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Neue Nationalzeitung · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18. „Neue National-Zeitumg" Seite 7. reichs zu rütteln, in einer würdigen Protestkundgebung vereinigt und erklärt, diesen volksbiklungsfeindlichen Antrag im Migeordnetenhaiise zu bekämpfen. Sie haben feierliche Verwahrung eingelegt gegen eine Aktion, welche in sehn >i fem Widerspruch steht zu dem Staatsgrundgesetze, das volle Lernireiheit gewährt, zu dem Streben nach Wissen, welches der Kulturwelt innewohnt, zu dem modernen Leben, das theoretische und faktische l>ildung verlangt, um schaltend wirken /u können. Die heute hier versammelten Vertreter der österreichischen Kuliusgemeinden schliefen sich der Protestkundgebung nachdrückliehst an und erwarten von den jüdischen Abgeordneten, dass sie auch in Hinkunft mit derselben Entschiedenheit wie bisher ihren Standpunkt im Abgeordnetenhause vertreten u erden!" Der Präsident teilt mit, dass von jenen (h1meinden, welche am Bundestage nicht vertreten sein konnten, teils schriftliche, teils tclcgraphische Zustimmungserklärungen — bisher So — eingelaufen seien. Der Sekretär Jajob Kraus/, bringt die Namen dieser (iemeinden zur Verlesung und erstattet is'.'xlann den Tätigkeitsbericht, welchen wir in der nächsten Nummer nachtragen weiden. Ueber den Bericht entspinnt sich eine laiigere Diskussion, an der sieh die Metren Dr. Gabel. Mick], Dr. Korner, I )r Ivoscnba< her u. A. beteiligen. Bei der folgenden Abstimmung wird der erstattete keehenschaftsbe :clu einhellig zur Kenntnis genommen. Bezüglich des zweiten Punktes wird be schlossen, dass sich der Vorstand de- Bundes mit der Drage der Schaffung eines keirhsverbandes zur l'nlcrstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangcstelltcr beschäftige, darüber die erforderlichen Erhebungen pflege und auf dem nächsten Bundestage Bericht erstatte, Leber einen aus der Milte der Versammlung gestellten Antrag wird beschlos. sen, die Wahlen in den Vorstand per Akklamation vorzunehmen. Hiebei werden mit allen gegen eine Stimme gewählt: Dr. Alfred Stern. Wien; Dr. R o s e n b a c h e r. Prag; Dr. Gustav K o h n, Bernhard Biller, (iraz; J. Ph. (däsinger, Teschen : Wilhelm P a p p e n h e i m. Wien; Dr. The clor S o n n e nschein. Troppau : Dr. Benno Straur her. Ozernowitz: Dr. Alois Hilf. Mahr.-( )strau; Oberrabbiner Dr. Güdemann. Wien; Dr. Ilieronvmus Di.-illa. Brünn; Dr. S. T i 1 1 c s. Krakau: Dr. (. Sachs!, C'hrudim; Dr. (osrf Schänzel', Pilsen; Dr. Arnold Ascher, Dr. Alfred Borger, Dr. Simon Schaff, Lemberg; Dr. Nathan L ö w e n s t e i n, Dr. Arthur Mahler' Baurar Oskar M a m o r e k, Wien. Hierauf wird die Sitzung geschlossen und die Fortsetzung für nachmi;:ags vier Ehr anberaumt. Nachmittagssitzung vom 28. April. Nach Wiederaufnahme der Sitzung gelangt man zum zweiten Punkt des Tätigkeitsberichtes (Einheitlicher Lchrplan für den Religionsunterricht und Schaffung einer L e h r e r b i 1 d u n g s a n s t a i t f ü r W e s t ö s t e r r e i c h . Landcsseluilrat Dr. Kehn erklärt, dass die Lehrerbildungsanstalt in Wien zunächst aus dem Bedürfnisse der Wieacr israelitischen Kultusgemeinde heraus ^c^chnffen worden ist. Wir haben 203 Religionsschulstationen mit 94 Lehrern. Der'Bedarf an Religionslehrern wurde zum Teil dadurch gedeckt, dass w ir Kommunallehrer zur Erteilung des keligionsunterrichtes verwendeten. Da aber jüdische Kommunallehrer nicht mehr angestellt werden, die Lehrerbildungsanstalten des Staates jüdischen Aspiranten nicht mehr zugänglich sind, müssen wir für den Bedarf an jüdischen keligionslehrern Sorge tragen. Wir versuchten die Errichtung eines Lehrerkurses an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt. Das war ein Provisorium. Wir errichteten sodann eine eigene Lehrerbildungsanstalt in Wien, die uns 21.000 Kronen jährlich kostet. Die Anstalt wird gegenwärtig von 12 Schülern frequentiert. Wir sind wohl bereit, wenn der Bt ndestag einen derartigen Bcschluss fasst, diese Ans'.tlt für w eitere Zwecke Vier Provinzen auszudehnen und tlem Gemeindebunde zur Verfügung zu stellen. Anderseits haben wir auch gegen tlie Errichtung einer tierartigen Anstalt in Piag nichts einzuwenden. Redner schlägt vor, man möge sich heute bei der Abstimmung darauf beschränken, ob für Westösterreieh tlie Schaffung einer solchen Rcligionslehrerbildungsanstalt zu empfehlen sei, während; die Behandlung der Kragen hinsichtlich des Sitzes dieser Anstalt und tles einheitlichen Lehrplanes zu vertagen sei. Bei der Abstimmung werden diese Vorschläge des Dr. Kohn zum Beschlüsse erhoben. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet der Bericht über die V erarbeiten zur Jubiläumsgeschichte der luden in der österreichisch-ungarischen Armee. Daran knüpft sich ein weiterer Bericht des Sekretärs Krausz über die Anträge tles Präsidiums betreffend die Gründung eines .,Z e n t r a 1 - A rchivs der österreichischen israelitischen Kultusgemeinde". Dieselben gehen dahin, ..eine Zentralstelle!ür das gesamte jüdische Archivwesen Oesterreichs zu errichten, tlem jede ( -einei.itle und jede jüdische Körperschaft gegen Vorbehalt des Eigentumsrechtes ihre älteren .Akten und Dokumente, die für die laufenden Geschäfte nicht mehr von Belang sind, zur weiteren Aufbewahrung und Nutzbarmachung zu übergeben hätte". Beide Berichte werden zur Kenntnis genommen. Eine Demonstration gegen das theologische Institut in Lemberg. Ein Delegierter. Herr S c h m o r a k, stellt folgenden kcsolutitmsantr.ig : ..Pic I!undes\•ers;innnliii)^ eraehtet tlie krnehtun^ \on theologischen Seminaren in einem gewissen Kronlande ohne /ustitcmunder Pe\ülkerun.u und der Majorität der Kuhns gemeinden dieses Landes für zweckwidrig und ist überhaupt jede politische Tendenz auszuschalten. Im' Uesomleren era> Ittel der lUinM'-Mai; die geplant'' < iründuiu; eines jüdi.-< li-f heolojosehen ln-titutes in < iaii/ien unter den -v^enenen t 'instünden für - e h;i d I 1 <■ h. um die Kmi^keit: unter den Juden nicht zu stören." Dr. Brautie spricht sich gegen eine meritorische Behandlung dieses Antrages aus, da der 'Bund bei der politischen Konstellation Oesterreichs schwerlich in der Lage sein werde, direkt auf die Schul- \ crhältnisse in Galizien Linfluss zu nehmen. Die in Galizien geplante Lehrerbildungsanstalt sei als Kampfinstitut gegen die Zionisicn gedacht, indem \ 011 tlen Lehrern wie von tlen Schülern die Erklärung verlangt wird, tlass sie sich nicht zur zionistischen Partei bekennen. Auf diese Weise werde einerseits eine politische Tendenz, in das Institut getragen. Redner beantragt, diese Angelegenheit dem Aussc hüsse des Bundes zur Prüfung und zur eventuellen Handhabung nach seinem Ermessen zu überweisen. Abgeordneter Dr. Gabel unterstützt den Antrag Brande. Kais. Rat Rauch (Stanislaus wendet sich energisch gegen diese Anträge und verweist auf die Tatsache, tlass viele angesehene jüdische Gemeinden Galiziens die geplante Errichtung des Institutes mit

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