Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 19. Seite '6. Wien, den 27. März 1908. Euer Hochwohlgeboren! Sehr geehrter Herr Professor 1 Gestatten Sie, dass ich mich an Ew. Hocnwoalg j r<=„n, als den Verwalter des literarischen Nachlasses des sei. DoktoiJ llerzl in folgender Angelegenheit wende. Wie mir erinnerlich, hat der verstorbene Dr. Herzl auf seinen verschiedentlichen Reisen, wie auch bei anderen Au hissen eine grosse Anzahl für die Kulturgeschichte des Judentums wertvolle Ehrengeschenke, wie Sifre-Thora, handschriftliche Widmungen etc. erhalten. Es ist mir jedoch nicht bekannt, dass diese Gegenstände, von denen mancher auch hohen] kunsthistorischen Wert besitzen soll, in ihrer Totalität, gesichtet, an einem für ihre Erhaltung geeigneten Orte untergebracht worden wären. Von dem Gesichtspunkte ausgehend, dass die Erhaltung solcher Reliquien im Interesse einer späteren Geschichtsforschung gelegen ist, bin ich gerne bereit, falls anderweitige Verfügungen seitens der Familie des verstorbenen Dr. Herzl dem nicht im Wege stehen, im Einvernehmen mit der Leitung des „Jüdischen Museuni" das Entsprechende zu veranlassen, dass die oben bezeichneten Gegenstände aus dem Nachlasse Dr. Herzls im Museum untergebracht und für ewige Zeiten erhalten werden. Ich erlaube mir nun an Sie, sehr geehrter Herr Professor, die höfl. Bitte zu richten, mir gefälligst mitteilen zu wollen, welche Schritte zu unternehmen wären, um den Plan auszuführen und ob Sie die Freundlichkeit haben wollen, denselbei» zu Iordern. Hochachtungsvoll Präsident Dr. Stern. Wir erhielten hierauf folgende Antwort: 2. April 1908. Verehrter Herr Präses I Besten Dank in meinem Namen und im Namen der Kuratoren für Ihr sehr geehrtes Schreiben vom 31. v. M. Wir haben alle die Empfindung gehabt, dass die bewussten Gegenstände eine historische Bedeutung fürs ganze Judentum haben; deshalb wurde die gesamte Einrichtung von Herzls Arbeitszimmer nach Köln gebracht und dort sorgfältig aufgestellt. Unter günstigen Verhältnissen wird Alles nach Pulästina befördert werden. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst L Kellner. Von diesen in grossen Zügen gezeichneten Gesichtspunkten hat sich der Vorstand des Bundes in den letzten zwei Jahren leiten lassen und er ist der Ansicht, dass unter den heute gegebenen Umständen diese Gesichtspunkte auch in der nächsten Zukunft die Richtschnur seiner Tätigkeit zu bilden haben. Wenn die geehrten Delegierten des Bundestages diese! Auffassung teilen, so werden sie heimkehrend in ihre Gemein.? den diese im Interesse einer offenen, einmütigen Bekundung des Wunsches nach einer gesetzlich anerkannten Gcsamt-Organisation bewegen, bis diese nicht geschaffen ist, unsere freiem Vereinigung aller Kultusgemeinden Oesterreichs durch ihren Anschluss an den Bund zu fördern. An unsere P. T. Abonnenten! Am 1. AprilJ. J. Wat einiieues .Quartal begonnen. Wir bitten um Zusendung der Prärmmeraiionsgebühr. Die Administration. ©ie zionistischen Ehrabschneider $on Baurat Oskar Marmorek hat am 28. April nach Schluss der Wahlberatung des „B un de s", also gewissermassen angesichts der Vertreter der gesamten Judenschaft Oesterreichs, den Herren Adolf Böhm und Dr. Egon Zweig den Vorwurf der Ehrabschneiderei ins Gesicht gesciileudert. Und wie wenn diese von ihrem Parteigenossen anso titulierten Lenker der hrnerösterreichischen Zionislenpartei gefürchtet hätten, dass die öffentliche Meinung dem Urteile des Intimus Dr. Herzls nicht jenen Glauben schenken könnte, den es verdient, gingen sie hin und lieferten im Einverständnisse mit dem Oberpressier der „Bübischen Zeitung", Dr. Isidor Margulies, den unumslösslichen Beweis, dass Oskar Marmorek die Wiener ^Führer" sehr genau kennt. Da aber diese unreifen Pressringe selbst in diesem schmutzigen Gewerbe Stümper geblieben sind, und es zu keiner Meisterschaft bringen können, so stellten sie sich wie die echten Ehrabs« hneidergescllen unter den Schutz bekannter Meister ihres Metiers und reproduzierten in der letzten Nummer ihrer „Bübischen Zeitung" jenen Schandanikel der „Zeit" und ^Arbeiter-Zeitung", dessen Wert und Bedeutung in der vorigen Nummer der „Neuen Nationalzeitung" nach Gebühr eingeschätzt wurde. Nun ist die „Bübische Zeitung" dorti wohin sie gehört, in ihrer würdigen Gesellschaft. Die „Zeit" und die „Arbeiter-Zeitung" sind wohl schon ihrer Tendenz nach die dem jüdischen Volkstume schädlichsten Presserzeugnisse unter den sogenannten Judenblättern. Aber was schiert das das „Presskomitee" des innerösterreichischen Distriktskomitees?! Diese Gesellschaft arbeitet eben nicht mit dem Herzen oder mit dem Kopfe, ihr wichtigstes Organ ist die Nase. Sie gehen nur nach dem Gerüche; das „Parfüm" zieht sie an. Sie haben sich so sehr an ihn gewöhnt, dass sie in reiner Luft den Schnupfen kriegen. Herr Egon Zweig hat in der „Bübischen Zeitung" als Kampfparole ausgegeben: „Kloaken Wiens, öffnet euere Schleusen!" Der einzige Wahlspruch, dem sie im Laufe, der Zeiten stets treu geblieben sind, lautet daher: „Und wo es stinkt, da lass' dich ruhig nieder!" . . . Mit dieser Unempfindsamkeit für jeden Uebelgeruch nahmen sie die Gelder entgegen, mit denen ihre Presse ausgehalten wird und dieser moralische Stockschnupfen führte sie schliesslich in die Gesellschaft der „Zeit" und der „Arbeiter-Zeitung", deren heftigste Bekämpfung eine ihrer natürlichsten und wichtigsten Aufgaben sein sollte. Wie soll man sich nun gegenüber einer solchen politisch unreifen, jeden Verantwortlichkeitsgcfühles entbehrenden Gesellschaft benehmen, die, wie es scheint, so krankhaft veranlagt ist, dass sie sich nur in einem Schmutzwellenbad wohlfühlt? Es gibt zwei Arten, solchen Belästigungen zu begegnen. Die eine besteht darin, dass man sich „mit Verachtung" über sie hinwegsetzt und gar nicht auf sie reagiert. Man könnte sich hierbei sogar auf berühmte Muster berufen. Unser verehrter Freund Dr. St rauch er wurde in einem ihm feindlich gesinnten Czernowitzer Blatte sogar der Mordstiftung beschuldigt. Er hielt es seiner für unwürdig, auf solche Anwürfe zu erwidern. Dieser Weg ist der bequemere, vielleicht auch der angenehmere und hat sicherlich Manches für sich. Viel unangenehmer ist der zweite Weg,