Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. „Neue National-Zeitung" Seite 5. ttofrat Hermann ^ambivy. Die frohe Botschaft, dass der Sultan den Kaimakam von Jaffa abgesetzt und auf diese Weise ein für alle Mal russische Pogroms in seinem Reiche unmöglich gemacht hat, ist wohl von den Juden der ganzen Erde -mit tiefem Dankgefühl aulgenommen worden. Der Padischah hat damit neuerlich bewiesen, dass er den Juden seines Reiches ein edler Vater und Beschützer ist und bleibt. Allein es wäre ein Undank, wenn wir nicht bei dieser Gelegenheit jenes Mannes gedenken wollten, der den Juden beim Grossherrn ein warmer Freisprecher ist und der auch anlässlich der traurigen Vorfälle in Jaffa mit wachsamem Auge die Gefahren derselben erkannt und seinen Einfluss massgebenden Ortes sofort für seine Brüder eingesetzt hat. Es ist dies Hofrat Hermann Vambery, heute der berühmteste Orientalist und beste Renner der politischen Verhältnisse in Asien und dabei, trotz aller Gerüchte, als ob er getauft wäre, einer der wärmsten Söhne seines Volkes, ja sogar ein leidenschaftlicher Fürsprecher der jüdischen Heimstätte und des jüdischen Nationalbewusstseins. Sowohl mit den Vertretern der zionistischen, als auch der itoistischen Richtung steht er in enger Verbindung. Hofrat Vam biry hatte in den letzten Tagen die Freundlichkeit, unseren Herausgeber, Dr. S R Landau, neuerlich zu empfangen und mit ihm in einer anderthalbstündigen Unterredung die nächsten Aufgaben der jüdischen Emigrationsbewegung zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit sprach Herr Hofrat Vambery unserem Herausgeber seine Anerkennung aus wegen der Haltung, welche die „N e u e National-Zeitung" bei der Behandlung der zionistischen Bewegung einnimmt. Zum Schlüsse ehrte Herr Hofrat Vambery Herrn Dr. Landau durch Ueberreichung seiner letzten mit Widmung versehenen Photografie. Wir glauben unseren Lesern eine Freude zu bereiten, wenn wir dieses Bild unseres grossen Nationalgenossen reproduzieren, der entschlossen ist, den Abend seines hoffentlich noch recht langen Lebens seinem Volke zu widmen. Dr. MOSES AHROHNSOHN: fall ^eilbogen. (Zeitgemässe Betrachtungen eines stillen Beobachters.) W ir kommen in Oc-ierrcich' aus den „Fällen" nicht heraus. Auf <l<\n Wahrmundfall ist nun der Kall in der sixtinischen Kapelle gefolgt. Vielleicht wird es manche Philosophen bei uns geben, die so gar1 einen ursächlichen Zusammenhang Zwischen den Lehren des Innsbrucker Professors 'und dem „peinlichen" Vorfalle in der Sixtina werden heraustüfteln wollen. Was ist nicht 'alles in dieser aufgeregten Zeit möglich, in dieser Zeit des Atheismus und der he<uchlerischen Augenverdreherei, in welcher freisinnige" Zeitungen spaltenlange Artikel über kirchliche Feste und religiöse Handlungen bringen! Was uns Juden in beiden Lallen zu einem nicht fröhlichen Lächeln veranlasst, ist, dass man in demieinen Wahrmund zum Judensiämmling stempelt, in dem anderen auf das mittelalterliche Märchen von der Hostienschändung zurückgreift, über das „religionslose" und .Jede Religion destenierende" Judentum herfällt, und so für die Broschüre Wahrmunds und den nicht ganz aufgeklärten Kall in der sixtmischen Kapelle das Judentum verantwortlich zu machen sucht. Wir haben einen breiten Rücken, auf dem, nach dem drastischen Worte des alten Psalmisten, zu allen Zeiten ..die Pflüger pflügten und weit hinzogen ihre Kurchenstrecken". Doch hoffen wir, auch die Broschüre Wahrmunds und die Tat oder Untat jener jüdischen Krau, der Begleiterindes Herrn Prof. Keilbogen, welcher übrigens aus einer sehr frommen Rabbinerfamilic Mährens stammt, zu überdauern. Wenn wir nun unsere umnassgebliche Meinung über den Vorfall, der sich am ()stersou.ntag in Rom abspielte, abgeben sollen, so ist es die: Man hat dieses Krcignis gar zu sehr in einigen Zeitungen aufgebausc ht. Wenn dieser Herr Professor und sein«' Begleiterinnen "zu einer streng konfessionellen katholischen Handlung sich drängten, so mussten er und die zwei Krauen wissen, dass sie genötigt sein werden, bei dieser das 711 tun, was von jedem anderen Anwesenden verlangt wird. Wer A sagt, muss bekanntlich auch B sagen. Das Judentum als solches kümmert aber das gan<e Vorgehen der Begleiterin Keilbogen gar nichts. Es i>t eine bekannte Tatsache, dass das Judentum Hochachtung vor einer jeden religiösen Handlung lehrt und selbst Juden, die sich in ihren Synagogen etwas freier bewegen, werden in Kirchen sich einer respektvollen Haltung befleissigen. Es war deshalb nac h unserer Meinung ganz überflüssig, dass am 8. Passahtage, nachdem die ,,Haskarah" soeben verrichtet worden war, A'on heiliger Stätte durch den Wiener Ober- Rabbiner versichert wand-, dass die jüdische Religion den Vorgang in der Kapelle verdamme. Selbstverständliches muss man nicht in feierlicher Weise bestätigen. AVen wollte man mit dieser feierlichen Verkündigung überzeugen? Die in der Synagoge \ersammelten Andächtigen? Kür diese war die Erklärung höchst unnötig. Oder sollte durchs Kenster für die antisemitischen Agitatoren, etwa für die Redakteure, der antisemitischen Zeitungen, gesprochen wer-