Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seit© 6. „Neue National-Zeitung" Nr. 18. schein einstimmig angenommen. Es entsteht sohin eine längere Diskussion betreffs der Mitglieder des zu wählenden Komitees. Es wurden sohin gewählt: F ü r W i e n : Dr. Stern, Dr. Gustav Ivohn, Bäumt Marmorek, (Jberrabbincr Güdemann. Für N i e d e r ö s t e r r e i c h : I Aidwig Abeles, .Mistelbach. Für die Buko w ina: I)r. Straucher, Czernowitz; Dr. Bierer, Radautz. Für Böhmen: Dr. Rosenbacher, Prag; Doktor Kraus. Teplitz-Schönau; Dr. Schanzer, Pilsen. Mähren: Dr. Fialla. Brünn; Dr. Hilf. Mährisch-Ostrau. Schlesien: Dr. Sonnenschein, Troppau. Tri est: Richetti. Graz: Bcrnh. Biller. Galizien: Samuel v. Horowitz, Dr. Schaff. Lemberg; Dr. Tilles, Dr. Rafael Landau, Krakau; Dr. Brande, Abgeordneter Stand, Allgeordneter Gabel, Kleingemeinden; Dr. Ringelheim, Tarnow: Rauch. Stanislau. Ferner zwei Vertreter der galizi sehen Orthodoxie, deren Xamhaftmachung den Kultusvorständeti von Krakau und Lemberg anheimgestellt wird. Herr Oskar Marmorek und die Wiener Zionisten Zum Schlüsse des ersten Verband hm gstages kam es leider zu einer kleinen Dissonanz. Beim Verlassen des Saales machte Herr Böhm dem 'Herrn Marmorek darüber Vorwürfe, dass die "Wiener Zionisten bei 'den Wahlen ins Komitee ganz übergange n ■wurden. Infolgedessen kam es zu einem heftigen Wortwechsel, der erst dann beendet war, als 'Herr Marmorek ausrief: ,,[a, man hat es mir freigestellt, mich vor dem Distrikts-Komitee zu rechtfertigen! Aber dorthin gehe ich nicht, dort sind lauter Ehrabschneider!" Herr Böhm erwiderte darauf: ..Dafür "werden Siq mir vor Gericht Antwort stehen". Zweiter Verhandlungstag iDienstag, 28. April vormittags.) Der .Präsident eröffnet die Sitzung und bringt zur Kenntnis, dass aus der Kabinettskanzlei Sr. Majestät folgendes Telegramm eingelangt ist: Telegramm der Kabinetts-Kanzlei. Wien, Schönbrunn. Seine k. und k. apostolische Majestät haben die Huldigung der am Bundestage des Allgem. österr.- israel. Bundes versammelten Vertreter von Kultusgemeinden aus ganz Oesterreich mit dem Ausdrucke des Dankes allergnädigst entgegenzunehmen geruht. Kabinetiskanzlei Sr. k. und k. apostol. Majestät. Die Verlesung dieses Telegrammes wird von der Versammlung stehend angehört und mit stürmischen Beifallsbezeugungen begleitet. Den ersten Gegenstand der heutigen Tagesordnung bildet eine Kundgebung gegen den im Budgetausschuss angenommenen Antrag des Abgeordneten Schmid auf Konstatierung des Zahlenverhältnisses der jüdischen zu den nichtjüdischen Mittelschülern. Der Vorsitzende bringt die vom Vorstände des Bundes vorgeschlagene Resolution zur Verlesung. Dr. Josef Zipser führt atis, dass seiner Meinung nach ein solcher Bcschluss nur in Wien gefasst werden konnte, weil die Christlichsozialen der Ansicht sind, dass die Wiener. Judenschaft nicht so in sich geeinigt ist, um einen solchen Anschlag genügend kräftig abzuwehren. Die einhellige Annahme der Resolution werde che l nrichtigkeit dieser Anschauung erweisen. > Dr. Imalis (Brody erinnert daran, wie dieser Beschluss zustande gekommen sei. Die jüdische Politik im Abgeordnetenhause war bisher eine solche, dass derartige l eberraschungen leider nicht ausgeschlossen waren. Redner hält dafür, dass es 'besser wäre, wenn die jüdischen Abgeordneten, allerdings den einzelnen parlamentarischen Klubs angehörend, unter der Benennung eines jüdischen Verbandes gemeinsam für spezielle jüdische Interessen wirken würden. Er empfiehlt die Annahme der Resolution. Abg. Dr. G ross (Krakau i bestreitet, dass sämtliche Parteien für den Antrag Schmid waren, die Deutschnationalen haben dafür gestimmt, die Deutschfortschrittlichen waren nicht anwesend, der Polenklub war durch den Referenten dagegen. Im Plenum des Abgeordnetenhauses könnte ein solcher Antrag nicht angenommen werden; im Hinblicke darauf halte er es nicht für entsprechend, diese Angelegenheit allzubreit zu treten. Abg. I )r. S t r a ti eher betrachte! den Beschluss des Buclgetausschusscs weder als eine Demonstration noch als durch eine Zufallsmajorität zustande gekommen, sondern als ein Symptom der ganzen Tendenz der vereinigten Antisemiten. Gegenüber den Ausführungen des Dr. Imalis erinnert Redner, dass den jüdischen Abgeordneten bekanntlich die Aufnahme in die einzelnen Parteiverbünde verweigert worden war. Er bestreitet, dass die Politik der jüdischen Abgeordneten keine richtige sei. Haben die Abgeordneten des jüdischen Klubs nicht bisher die Interessen des Judentums energisch und zielbewusst vertreten? Aber auch die anderen jüdischen Abgeordneten, die nicht dem Klub angehören, haben sich uns sofort angeschlossen, wenn es sich um die Wahrung jüdischer Interessen handelt. Die Resolution sollte durch Abhaltung von Protcstversammlungen in den grösseren Kultusgemeinden nachdrücklichst unterstützt werden. Was die jüdischen Abgeordneten in dieser Sache tun konnten, haben sie getan. (Lebhafter Beifall.') Abg. Dr. (i ross polemisiert gegen einzelne Ausführungen des Abg. Strauchcr und stellt zu der beantragten Resolution ein Amendement, und in dieser beantragten Fassung gel'mgt dieselbe zur einhelligen Annahme: Resolution: ..In der Sitzung des Bud^t/.tausschusscs des österrcichiseilen Rcichsrates wurde mit 19 gegen q Stimmen der Resolutionsantrag angenommen, die Regierung aufzuford-ern. ..Erhebungen darüber zu pflegen, wie das Zahlenvcrhältnis der jüdischen zu den ehristliehen Mittelschülern, oinigennassen in Einklang mit der wirklichen Bevölkerungsziffer gebracht werden kann: über den Erfolg dieser Erhebungen wäre dem Mause. Bericht zu erstatte?!". I>icser KeM>lutionsantrag bezweckt nichts anderes, als den Juden noch eines der wenigen, ihnen bisher ungeschmälert belassenen staatsbürgerlichen Rechte, das Recht der Lernfreiheit, zu benehmen: es sollen die Juden nicht bloss wie bisher in der Verwertung der erworbenen Kenntnisse behindert, sondern sie sollen von vornherein in der Möglichkeitbeschränkt werden, solche Kenntnisse zu erwerben; es soll den luden die wichtigste Waffe in ihrem durch Glaubenshass und Unduldsamkeit so sehr erschwerten Kampfe um die wirtschaftliche Existenz systematisch entzogen werden. Die jüdischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses haben sich eingedenk ihrer Pflicht zu einer solennen Abwehr dieses neuerlichen Versuches, an den Rechten der Judenschaft Oester-