Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. .Neue National-Zeittittg' Nr. 18. grosser Genugtuung und grossem Danke begrüsst haben und demselben materielle Unterstützung gewahren. Abgeordneter I)r, Gross bemerkt, dass die Versammlung auf eine derartige Debatte nicht vorbereitet sei, sonst waren viel mehr Vertreter *ius Galizien erschienen, iin) solchen Angriffen entsprechend entgegenzutreten, 1'eberlassen Sie diese Angelegenheit Galizien selber, Eventuell sind ja die Herren in der Lage, durch ihre Gesinnungsgenossen }m Vorstand einen diesbezüglichen Antrag zu stellen, liier aber eine Beschlussfassung zu provozieren, würde Unseren Wirkungskreis und unsere Kompetenz überschreiten. Hierauf erklärt Sc hmorak, sich aus Partcidi^ziplin dem Antrage Brande zu akkommodieren. Dr. R f> *4 e n b a c h 0 r (Prag 1: Schwächen Sie den Antrag Brau de soviel Sie wollen ab. so ist er doch ein Appell ah die Versammlung, ein Urteil zu sprechen über eine bestimmte Richtung in Ihrem Lande. Wenn Dr. Brande meint,- Mim solle seinen Antrag dem Komitee nur zur Prüfung und weiteren Beschlussfassung überweisen, so sei das gerade so. als ob jemand dem Richter sagte : Ich verlange keine sofortige Verurteilung meines Gegners, ich verlange bloss die Einleitung einer Untersuchung gegen ihn. Redner glaubt, es widerspreche dentStatuten und den ganzen Tendenzen des Bt.ndes, über einen solchen Antrag Beschluss zu fassen, da derselbe nicht rechtzeitig gestellt worden, sei. Es sei gewissermasseu eine L Überrumpelung der Versammlung, die jetzt nur durch eine Zufallsnri;orüät darüber besf.hlic.sscn könnte, Vor der Abstimmung erklärt nunmehr der Präsident, dass naJch seiner Meinung der in Verhandlung stehende Antrag nicht zur Abstimmung gebracht -werden kann, weil Zweifel obwalten, ob'der Antrag überhaupt zur Kompetenz des Bundes gehört. Dr. Brande hat unter anderem davon gesprochen, dass bei Errichtung dieser neugeplanten Anstalt der Zionismus, um das Pol?n tum zu fördern, perhorres- /.iert werde. Wenn das richtig ist, dann ist die Angelegenheit e ine eminent p o 1 i t i s c h e und wir dürfen uns dann nicht in eine Abstimmung einlassen, welche geeignet wäre, die Existenz des Bundes y.u gefährden. Es ist mir aber auch ganz klar, dass dem Antrage, wie er zuletzt gestellt worden ist, offenbar eine ganz bestimmte Tendenz zugrunde liegt. Die Herren Zionisten können sich an ihre .drei Mitglieder im Bundesrate wenden, solche Anträge dort vorzulegen. Der Versuch, aber die Bundesversammlung zu einem Beschluss zu bringen, einen solchen Antrag dein Bundesausschusse zuzuweisen, offenbart eine Tendenz, die zu fördern ich keine Veranlassung finde. Der Antrag ist nicht rechtzeitig eingebracht worden und überdies sind uns die galizischen Verhältnisse viel zu wenig vertraut, als dass wir uns irgendwie in dieselben hineinmengen kön* nen. Aus diesem Grunde bin ich nicht in der Lage, eine Abstimmung über diesen Antrag zu veranlassen. Der Sekretär verliest sodann nachstehende Resolution : Resolution in .\nji<-lrgrnlH'it der Syst.-misierunj; von KelijjionslohrersU'Hen an Mittelschulen. Nach dem (".esetze vom 25. Mai 1.S6.X ist der Staat verpflichtet, für den l'nterrieht in Religion für die staatlich anerkannten Konfessionen zu sorgen, insoferne die vorgeschrieben*^ S< hiileranzahl die betreffende Mittelschule besucht. Nun gibt, es eine ganze Reihe von Mittelschulen, in welcher nicht nur das Mindestmass erreicht, sondern vielfach überschritten ist und trotzdem gibt es in ganz Oesterreich nur zwei systemisierte Stellen (Hmdy und Lemberg!. Ms wird wohl seit einigen Jahren auch der Modus der Krnennungen ad personam geübt, dieser Modus jedoch bedeutet ebenso eine t'mgehung des Gesetzes, wiekeine Systemisierung überhaupt. Der Geinemdebund beschhesst daher auf dem in Wien am 27. und 28. April 1908 abgehaltenen Tag, an die Regierung heranzutreten und zu hitttn. dass von derselben an allen jenen Mitteischulen. in welchen mindestens 100 Schüler mosaischen Glaubens sich befinden, eine systemisierte iStelle eines mosaischen Religionslehrers geschaffen werde. J)r. Bernard H a u s n e r. Die Resolution w ird dem .Ausschüsse zur Amtshandlung überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Die Herren Hie kl und Dr. Bloch danken dem Präsidenten, res]), der Rundesleitung, worauf Herr Dr. Stern sehr gerührt erwidert und seine Freude ausdrückt, dass es geglückt sei, die Vertreter van über 150 Kult usgemeinden, die Vertreter der Rabbinerverbände, die jüdischen Abgeordneten, kurz die Elite des Judentums hier zu vereinigen und durch einhellige Kundgebungen und Beschlüsse, denen <So nicht vertretene Gemeinden telegraphisch die Zustimmung erteilten, die Einmütigkeit der gesamten Judenschaft vor aller Welt zu dokumentieren. Die Erinnerung an diese heutige Versammlung werde eine kostbare Verschönerung seines Lebensabends bilden hiemit erklärte er die'Versammlung für geschlossen. (Lebhafter Reif all.) ©er neue Statthalter1 ^on (galizien. Wie vorherzusehen war, ist. nachdem die bevorzugtesten Kandidaten Graf Badeni und Finanzminister von Korytowski die Annahme der Statthalterwürde abgelehnt haben, nunmehr Dr. Michael Bobrzyn ski, der ehemalige Vizepräsident des galizischen Landesschulrates, zum Chef der galizischen Landesverwaltung ernannt worden. Die Persönlichkeit des neuen Statthalters ist aus seiner Dezennien langen politischen Wirksamkeit sehr bekannt, so dass Freund und Feind keinen Ueberraschungen mehr ausgesetzt sind. Den Ruthenen erscheint Dr. Bobrzynski als Träger des nationalen Chauvinismus und der politischen Reaktion; die Juden sehen in ihm den Mann, der im Parlament für die konfessionelle Schule eingetreten und der in G-alizien die Klerikalisierung der Schulen gefördert hat. Auch in seinem persönlichen Umgang hat Dr. Bobrzynski wiewohl bürgerlicher Abkunft stets aristokratische Allüren hervorgekehrt. Wenn nun die Regierung trotzdem gerade diese politische Persönlichkeit an der Spitze des Landes gestellt hat, nachdem sein Vorgänger für gewisse politisch unhaltbare Zustände persönlich verantwortlich gemacht und ermordet wurde, so beweist dies nur, dass der Einfluss des Polenklubs noch immer derselbe geblieben ist und dass die Regierung, trotzdem sie damit rechnen musste, die anderen Nationen des Landes zu provozieren, dem Drucke nicht nachgeben konnte. So bedeutet nun die Ernennung Bobrzynski's eine Demonstration des geeinigten polnischen Elementes, was umso bemerkenswerter ist, da gerade die Majorität des Polenklubs, auf die sich der konservative Statthalter stützen soll, demokratisch gesinnt ist. Angesichts dieser Entfachung des polnischen Chauvinismus werden die Ruthenen und Juden der Entwicklung der politischen Ereignisse in Galizien onne jeden Optimismus entgegensehen. Bei