Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NßCIBNßL-ZBCüNG JüDlSCRPOUDSCRg WOCRSNSCRRIFC RBRAUSGgBBR: DrS.R.LNNÖAü:: x. jahhgäkg. WIEN, 8. MAI 1908. Np. 19. föemeFl<iin<5en zum ßundestaße. W as an dem Bundestage in erster Linie ausgebeizt werden nniss, ist seine mangelhafte Regie. In dem kleinen Saale, der kaum die 36 Kultusvorstcher zu fassen vermag, mussten die 150 Vertreter der österreichischen (udenheit durch zwei Tage ihre Beratungen pflegen, zusammengepfercht in einer dumpfen Atmosphäre. Die Räume in der Seiten stettengasse. die einer grossen Kultus-Repräsentanz geradezu unwürdig sind, hätten diesmal eijiem vornehmen Saale Platz machen können, wo in einer auch äusserlich würdigen Form die Judensclvift Oesterreichs vor der grossen < Öffentlichkeit die Beratungen über die (ösamt-( öganisation gepflogen hätte. Allein es liegt schon im Wesen unserer Gemeindeführer, die sonst anderen ein Gliett'o-Judentum zum Vorwurfe machen, dass sie sich auf das Ghetto zurückziehen, weil sie sich auf dem Parkett der grossen (Öffentlichkeit nicht heimisch fühlen. Sie vermeiden es gern, die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung zu erregen, wenn es sich um etwas anderes, als um Abwehr gegen antisemitische Massregeln handelt und wundern sich dann, wenn sie in der jüdischen (Öffentlichkeit nicht genügenden Widerhall finde.1. Sehen wir jedoch von diesen Aeusserlichkeiten ab, so bedeutet der Hundestag einen Wendepunkt in der Geschichte der österreichischen Judenschaft. Hie disparatesten Flcmente sind hier durch den Zwang der Not zusammengeschweisst worden. Ks hat sich gezeigt, dass eine gemeinsame Arbeit als wünschenswert erkannt wurde. Ob sie auch möglich ist, ob ein Komitee, in dem neben Dr. Glidern ann Dr. R r a u d e, neben Dr. Hieronymus F ialla Herr Stand und neben Schmelke von H or o w i t z Dr. S t r a u c h e r sitzt, auch zusammenarbeiten kann, das wird die Zukunft zeigen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass es eine Reihe von Fragen gibt, bezüglich deren zwischen den Vertretern der verschiedenen Richtungen eine wesentliche Divergenz der Anschauungen nicht besieht. So zum Beispiel, wenn es sich um die ( nterslützung di r passiven Gemeinden und um die Sicherstellung ihrer Beamten handelt, oder wenn ein Zentralarehiv geschaffen, eine Judengeschichte geschrieben werden soll. Die Divergenzen werden aber zum Ausdruck kommen bei dem ersten Schritt, den das Konnte-- unternehmen wird, bei der Frage des Organisati o n s s t a t u t s. In der Debatte wurde dasselbe nur oberflächlich gestreift. Die Kompetenzsphäre de- Rundes wurde höchst allgemein umschrieben. Referent Dr. S o n nens c h e i n meinte, dass alle Fragen des Ritus und Präsident Dr. Stern, dass alle Fragen der Politik auszus< halten seien. Daiür v indizierte Herr Dr. K o s e n b > c h e r der lölegö'- tcn-Versammlung ..die Vertretung der Gesa m t i n t e r e s s e 11 der luden Oesterreichs gegen über den Reichs- und Landesbehörden."' Die Kompetenzfrage, d. h. der Wirkungskreis, ist da s Problem, welches dem Komitee die schwerste Arbeit und auch Sorgen bereiten wird. Iiier wird e> sich zeigen, ob die neue Zw aagsorganisatioii lediglich einen grossen Topf bilden soll, in den all ■ Kultusgemeinden hineingeworfen werden, oder ob sie die gähnende Lüt ke einer zielbew ussten Repräsentanz der österreichischen Judenschaft ersetzen soll. Mit dieser Frage steht und fällt die ganze Organisation. Nicht die wirts hafili< he Notlage der Kultusgemeinden schreit na Ii Abhilfe und hat ihre Repräsentanten nach Wien geführt, sondern die politische \ o 11 a g e und die Fntrechtimg der jüdischen Bevölkerung, der zunehmende Fintluss der antisemitischen Parteien und die Nachgeb gkeit der Regierung gegenüber denselben. Das sind die s( luveren Wunden, an denen die österreichische Judens< h tft krankt; alles andere läuft nur mit. Wir brau chen eine p o 1 i t i s c h e R e präsentanz und nöht ein Konsistorium oder einen Oberkirchenrat, die ev-t