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Neue Nationalzeitung · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. „Neue National-Zeirung" Nr. 19. den? Diese wird man auch mit den schönsten Und trefflichsten Erklärungen nicht überzeugen können; von dieser Seite wird nllen diesen Worten nur ein höhnisches ..Nein" entgegen gerufen. Man wird höchstens spöttisrh bemerken : ,.qui s'cxcuse s'accuse'VWir haben es nicht notwendig, die Unart, die begangen wurde, vom Standpunkte des Judentums zu widerlegen, denn die ganze Tat richtet sich von selbst. Man weise, wenn es schon sein muss, von der Kanzel darauf hin, was das Judentum lehrt. Aber diesen Vorfall zu einem Gegenstande einer in feierlicher Weise abgegebenen Erklärung zu machen, heisst doeh viel zu viel F-hve dem Herrn Feilbogen und seinen Begleiterinnen antun. Ich glaube, diese Meinung werden sehr viele andere mit mir teilen. Und die zweite Lehre, die wir aus dem Falle ziehen, ist folgende: Drängen wir uns Niemandem auf und vermeiden wir es, an spezifisch religiösen Handlungen Andersgläubiger teilzunehmen. Ich weiss es, wie unsere Eltern uns Kinder in der Judengasse zurückhielten, wenn etwa die Frohnleichnams- (bder Auferstehungsfeier vor sich ging. Was aber sehen wir jetzt? Mag dafür eine Anekdote typisch sein, welche sich von anderen derartigen Erzählungen dadurch unterscheidet, dass sie wahr ist. Es ereignete sich also am i. Tage des verflossenen Passahfestes in der Hauptsynagoge .einer grösseren Landeshauptstadt folgendes: Die Synagoge war trotz elektrischen Lichtes, opernhaften Gesanges mit obligater Orgelbegleitung, hochmoderner Predigt, mit möglichster Vermeidung jedes hebräisehen Wortes und anderer Ingredienzien, mit denen man jetzt den alten jüdischen Gottesdienst ausstattet, wozu auch Uniformierung der Diener und Dameuchor gehören, die Synagoge war trotz aller dieser Mittelchen — leer. Eine Dame, die von oben herab in diese gähnende Leere starrte, machte darüber folgende Bemerkung: ,,Bci der ^Auferstehung' werden desto mehr Juden und Jüdinnen anwesend sein." Ich denke, diese Worte sprechen Bände. Und in der Tat, man konnte in derselben Landeshauptstadt beobachten. wie jüdische (?) Eltern in früher Morgenstunde schon ihre Kinder zur Frohnleichnamsprozession führten, um ja nur ein gutes Plätzchen zu erhalten, von wo aus sie den Kindern die ganze Herrlichkeit der katholischen Kirche mit bewunderndem Blicke zeigten. Und dieselben Kinder soll man dann in der jüdischem. Re- Jigionslehre unterrichten,,Svenn jene von ihren Eltern schon zur Taufe vorbereitet werden. Diese blinde Nachäfferei fremder Gebräuche, die schon von der Bibel an unserem Volke getadelt wird, dieses Nachbuhlen nichtjüdischer Handlungen, sie sind die Keime des späteren Abfalles, und dagegen sollte mit feierlichen und strengen Worten gepredigt werden. Natürlich muss man 'auch den Mut haben, insbesondere den Reichen und sogenannten Vornehmen die Wahrheit zu sagen. Daran aber lässt man es fehlen, man will es sich eben mit den Einflussreichen nicht verderben. Uns fehlt es an mutigen Männern, welche schonungslos unsere Fehler aufdecken und den Leuten ins Gesicht sagen, wie wahr das Wort des Psnlmisten ist: „Sie vermengten sich mit den Völkern und lernten ihre Taten." Wenn aber doch ein Jude Kirchen besucht oder anwesend ist bei kirchlichen Handlungen, so muss er alles vermeiden, wodurch er Anstoss erregen könnte. Ich erinnere an den traurigen Fall, der sich vor .einigen Jahren in einer Kirche Wiens ereignete. Ein junger Mann wohnte einer Messe bei, um die Komposition eines grossen Meisters anzuhören, wandte sein Auge dem Chore zu und wurde wegen Misslaichtung einer religiösen Hiaftidlung, weil er angeblich den Rücken dem Hochaltäre zukehrte, verurteilt. Dias Drama endete mit einem Selbstmorde. Einer alus meinem Bekanntenkreise, der hoch über dem Verdachte des Uebertrittes zu einer anderen Konfession steht, hörte vor einiger Zeit die Predigt in einer protestantischen Kirche an. Der kam gut an. In hämischer Weise wurde er iaim nächsten Tage in dem deutschnationalen Blatte der betreffenden Stadt angegriffen, er wurde befnagt, wann denn sein Uebertritt erfolgen werde, oder ob er vielleicht ein beziahlter Spion sei, um diejenigen zu denunzieren, die „los von Rom" wünschen. Wir wollen demnach unsere Volksgenossen erinnern, ihre Kinder mehr mit den Bräuchen Unserer Religion, als mit denen anderer Religionen bekannt zu machen, mit anderen Worten, etwas mehr Chjarakter zu zeigen und die blinde NachahmwngssUcht, die uns nur lächerlich zu machen imstande ist, endlich aufzugeben. Ein Jude, def bei einer Kommunion anwesend ist und die Hostie empfängt! .... Ueber die Christbaumherrlichkeit, der unsere Glaubcns(?)geniossen imit so grossem [Enthusiasmus huldigen, ist schön so viel geredet worden, diaiss es überflüssig ist, über die Jv.dendamen, welche die gewaltigsten Christbäume aufstellen, um den 'Kindern „eine Freude zu bereiten", ein 'Wort zu verlieren. Ist also schon wegen Jdieses'Falles Feilbogen, der ein Unangenehmer, wenn auch kein hochnotpeinlicher ist, eine Erklärung abgegeben worden, so hätte man auch Idas Bekenntnis ablegen sollen, dass wir selbst an solchen traurigen Erscheinungen schuld sind, die ihren Schatten auf das ganze Judentum werfen. Wenn jüdische Frauen vor Weihnachten oder am Palmsonntag mit den gewissen grünen 'Zweigen stolz einherparadieren, mit Mistelzweigen und Palmkätzchen einen förmlichen Kultus treiben, »während ihnen der Lulab sicherlich ein höchst unbekannter Gegenstand ist, dann können wir uns nicht wundern, wenn ihnen am Ostersonntag, dem Tage des jüdischen Passah, Unfälle in der sixtinischen Kapelle passieren. Darum rufen wir aus: „Wir haben gesündigt", und das ist die feierlichste Erklärung, welche die Herren Vertreter des Judentums abgeben können. Der ,,Fall Feilbogen" wird wohl keine weiteren Konsequenzen für das Judentum uach 'sich ziehen. Er ,hat uns sicherlich sehr geschadet, aber Einsichtige, ob Cjhristen oder Juden, 'werden ihn richtig einzuschätzen wissen, und über 'ihn mit traurigem Lächelm zur Tagesordnung übergehen, i PARLAMENT. Zur Frage der Militärärzte. Endlich hat sich der Herr Landesverteidigungsminister denn doch veranlasst gesehen, die Interpellation der Abgeordneten Dr. Gabel und Genossen, welche in dieser Frage bereits am 22. November 1907 überreicht worden war, zu beantworten. Diese Interpellation, über Initiative unseres Blattes verfasst, sollte die Aufmerksamkeit der diesseitigen Heeresverwaltung auf die Missbräuche lenken, welche Dank der antisemitischen Gesinnung des Chefs des militärärztlichen Offizierskorps, General - Oberstabsarzt Dr, von Uriel, bei Besetzung von miiitär-

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