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Neue Nationalzeitung · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. „Neue National-Zeitung" Nr. 19. dir rituellen Differenzen entflammen könnten. Eine indische Zentralorganisntion, die gegenüber den politischen "\Torgängen stumm bleiben müsste, die sirh ni'-ht einmal trauen würde, eine unschuldige Resolution gegen antisemitische Gesinnungsexzes-c zu fassen, wie di^s boisniolswoise beim Wiener Kultu-- vorstand der Fall ist. bleibt ein totgeborenes Kiwi. Ks bändelt sirh keineswegs darum, dass sirh dir neue Organisation etwa zum jüdischen Nationalismus bekenne. Das würde Vielen der älteren Herren dorb srbwer f dien. Eine jüdische Hochburg muss geschaffen werden, stark, trotzig und wetterfest, jederzeit k/imnfbcreit. um für die Rechte der österreichischen Judenschaft einzutreten. Der Kampf um nationale Errungenschaften könnte ausgeschieden werden, aber in der Verteidigung d~s Erworbenen und beim Ausbaue des TIalb\ ollendeten müssen alle einig sein. An Geldmitteln würde es wohl nirV fehlen: die Leiter des Bundes haben sie immer aufzubringen geAvusst, wenn sie nur wollten. L. EH>f Tätk'kottshoFkht' des allo. \$v. (5«m«indcbundcs. Der Sekretär Jakob K r a u s z erstattet nai hsuhenden B-rieht: Geehrte Versammlung! Der Tätigkeitsbericht de- ...\llg--m--inen Oesf erreichisch- Tsraelitischen "Bundes" kann 5. \vm in seiner Anlage nicht den üblichen Vercinsberichk-u gleichen. Die- Tätigkeit des Bundes hängt in grossem Masse von der Struktur dieser Organisation ab. In seinen wesentlichsten Zi: len als eine Verbindung deu Kultusgcmeinden Oesterreichs gedacht, ist der Bund zunächst eine Zentralstelle für die Förderung aller :jener Angelegenheiten, welche die eiu/eln^n Kultusgemeinden beschäftigen. Die Aufgaben des Bundes s'nr positive, d. h. die Ausgestaltung der Kultusgemeinden und ihrer Institutionen fördernde, und negative, die darin Ivst dtt. d;i^ gewisse Aktionen verhindert oder ibnon entgegengetreten werde. Der Bund hat schliesslich den Zweck, besonders den kleinen Gemeinden in allen den Fragen, welch;- an < <ne Verwaltung herantreten und' deren Lösung durch die Genreinde in Ermanglung der nötigen. Behelfe oft nicht in vollkommener Weise erfolgen könnte, durch Rat \md Rcchtshejstand an die Hand zu gehen. In: Rahmen dieses Wirkungskreises hat sich der Bund auch in den letzten zwei Jahren bewegt und die Natur der behandelten Fälle bringt es mit sich. c.,>s diese Tätigkeit des Bundes" wohl nicht immer zur Kenntnis der einzelnen Mitglieder der Kultusgemeinden, oft selbst nicht den Repräsentanzen aller" Kultusgemeinden. sondern Derjenigen gelangt, welche die be handelte Angelegenheit unmittelbar betrifft. Xjeht selten ereignet es sich sogar, dass selbst jene Ge meinde. welche unsere Intervention anruft, es selbst wünscht, dass ihre interne Angelegenheit diskret behandelt werde und diskret bleibe. Hier einige Beispiele: Als in Niederösterreich den Kultusgemcinden die Einführung des Sehärhtverbotes drohte, da hat die Bundesleitung schon in den allerersten Anfängen dieser das innere Beben der Gemeinde so empfindlich berührenden Aktion einen Gemeindetag für Niederösterreich einberufen, die entsprechendem Massnahmen beschlossen, und cist ihr auch unter dankbarst anzuerkennender Mithilfe des Vorstandes der Wiener israel. Kultusgemeinde gelungen, die Ausführung des Verbotes nbzu wehren und durch die günstigen Entscheidungen der kompetenten Instanzen für spätere -ähnliche Versuche in Oesterreich ein wichtiges Präzedenz zu schaffen. Die Schächtangelegenhoif bildet überhaupt Gegenstand der grössten Aufmerksamkeit der Bundesleitung. Sie verfolgt die Vorgänge, die sich im Auslande in ähnlicher Richtung bewegen, sammelt das einschlägige Material und so hat sie erst in aUerjüngster Zeit eine äusserst beachtenswerte Artikel serie, die über diesen Gegenstand in dem klerikalen Orgau ..Das Vaterland" erschienen ist, den Hauptgemeinden des Reiches zugeschickt. Diese Artikel-Serie ist deshalb von grosser Bedeutung, weil sie trotz der Parteistelhing des Blattes, in welchem sie erschienen, mit aller Offenheit und auch mit aller Entschiedenheit der jüdisch-rituellen Schächtmethode das Wort redet. Zu den anderen, oben gekennzeichneten Angelegenheiten gehören die verschiedenartigsten Friedhofs-. Sfiftungs-, Schill- und Steuerangelegenheiten, sowie jene unerquicklichen Streitfälle zwischen Gemeinde und Angestellten oder zwischen Gemeinde Vorstehung und Gemeinde-Mitglied, die eben diskret behandelt werden wollen und auch am besten diskret bleiben sollen. Ausser diesen, 'das innere Beben der Kultusgemeinde berührenden Fragen und ihre entsprechende Behandlung hat der Bund auch noch die grosse Aufgabe, anregend auf die Kultusgemeinde zu wirken, skdurch die allmähliche Heranziehung zur Zentralarbeit für dir grosse i.Tdee einer Gesamt- Organisation vorzubereiten. Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass die Schaffung einer autoritativen Gesamt-Organisation der Judenschaft Oesterreichs viel leichter zu erreichen sein wird, wenn die kompetenten Behörden infolge der Intervention des Bundes für die ein/einen Gemeinden die TVherzeugung gewonnen haben, dass die Kultusgemeinden ein solches Zen tral-Organ in Anspruch zu n< knien geneigt sind und nur den Wunsch haben, dass an Stelle der freiwilligen Vereinigung eine autoritative Zentral Repräsentanz trete. Von diesem letzterwähnten Gesichtspunkte ausgehend, bitten wir den geehrten Bundestag, jene Vorschläge zu behandeln, welche, abgesehen von der gestern bereits beratenen Organisationsfrage, eineit Teil unseres nächsten Arbeitsprogrammes bilden. Ehe ich mir jedoch erlaube, auf die einzelnen Punkte dieses Arbeitsprogrammes nähet einzugehen, sei es mir gestattet, darauf hinzuweisen, dass die Bundesleitung von Fall zu Fall auch solche Fragen behandelt, welche scheinbar ausserhalb des als üblich .angenommenen Wirkungskreises der Kultusgemeinde liegen, jedoch die gesamte Judenschaft als solche nnho angehen. Zu diesen Fragen gehört zum Beispiel die Emigrationsfrage. Obgleich die Tätigkeit der Israel. Allianz zu Wien auf diesem ihrem Spezial-Gebiete die vollste Anerkennung verdient, so hat sich dennoch die Notwendigkeit ergeben, nicht nur der Durchzugs Emigration, sondern auch der täglich mehr überhandnehmenden jüdischen Auswanderung aus dem östlichen Teile unseres Reiches die grösste Aufmerksamkeit zuzuwenden und für sich selbst in Behandlung zu ziehen. Konnte auch der Bund selbst aus naheliegenden Gründen die Lösung dieser Frage in sein alleiniges selbstständiges Tätigkeitsgebiet nicht einbeziehen, so hat er «doch in Erfassung1 der Wichtigkeit dieser Frage nicht nur für den östlichen Teil des Reiches, sondern auch für uns im Westen der Einladung des Londoner Departements zur Regelung der Auswanderung der ..Ito" gerne Folge geleistet und seine Mitwirkung in dem erst vor kurzem zu diesem Zwecke eingesetzten Komitee in Wien mit Vergnügen zugesichert. Sie werden später die Vorschläge der Bundesleitung betreffend die Schaffung eines jüdischen Archivs entgegennehmen. Die Bundesleitung hat. ausgehend von der Wichtigkeit, welche alle Reliquien und sonstigen Gegenstände, die mit jüdisch geschichtlichen Ereignissen oder mit historisch gewordenen Persönlichkeiten, welcher Richtung und Partei immer im Juden turne sie mögen angehört haben, zusammenhängen, für die Erziehung der künftigen Generationen besitzen, sich veranlasst gesehen, an Herrn Professor Dr. Leon Kellner als dem Kurator des Nachlasses de? verstorbenen Dr, Theodor Herzl, das nachfolgende Schreiben zu richten.

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