5.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20. „Neue National-Zeitung" Seite 5. Die Redo Pergaments. Hierauf ergreift der Abgeordnete von Odessa, Rechtsanwalt Pergament, das Wort. In scharfen Worten wies er all' die lügenhaften Verleumdungen der echten Russen" zurück und weist nach, dass die sogenannte offizielle Statistik über dio| Dienstverweigerung der Juden ganz falsch ist. So hätten z. B. im Jahre 1906 gesetzlich blos 50.240 JHiden zur Assentierung berufen werden 'sollen. Tatsächlich wurden aber v i e r u n d s c c hzigtausend Juden berufen, sodass es kein Wunder ist, wenn 10.000 Juden dem Rufe nicht Folge leisteten. Das Endresultat ergab jedoch, dass um v i e r t a u s e n d Juden Vn e h r als tauglic h zum aktix en Militärdienst herangezogen wurden, als nach dem Gesetze zulässig war. Abgeordneter Nisselowitsch. Der j ü d i s c h Abgeordnete X i s s e 1 o w i t s c h führt aus: ..Die Frage, welchesich mit den dem Militärdienst fern Meinenden Juden beschäftigt, ist eine alte. Ein bedeutender Schriftsteller seiner Zeit, d> r diese frage im Gegensatze zu dem ..Patrioten" /. ,i m i I o v. s k i mit Ernst und Würde behandelt hat. R o h i n o w i l s e h. hat in seinem Buche den Nachweis erbracht, dass die Juden, trotzdem ihnen der Militärdienst schwerer gemacht wird als allen anderen, jährlich mehr Rekruten liefern, als sie gesetzlich hierzu verpflichtet Mären. Sie tun dies, weil sie mit Russland eng verbunden sind, v/ci! .sie diese Schulte liebe?) und wenn sie schliesslich Russlatid den Rücken wenden. s,> ist es die grosse Not. die sie von d :t n n c n jagt. Es ist eine Rüge, dass deluden die Arme korrumpieren würden! I'urischkiewitsch behauptet, dass die Juden in ihren Tornistern ganze Pakete revolutionärer Proklamationen mitgeführt und in der Armee verbreitet hatten: das ist eine Lüge, die nur Purischkiewitsch zu behaupten -wagt. Gebt den Juden gleiche Rechte mit den übrigen Bürgern und sie »werden genau so heldenmütige Soldaten sein, wie unsere Brüder im Auslände es sind." (Beifall.) Abgeordneter Friedmann. Der zweite jüdische Abgeordnete, M, Fried mann, gibt folgende Erklärung ab: „Ich muss erklären, dass die jüdischen Abgeordneten im Namen von sechs Millionen Juden der Duma folgendes mitzuteilen haben: ..Die jüdische Bevölkerung erachtet es als ihre Pflicht, alle Pflichten und Lasten des Staates in demselben Masse zu erfüllen und zu tragen wie die übrigen russischen Untertanen. Die jüdische Bevölkerung protestiert gegen alle Mittel und Massregel, durch welche sie in eine Ausnahmslage versetzt wird. Die jüdische Bevölkerung erklärt jedoch, dass, indem sie alle Pflichten dem Staate gegenüber treu erfüllt, auch alle jene Rechte fordert, welche die übrigen Staatsbürger in diesem Staate.gemessen." (Stürmischer Beifall links. Bewegung rechts.) Diese kurze, aber entschiedene Erklärung w\irdc in der (grossteu R uhe angehört. Nachd em :noch einige Oktobristen und Mitglieder der Rechten gegen die Juden gesprochen hatten, 'wurde in vorgerückter Stunde die Debatte geschlossen. ' Nach langen Debatten wurde schliesslich der Antrag Krupenski, gegen den auch ein Teil der Oktobristen gestimmt hatte, abgelehnt, \ Militarismus und die Duden in Deutschland. Die Zurücksetzung der judischen Soldaten in der Deutschen Armee. Dieses Thema brachte im Deutschen Reichstag der Abgeordnete Kopsch (Freisinnige Volkspartei) am 30. März sehr energisch zur Sprache. Er sagte: ..Dir Mannschaften jüdischen (Glaubens haben im TIcerc manche Unbilligkeiten zu erdulden. Jüdische Einjährige hält man bewus.st vom Offizierskorps fern. Dieser Boykott der Hinfahrigen jüdischen Glaubens ist ein Verstoss gegen die Verfassung. Die Heeresverwaltung behauptet, die Wahl der Reserveoffiziere erfolge ganz unabhängig vom Rcservcoffizierskorps. Dann ist es aber die Pflicht der Regierung, dafür zu sorgen, dass nicht verfassungswidrige Grundsätze bei dieser Wahl ausschlaggebend sind. Der Redner .führt verschiedene Kalle in Berlin und Danzig an. wonach R e g i m e n t s k o mni a n d e u r e a u s i h r er antisemitische n N e i g u n g kein H e h 1 m a c h t e n. Der Redner weist auf den Fall des Sohnes des Justizrates Feige in Breslau hin, der wegen seines Glaubens zum Offizierskorps nicht zugelassen wurde, obgleich sein Vater früher selbst Offizier war. Es sei tief bedauerlich, dass die Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben vom Offizierkorps ausschliesse. Schon in der zweiten Lesung hat ein Parteifreund von mir die Zurücksetzung der Mannschaften, jüdischer Konfession gegenüber den christlichen Kameraden zur Sprache gebracht. Die Regierung hat darauf erwidert, dass sie, wenn solche Zurücksetzungen wirklieh erfolgt sein sollten, sie auf das entschiedenste missbilligen würde. Diese Antwort genügt uns nicht, um die Tatsache aufzuklären, dass mindestens seit dem Jahre 1880 im Gebiete der preussisehen Militärverwaltung kein einziger Jude Reserveoffizier geworden ist. Hört, hört! links.) Von einer allgemeinen Undichtigkeit der Juden kann keine Rede sein, denn innerhalb der bayrischen Militärverwaltung werden die Juden zu Reserveoffizieren befördert. Auch in Preussen war das bis zum Jahre 1880 der Fall. Die Regierung müsste unseres Erachtens darüber wachen. dass bei den Wahlen nicht Gesichtspunkte ausschlaggebend sind, die den allgemeinen Staatsgesetzen zuwiderlaufen. Man kann geradezu von einem Boykott der Mitbürger jüdischer Konfession sprechen. Dabei schreibt die Verfassung ausdrücklich vor. dass der Genuss staatsbürgerlicher Rechte von dem religiösen Bekenntnis unabhängig sein soll. Wenn daher aus der Tatsache des dauernden Ausschlusses der Angehörigen einer bestimmten Glaubensgemeinschaft sich der Verdacht ergibt, dass das Offizierskorps bei Ausübung seines Wahlrechts dennoch das religiöse Bekenntnis entscheidend sein lässt, so wäre es die Pflicht der vorgesetzten Behörde durch wiederholte Belehrung und andere Massnahmen einem derartigen Missbrauch entgegenzuwirken. (Zustimmung links.) Ferner muss ich darüber Klage führen, dass die Juden schon während ihrer einjährigen Dienstzeit zurückgesetzt werden, [ch erkenne gern und dankbar an, dass die Offiziere zu einem Teil gerecht denken und sich bemühen, auch den jüdischen Untergebenen gegenüber gerecht zu handeln. Es zeigt sich aber die betrübende Erscheinung, dass. wenn nach den Ursachen der Zurücksetzung jüdischer Einjähriger gefragt wird, sehr oft Antworten gegeben werden, die den Anschein eiwecken. als bemühe man sich, andere Ursachen anzugeben, als in Wirklichkeit ausschlaggebend waren. Man macht es den luden entweder dadurch schwer, dass man sie vom Offiziersunterricht ausschliesst. oder man befördert sie nach sechs Monaten Dienstzeit nicht zum Gefreiten, oder wenn sie zum Offiziersunterricht zugelassen werden, so schlägt man sie nicht zum Reserveoffiziersaspiranten vor. Nur wenige erreichen die Befähigung, und auch wenn sie diese erreicht haben, sind noch nicht alle Klippen überwunden. Die Regierung hat erklärt, ein Einfluss auf das Offizierskorps des Beurlaubtenstandes stehe ihr nicht zu. Das mag richtig sein, aber auf die Offiziere im aktiven Dienst hat >sie doch einen Einfluss." (Sehr richtig! links,1! * *

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