Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. 16/1* Seite Ü. a) Schaffung eines Reichs -Verbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter; b) Einheitlicher Lehrplan für den Religionsunterricht und Schaffung einer Lehrerbildungsanstalt iür Niederösterreich; c) Mitteihmgen unserer Rechtsschutz - Sektion; ( d) Bericht über die Vorarbeiten zur Jubiläumsgeschichte der Juden in der österreichisch-ungarischen Armee; ej Regelung des jüdischen Archivwesens in Oesterreich. 2. Wahlen in den Vorstand. 3. Anträge und Interpellationen. Die Ermordung des Statthalters von Galizien. Lemberg, den 13. März. (Orig.-Korr.) Die Ermordung des Statthalters Graf Potocki ist als ein terroristischer Akt auch in jüdisc hen Kreisen verdammt worden. So sehr auch die Ruthenen in Galizien keinen Anlass hatten, mit dem Regime Potockis zufrieden zu sein, so lässt sich der politische Mord des ruthenischen Fanatikers in keiner Weise rechtfertigen; tatsächlich leimen auch alle ruthenischen Parteien die Verantwortung für diese Tat ihres Volksgenossen ab. Welche Folgen dieses Attentat in der inneren Verwaltung Galiziens nach sich ziehen wird, lässt sich vorläufig nicht absehen. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Zentralregierung zum Nachfolger Potockis nicht einen polnischen Magnaten, sondern einen polnischen Beamten, welcher auf die Intentionen der Zentralregierung mehr Rücksicht nimmt, ernennen wird. Die Worte Potockis, seine letzten Worte: ,,Meldet dem Kaiser, dass ich stets sein treuer Diener war", haben für denjenigen, der sie richtig lesen kann, auch eine tiefeie Bedeutung. Sie sagen, dass sich Graf Potocki stets als unmittelbarer Diener des Kaisers, nicht aber als Beamter der Zentralregierung, wie es jeder andere Statthalter ist, gefühlt hat. Graf Potocki hat sich eben wie seine Vorgänger in Galizien die Stellung eines Vizekönig9 beigelegt, der nur dem Kaiser gegenüber verantwortlich war; er hat diese Stellung auch in der ruthenischen Frage eingenommen, indem er die Anordnungen des Ministerpräsidenten ignorierte. Das war auch sein Verhängnis. Der Verstorbene war kein Freund der J tiden. Er war sogar ein heftiger Feind der Jüdisch- Nationalen. Anlässlich der seinerzeitigen Protestkundgebungen der jüdisch-nationalen Vereine gegen den Dr. Byk, liess er a 11 e diese Vereine sperren; während der vorjährigen Reichsratswahlen bekämpften die Bezirkähauptleute über seinen Auftrag mit den bekannten Mitteln alle jüdisch-nationalen Kandidaten. Selbst die Wahl der Sozialdemokraten hat er gegenüber den JüdisclvNationalen vorgezogen» Anlässlich der Reichsratswahl in Stanislau fielen aus seinem Munde die Worte: ,,Nur über meine Leiche wird ein Zionist gewählt/' Nichtsdestoweniger bedauern wir den Verstorbenen und sein tragisches Ende* Möge sein Nachfolger auch in der jüdischen Sache eine glücklichere Hand haben, AllCN WCltCRLCN Der Kaimakam von Jaffa ist wegen der Judenexzesse in dieser Stadt abgesetzt worden. Die Lage ist ruhig. Diese energische Massregel geschah über direkten Befehl des Sultans, der dem Chacham Baschi seinen Gruss und den Juden seine Sympathien ausdrücken liess. Nachstehend bringen wir die offizielle Liste der bei diesen Ausschreitungen verletzten Juden, die im Hospital Schaare Zion untergebracht sind: Benzion Blufstein, 43 Jahre alt, 3 Stockwunden an der Stirn, 2 im Gesicht; Janke Klind, 23 Jahre alt, 2 Wunden am Arm und Schulter; Hirsch M u s s i n, 23 Jahre alt, eine Schusswunde im Rücken, 3 Kopfwunden; Abraham Komaroff, 24 Jahre alt, mehrere Verletzungen am linken Bein; Josef Dormann, 27 Jahre alt, mehrere Verletzungen an Arm und Bein, mehrere Wunden im Gesicht; Benia Blak, 18 Jahre alt, 3 schwere Säbelwunden am Kopf, eine Verletzung im Gesicht; Nahom L e w i n, 19 Jahre alt, mehrere Verwundungen an Schulter und Arm; Jakob Zolkind, 23 Jahre alt, Wunden am Kopf und Schulter; Jakob Reskin, 32 Jahre alt, Säbelwunden am Kopf; Enoch Lob Herschkowitz, 30 Jahre alt, Säbel wunden am Kopf und Schulter; Chaim Burstein, 25 Jahre alt, schwere Schussverletzung im Rückgrat, Zustand lebensgefährlich; Josel Sachrive, 30 Jahre alt, schwere Schusswunde am Arm, Blutvergiftung, Hieb über den Kopf, Zustand lebensgefährlich; Abraham L. Goldmann, 35 Jahre alt, 5 Wunden am Kopf, 2 an der Stirn und eine im Rücken. Alle Verwundeten, mit Ausnahme des letztgenannten, der Amerikaner ist, entstammen aus Russland. Dr. Martin Weissmann-Stiftung. Aus der Martin Weissmann-Stiftung der Bukowinaer Landmannschaft „Buchenland", Wien, gelangen am 5. Mai 1. J. die jährlichen Zinsen, in der Höhe von Kronen 50 an einen würdigen, in der Bukowina zuständigen Studenten der Wiener Hochschule, zur Verleihung. Bewerber mögen ihre entsprechend belegten Gesuche bis längstens 20. April an den Referenten, Herrn Oberrevidenten B4 B i n d e r e r, II., Castellezgasse 2, richten. JSIotjzen. Die XXVI. Staatslotterie bringt schon am 14. Mai den Betrag von 51.1.5^0 K in Bargewinsten zur Verlosung. Der Haupttreffer beträgt; wieder 200.000 K. Die grosse Popularität dieser mit 18.^90 ("ie\vinsten ausgestatteten Lotterie beruht sowohl auf ihrem äusserst günstigen Verlosungsplane wie auf ihrer humanitären Bestimmung. Die diesmalige Lotterie ist gemeinsamen MilitärWohltätigkeits/wcckcn gewidmet. Lose u 4 K in allen Trafiken und sonstigen Los>\ erschleisatelleil. * * * Die in der Jubiläums-Mode-Ausstellung Wien, k. k. Gartenbau-Gesellschaft (Abteilung Kleidermacher-Genossenschaft) zum ersten Male in Wien zur Schau gestellten Synagogen-Ornate von der Spezialfirma Rudolf Goldstein in Wien linden allgemeinen Beifall und können wir deren Besichtigung angelegentlichst empfehlen. Es wäre zu wünschen, dass diese schönen Sachen für Wien angekauft würden. Nachtrag. Wir erhalten vor Schluss des Blattes folgendes Telegramm ans Tri est: Der hiesige Kultusvorstand hat den bisherigen Viae- Rabbiner Dr. Ü. Bretthol 7. Himtimmig mm Oberr a b b i 11 e r gew ählt.