Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. „Neue Nationaf-Zeitung" den man im Interesse der öffentlichen Moral, im Interesse einer politischen Idee, die aus den schmutzigen, ungelenken Händen sich selbstüberhebendcr, unwissender Gesellen gerettet werden soll, mitunter zu betreten gezwungen ist. Da gibt es kein Verschweigen, kein \ ertuschen, da kann man nicht immer nach eigenem Geschmack wählerisch sein, da muss man zeitweilig den Fehdehandschuh aufheben, selbst wenn er noch so schmutzig ist und nach Rowdy-Art in eine Gosse geworfen wurde. Nicht jeder Mann, und nicht jedes Blatt kann es sich leisten, auf der einen Seite sich von einem politischen Hausierer aushalten zu lassen und auf der anderen Seite es ruhig hinzunehmen, dass ein Führer semer Partei vor einer vielhundertköpfigen Versammlung. feierlichst erklärt, dass dieser politische Hausierer , nicht zu uns gehöre". Nicht jede Zeitung findet Geschmack daran, für einen ,geschätzten" Mitarbeiter Reklame zu machen, der es nur der wiederholten Mildtätigkeit von „Assimilanten" zu danken hat, dass er um das graue Haus nur so herumgekommen ist. Die ,;Neue Nationalzeitung" ist ein von jeder Richtung und jeder Person unabhängiges jüdisches Platt; sie hat weder auf die Launen eines politisch vorkrachten Faiseurs, noch auf die dunkle oder halbdunkle Vergangenheit eines Favorits Rücksicht zu nehmen. Sie ist in ihrer publizistischen Tätigkeit nur einem Souverain verantwortlich: dem jüdischen Volke. Und dieses jüdische Volk muss darüber aufgeklärt werden, dass es in Wien eine Gesellschaft gibt, die ihm schädlicher ist, als alle seine anderen offenen und versteckten Gegner und Uebelwoller zusammengenommen. Es muss erfahren, dass diese enfants terribles des jüdischen Nationalismus die grösste Sorge der Parteizentrale bilden, dass sie im Verlaufe weniger Jahre in ihrer gassenbübischen Ungeberdigkeit all' das niedergerissen und vernichtet haben, was jahrelanger Kampf und mühseliges Streben aufgebaut und erworben haben: das Ansehen der jungjüdischen Bewegung und den Glauben an seine Zukunft. Das jüdische Volk in Oesterreich muss es erfahren, dass die ^Bübische Zeitung" nichts anderes ist, als eine mit Druckerschwärze übertünchte Sammelbüchse für die verschiedensten Zwecke, aus deren Inhalt die Zeitung eine Provision erhäk, und dass dieser bedruckte Klingelbeutel auch das einzige Band ist, das sie mit der grossen zionistischen Bewegung verbindet .... lind zum Glücke für das österreichische Judentum sind wir nicht die einzigen, die zu diesem Urteile über die derzeitigen Macher im Wiener Zionismus gelangt sind. Sie sorgen dafür, dass es alle Welt erfahre und dass bezüglich ihres wahren Wertes nirgends Zweifel bestehen bleiben. Die galizischen (Gesinnungsgenossen, die vorige Woche als Delegierte des Bundestages in Wien weilten, sind mit einer traurigen Erkenntnis reicher in ihre Heimat zurückgekehrt. Es ist die Erkenntnis, dass der Rückgang der zionistischen Bewegung in West-Oesterreich nicht so sehr dem Widerstreben der Massen, als der Unfähigkeit und Schädlichkeit der gegenwärtigen zionistischen „Versorger" zuzuschreiben ist. Sie haben es hier mit eigenen Augen sehen können, dass der jüdisch-nationale Gedanke in Wien nur deshalb nicht zum Durchbruche kommen kann, weil einige rohe Gesellen auf dem Wiener jüdischen Boden in geradezu unmoralischer Weise herumtrampeln und jeden sich regenden gesunden Keim vernichten. Diese galizischen Zionisten mussten mit Trauer im Herzen Kr. 10^ erkennen, dass, wenn sie im ^dunklen Galizien" nicht mit übermenschlicher Anstrengung an der Rettung und Verbreitung des modernen jüdischen Gedankens arbeiten werden, Wien, die Wiege des Zionismus, auch gleichzeitig d a s G r a b des österreichischen Zionismus werden müsse. Und in gar Manchem dieser routinierten, bewussten, selbstlosen galizischen Kämpfer müssten Zweifel darüber entstehen, ob sie auch fähig sein "würden, nicht nur im eigenen Umkreise für die grosse Sache zu wirken, sondern auch noch die viel schwierigere und undankbarere Arbeit zu verrichten : die schädlichen Folgen des „Wiener Zionismus" zu paralysieren! Oskar Marmorek hat in Gegenwart der Vertreter der österreichischen Judenschaft die Herren von der Türkenstrasse Ehr a b s c h n e i d e r genannt. Die galizischen Gesinnungsgenossen haben in der unerquicklichen Auseinandersetzung Herrn Baurat Marmorek in Schutz genommen. Ob der Bundestag an sich das bringen wird, was sich Viele von ihm versprochen, wird erst die Zukunft lehren. Aber eines steht schon heute fest: Wenn der Bundestag nichts anderes gebracht hätte, als diese echt wienerzionistische Szene, so hätte er schon eine grosse Mission erfüllt. Das impulsive Temperament Marmoreks liess ihn in die Welt hinausschreien, was Hunderten auf den Lippen schwebte. Wir haben niemals so wenig Grund, Herrn Marmorek zu widersprechen, als diesesmal. Und das sei unsere Genugtuung! . . Ben Abi. jßin förief ©i*. ^heodoF flerzls an E)r. §. Randau. Jn einer jener Nummern, in denen mir das offizielle Organ der Wiener Zio .isten, die .Jüdische Zeitung", ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet, legen die Leiter dieses Blattes eine besondere Neugierde an den Tag bezüglich der politischen Dienste, die ich Dr. Herzl geleistet habe. Ich will hier diese Neugierde wenigstens teilweise befriedigen und aus der grossen Anzahl von Briefen Dr. Herzls an mich nachstehenden veröffentlichen. Die anderen reserviere ich mir für den I'ressprozcss mit der ^Jüdischen Zeitung". L 2Q./2. 96. H o c h v e r e h r t e r F r c 11 ml! Morgen Sonntag erwarte ich Sie mit Vergnügen um 11 Uhr. ich habe bis 12 Uhr Zeit, dann muss ich weggehen. Sollte Jemand bei mir sein, wenn Sie kommen, so sprechen wir natürlich nichts von dem was Ihr Brief erwähnt. Namentlich nennen wir keinen der Politiker, mit denen Sie gesprochen haben. Meine Broschüre habe ich dem Herrn noch nicht geschickt. Ich möchte zuvor Näheres von Ihnen hören. Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Herzl.