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Neue Nationalzeitung · 1908-05-15 · Heft 20 (15.5.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 20. ziert schliesslich die j jüdischen Soldaten, dass sie in der Armee die verschiedensten Krankheiten verbreiten. Einen eigentlichen Beschlussantrag hat er aber nicht gestellt. Diese Rolle war dem extremechten" Krupenski zugeteilt. Krupenski erging sich zunächst in ein allgemeines Geschimpfe über die luden und rückte schliesslich mit dem Dolche heraus, den er schon seit der Kommissionssitzuiig vor zwei Mpnaten im Gewa'nde trag, indem er beantragte, dass jn das Gebergangsgesetz über die Rekratenkontingentierung die folgenden zwei Punkteaufgenommen werden mögen : a) Allen denjenigen, die der Militärpflicht enthoben sind, ist eine Geh Steuer zu Gunsten der Armee aufzuerlegen. bj 'Dia die jüdischen Soldaten in Friedenszeiten schädliches Element bilden und in Kriegszeiten: unverlässlich sind, spricht die Duma den W unsch aus, dass das Kriegsministerium einen Gesetzentwurf ausarbeite, welcher den Zweck haben soll, die Armee vor diesen Schäden zu bewahren. Es braucht nicht erst betont zu werden, dass Krupenski hierbei auch die Schamlosigkeit besass, zu behaupten, dass sein Antrag im Interesse der Juden selbst eingebracht wurde. Und nun kam der Oou der Sitzung : Der Kadettenführer Roditschew erwidert Aus der mehrstündigen Rede seien hier blas die Wichtigsten Momente hervorgehoben. Vor Allem forderte R o d i t s c h e w, dass bei der Assentierung von Rekruten rigoroser vorgegangen werden müsse, als das bisher der Fall war. Man müsse besonders auf den Gesundheitszustand der Rekruten mehr Rücksicht nehmen. Der schwere Militärdienst habe die nationalen Kräfte Russlands so sehr geschwächt, dass man heute gezwungen sei, wahllos zu rekrutieren. Auf die Juden frage übergehend, führt dann Roditschew weiter aus: ,.ln Russland gibt es zwei Mass.- für Rekruten: -in jüdisrhus und ein c Ii r i s t 1 i c h c s. Wollten die Ma< Inhaber sirli der Mühtunterziehen, die Frage des jüdischen Militärdienstes eingehend und ehrlich zu studieren, wollten sie sich vor allem selbst du- Frage vorlegen, welchen l'rsachen es zuzuschreiben .sei, dass die Zahl derjenigen Juden, die nicht zur Assentierung erschienen sind, von 2000 im Jahre 100} plötzlich auf io.ooo im Jahre 1004 gestiegen ist, s-> würden sP1 auch dahintergekommen sein, dass die Zahl der jüdischen Immigration im Jahre 1904 auf 78.000 Seelen angewachsen war und dass diese Massenflucht der Juden aus dem Fände die einzige l'rsache ist, weshalb sie in solcher Vevhältnisziffer sich dem Militärdienste entzogen haben, l'nd diese Erklärung niüsste den Machthabern viel zu denken geben. Krupenski hat den Grundsatz aufgestellt, dass solange die Rechtsbegrenzungen der Juden nicht aufgehoben würden, sei es eine l ngerechtigkeit, sie zum Militärdienst zu zwingen. Aber diese 1'ngerechtigkeit könnte doch auf eine viel einfachere und humanere Art beseitigt werden! E s g i b t k e i 11 e P f 1 j <■ h t c n o h n e K echte! Gleichen wir die Rechte der Juden mit ihren Pflichten aus, so wird die l ngerechtigkeit aufgehört haben, zu existieren. Die Ungerechtigkeit gegen die Juden führt dazu, dass das Land seinem Ruine entgegengeht. 111ohngelächter rechts.) Ihr Hohngelächter auf der Rechten ist nur ein trauriger Beweis, dass das Land dem Ruine geweiht ist. 1 Applaus links. Lärmen und Pfeifen rechts.) Man darf in Angelegenheiten des Reichsschutzes nicht die Grundpfeiler von Recht und Gerechtigkeit opfern. Krupenski befindet sich, in einem gewaltigen Irrtum. Kr behauptet, man dürfe Juden nicht zum Militärdienste zulassen, Bei einem klein wenig Verstand und Gerechtigkeitsgefühl jedoch wird man diese Formel dahin abändern, das? man nur keine kranken Juden zum Militärdienst nehmen dürfe, Die Judenfrage im Militärdienst existiert nicht nur bei uns, sie hat in allen Ländern zur Zeit der allgemeinen Knechtschaft bestanden. Mit der ILfreiung der Bauein wurden aber überall auch den Juden alle Bürgel rechte verliehen. Das nenne ich Gerechtigkeit!" „Meine Herren!" führt Roditschew weiter aus, ,,Meine Klagen sind so alt, wie die Welt, Wir haben ja die Erfahrungen der westeuorpäischen Staaten vor uns. in denen die Juden, gleichgestellt mit den übrigen Bürgern des Staates, ihre Militärpflicht glänzend erfüllen. Die gesunden Juden sind bei uns genau so wie ihre Brüder in .Europa. Sie sind fähige Soldaten und erfüllen treu ihre Pflichten. 1 Gelächter rechts.) Sie lachen! Oh, ich könnte Ihnen hierüber stundenlange Vorlesungen halten. Im russischen Flottendienst gibt es überhaupt keine Juden, sie können also dort die Revolution nicht verbreiten. Die Niederlage von Cusima. A n C u s i m a s i n d d i e J 11 <I e n h i c h e r I i c h ji i c Ii ( s c h u 1 d, dort hat e s k e i n e J u d e n g e g e b e n." 1Stürmischer Applaus links, -ohrenbetäubender Lärm rechts.) Roditschew verliest eine Reihe von Namen jüdischer Militärhelden, erwähnt 11. a. auch den jüdischen Kriegsminister Ottolenghi, der der militärische Lehrer des Königs von Italien gewesen, zitiert * iiiige offizielle statistische Daten über die jüdischen Soldaten in der deutschen .Armee während der Kriegsjahre 1X70 - 71 und sebiiesst seine bedeutungsvolle Rede mit folgenden Worten: Die jüdische Tapferkeit. „Ich konnte Ihnen Hunderte von jüdischen Soldaten ju der russischen Armee aufzählt n. die für ihre besondere T a p f e r k e i t d e n G e o r e s o r d e n erhalten haben. Wollen Sie haben, dass jeder Soldat .sein Leben für das Vaterland opfere, so müssen sie ihm aiu h den Glauben beibringen, dass er nicht beleidigt und verfolgt werde wegen seiner Zugehörigkeit zu seinem Volke, und dass, während er sein Blut vcfgiesst für den Ruhm des Vaterlandes, seine nächsten Verwandten nicht gehetzt, besudelt und beschimpft werden für die Opfer, die sie bringen. Unser Land hat manche Niederlage erlitten, hauptsächlich aber deshalb, weil es sich manchen seiner Völker gegenüber schändlich benimmt. Diese Niederlagen haben wir allein verschuldet, indem wir den Hass ^esät haben, zwischen den einzelnen Völkern und Klassen, indem wir Russland in zwei Teile geteilt haben: in Völker mit Rechte:; und Völker ohne Rechte! Nur, wenn wir diesen Weg ve. lassen, wenn wir in jedem russischen Bürger einen Menschen mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten erblicken werden. dann werden wir ein neues Russland geschaffen haben, nii! einer Armee, die eines grossen Reiches würdig ist." Roditschew wurde von den linken Parteien beglückwünscht, w ährend die Rechten ihn mit Schimpf worten überhäuften. Nach dieser Rede kamen der Reihe nach die antisemitischen Deputierten, mit dem grossen ,,Schimpfer" Purisc h k e w i t s c h an der Spitze. Sic tobten und wüteten in ihrer Art, sowohl gegen die Juden, als auch .gegen deren Verteidiger Roditschew, dessen Rede gow-dligen Eindruck gemacht hatte. Hierauf sprach ,der Deputierte 'des. S,uwalker Gouvernements, der Arbeiterführer Bulat, der gleich Roditschew nur in oci Verleihung der gleichen Bürgerrechte an die Juden eine Lösung der Judenfrage erblickt. Grosse Bewegung verursachte ß 11 - 1 a t mit seiner Bemerkung, dass es „interessant .wäre zu erfahren, wieviele Adelige und andere Privilegierte sich auf die schlaueste Weise dem Militärdienste entziehen".

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