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Neue Nationalzeitung · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ufr. 18. „Neue National-Zeitung" Seit« 5. einen Verband zu bilden hätten. Wien würde einem Verbände nicht angehören, sondern rciehsunniittelbar sein, das heisst direkt dem Obersten Juden rate unterstellen. 3. Die oberste Stufe in der Organisation soll der „Oberste Judenrat" in Wien bilden, welcher aus den Delegierten der Verbünde zusammengesetzt v. ird. 4. Die Leitung des Verbandes am Sitze der Landesregierung" soll als ßeirat iür jüdische Angelegenheiten, der Oberste Judenrat als Beirat im k. k. Ministerium für Kultus und I nterrieht fungieren. 5. Die Feststellung der Kompetenz der Verbände und des Obersten Judenrates bleibt dem abzulassenden Gesetzentwürfe vorbehalten, doch wäre grundsätzlich auszusprechen, dass \un der Wirksamkeit derselben alle Fragen des Ritus ausgeschlossen sind. 6. Die Kosten der Organisation sind von den Kultusgemeinden nach Verhältnis der Steuerlejstung zu tragen. 111. Das Komitee w ird ersucht, den (iesetzentw urf einer im Herbst 1008 von demselben einzuberufenden Versammlung aller Kultusgemeinden Oesterreichs zur Beschlussfassung vorzulegen, sowie jene weiteren Schritte in Vorschlag zu bringen, welche zu unternehmen wären, um die gesetzliche Regelung der angestrebten Organisation der Judenschaft Oesterreichs zu erreichen. Zur Diskussion ergreift 11 das Wort die Herren I )r. K o s e n b a c h er, ] )r. G z e s c h c r , AI 0 s e r, Dr. Lamberg und l)r l; c u c h t w a 11 g. Letzterer fegt besonderen Nachdruck auf die Zuziehung der Rabbiner zur 'organisatorischen Arbeit. Abgeordneter Stand bemerkt, es sei die höchste Zeit gewesen, dass die. Juden von ganz Oesterreich zusammenkommen, um über jüdische Kragen 7x\ beraten. Wenn im Staatsbudget für den jüdischen K'ultus im Gegensatz zu den anderen Religionsgcsellschaften ein uns ( rhältnismässig geringer Betrag ausgesetzt ist, so sei der (irund darin zu suchen, das das Judentum seine Interessen in der (Öffentlichkeit nicht nachdrücklich genug vertreten habe. Redner bespricht unter Hinweis auf die bevorstehende Volkszählung" in eingehender Weise die Krage der Anerkennung der jüdischen Sprache und bemerkt, dass auch auf dem Gebiete der'Emigration, sowie bezüglich der Sonntagsruhe, des Hausiergewerbes und der jeweiligen aktuellen Tagesfragen, wie die der Resolution Schmidt, durch die Organisation viel geschehen könne. Als Redner auch die fAufgaben betreffend die Organisation der gallischen Schulangelegenheiten bespricht, unterbricht ihn der Präsident mit der Bemerkung, man möge nicht mit allzugrossen Ansprüchen, denen nur eine staatliche Organisation gerecht werden könne, an den Verein herantreten und ihm nicht Wirkungsgebiete vorzeichnen, die in den Bereich schon bestehender Vereine fallen und deren Durchführung diesen überlassen bleiben müsse. Abgeordneter S t a 11 d polemisiert im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen gegen das Vorgehen einzelner galizischer Kultusgemeinden, welche die hebräischen Schulen in keiner Weise unterstützen und so deren Auflösung herbeiführen. Hier Wandel zu schaffen, wird Sache des Verbandes sein, 'indem alle Parteien und Strömungen repräsentiert sein sollen und bei dessen Bildung vor allem auf die Vertreter der galizischen Bevölkerung Rücksicht zu nehmen sei. Redner wünscht, dass im Titel "des Bundes das Wort „Israelitisch" durch ,.Jüdisch" ersetzt werde, wogegen Oberrabbiner Dr. Giidcmanii Stellung nimmt. Abgeordneter S t a n d schliesst seine Rede mit dem Wunsche, dass sich der Bund zu einer echt jüdischen Körperschaft im modernsten Sinne ausbauen möge. (Lebhafter Beifall.) Abgeordneter Dr. St rauch er dankt zunächst der verehrlichen Leitung, die endlich Gelegenheit gegeben, über jüdische Angelegenheiten zu beraten und erklärt, dass er allerdings den nationalen und zionistischen Standpunkt seiner eigenen Partei vollauf teile, dass er aber hierher gekommen sei, alles Trennende beiseite zu legen, in der 11oftnung, dass die Versammlung, die sich formell zusammengefunden habe auch m a t e r i e I 1 zum Ziele kommen werde. Mit Bezugnahme auf die jetzige politische Lage, vor allem die jüngst gefasste Resolution Schmidt, die nur mit Hilfe der Deutschen zustande kommen konnte, sagte Redner, dass die jüdisch-nationale Partei im Gegensatz zu jenen Juden, welche ,,deutsch" wählen, nicht die Absieht habe, die ganze Menschheit glücklich zu machen, sondern nur das eine Ziel im Auge habe, die berechtigten Interessen des jüdischen Volkes zu wahren. Da der ,,B'und" in diesen Intentionen gegründet sei. sei es Naturnotwendigkeit. dass «t mit der Zeit jüdisch- Biational werde. Was die Misstände in den jüdischen Schulen und namentlich die mangelnde religiöse Erziehungder jüdischen Jugend anbelangt, so erklärt Redner, dass seiner 'Ansicht nach, nur eine jüdischnational erzogene Jtigernd jüdisch religiös sein könnte und gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt hiezu gekommen, woselbst nach Aussprüchen verschiedener anderer Parteimänner eine Renaissance des jüdischen Vo]k>le!}."iangebrochen sei. Gegenüber dem Dr. Brande meint Redner, dass die Rabbiner in den Kultusgemcinden Platz genug haben ihre segensreiche Tätigkeit ztt entfalten, beklagt aber den Mangel an Kenntnis der jüdischen Geschichte beim grössten Teile der jüdischen Bevölkerung. Der demokratische Gedanke des Judentums muss sich bei der Zusammensetzung des Komitees darin zeigen, dass es hier aus dem Plenum der Versammlung gewählt wird. Kämpfen wir als ein einig Volk von Brüdern, -ehücsst der Redner, gegen die grossen Gefahren, um zu zeigen, dass sich Männer finden, welche in den jetzigen schwierigen Zeiten die Aufgabe übernehmen, an der Linderung des jüdischen Elends mitzuarbeiten. Margulies (Gzortkowj polemisiert gegen die Ausführungen des Dr. Straucher und verlangt eine ..eitergeheude Berücksichtigung der kleinen galizischen Gemeinden und der überwiegenden orthod o x e n Majorität. Dr. Kolin bemerkt, da» man vorläufig nur einen Organisationsentwurf schaffen wolle und es gleichgültig sei, in welcher Weise man sich für den Entwurf entscheide. Die- Debatte wird hierauf ge>< blossen. P r ä s i d e n t erklärt in seinem Schlussworte , er halte es persönlich zwar für praktischer, dem Vorstande des Bundes das Recht der Kooption zu verleihen, erklärt sich aber mit Rücksicht auf die verschiedeneu in dieser Richtung gemachten Einwände mit der Wahl des Komitees durch die Versammlung einverstanden. (Beifall. 1 Er unterbricht behufs Einigung der Delegierten auf eine Liste die Sitzung auf kurze Zeit. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird zunächst die Resolution des Referenten Dr. Sonnen-

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