Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16/17. Seite 7. schirm Volke zu helfen. Obgleich der Ruf „Zurück nach Pa lästina" sicherlich etwas Bezauberndes und Tnspirativcs in sich schliesse. so sei er doch weit entfernt davon, den wahren Inhalt des Zionismus wiederzugeben. Der Z i n n i s m u s sei viel grösser als Palästina. Er schäme sich gar nicht, der Unbeständigkeit geziehen zu werden. 'Er habe niemals Anstand genommen, der Palästinabewegung unter der Bedingung eines Charters das Wort zu reden, oder bei seiner Bc fürwortung anderer Projekte, diese als Asyle auf dem Wege zu dorn grossen Tdeale hinzustellen. Aber es habe gar keinen Sinn, untätig sich vor die .geschlossenen Tore von Zi >n zu setzen. Will etwa die Gesellschaft durch ihre Statutenänderung eine Unterstützung der tragischen Emigration der Juden aus den T 'nterdrückungsländern unmöglich machen? Er leugne nicht, dass heute schon in Palästina luden leben, aber, fügte er unter allgemeiner Heiterkeit hinzu. -;c leben unter unmöglichen Verhältnissen, die nur dup'h den Backschisch gemildert werden. Eine grosse Kolonisation in Palästina sei nur mit der Sanktion des türkischen Sultans möglich, und eine ..friedliche Eroberung" könne .sich wohl England. Frankreich und Deutschland, die über rinc grosse Flotte verfügen, gestatten, aber für die Tuden wird es ein müssiger Traum bleiben. Seit neun Tahren sei die Bank untätig gewesen, und er prophezeie, dass in den nächsten oo Jahren auch nichts geschehen werde, wenn die Statutenänderung durchgeführt sein werde. Sein heissester Wunsch sei. da.ss sich die Majorität und die Minorität in der Arbeit für jüdische Kolonisation zusammenfinde. Z n n g w i 1 1 verweist schliesslich auf die verschiedenen Möglichkeiten, autonome Siedlungen für Juden ausserhalb Palästinas zu schaffen und bittet nochmals, den blendenden Worten der Petition nicht jene Bedeutung zuzuschreiben, welche geeignet sein könnte, an dein jüdischen Volke ein Unrecht zu begehen. Nach einer kurzen Diskussion zwischen den einzelnen Vertretern schloss der Richter die Verhandlung mit der Bemerkung, dass er bei der grossen Wichtigkeit, welche der Angelegenheit von beiden Parteien beigemessen wird, es für richtig halte, die Schlüsse, die er aus der Verhandlung gezogen, sowie die Gründe, welche ihn zu diesen Schlüssen gebracht haben, schriftlich aufzusetzen. Die Urteilsverkimdigung wird nächste Woche erfolgen. PARLAMENT. Der Hansjade als Retter! Ks ist im PolenkTub bereits zu einer Tradition geworden, die schmutzige Wäsche durch einen Hausjuden" reinigen zu lassen. So traurig die Sache ist: es findet sich noch ein Hausjud, der sich zu so einer Arbeit hergibt. Diese "Rolle pflegte früher Dr. Byk zu übernehmen; es scheint, fclass Dr. Nathan Löwen stein zu seinem Nachfolger (auserkoren wurde. Das zeigte sich in den letzten Tagen im hegitimations-Ausschuss. Die Agnoszierung der Wahl des Abgeordneten Starz ynski geht trotz der Inspirationen des Beizer Wunder - rabbis nicht glatt vor sich. Der tschechisch-klerikale Abgeordnete Sch'llinger, dem des Referat zugewiesen wurde, macht Schwierigkeiten. Die Sache ist ihm doch zu schmutzig. Er bcschloss daher das Referat niederzulegen. Trotzdem fand sich bald ein Nachfolger und es ist dies niemand geringerer, als Dr. Nathan Löivenstein. Nachdem er bereits im Plenum die Reinheit der galizischen Wahlen verteidigt hat, rlürfte es ihm auch nicht schwer gefallen sein, die vom Herrn Schillinger zurückgelegten Akten in seine Hände zu nehmen. Die drei Bezirkshauptleute und. der Bezirkskom missär S m o 1 e n werden staunen; wie sie der Schwiegersohn des Herrn Schmelke von Horowitz rein waschen wird. Hoffentlich bekommt Dr. Löwen - stein vom Beizer Rabbi den Segen. * Der Fall de» Infanteristen Herschkovit«. Der Minister beantwortet neuerlich und ergänzend die unseren Lesern bekannten Interpellationen der Abg. W inarsky und Dr. dabei, betreffend die Tötung des Infanteristen Michael TT e r s c h k o v i t s des Infanterieregiments Nr.;i durch den KtorjKtral Johann Balint. und teilt mit, dass die beim C.arnisonsgerirhte in Wien durchgeführte Untersuchung dargetan habe, dass Korporal Balint. ferner Titular korporal deorg Szimmihclyan und Korporal Demeter Ünyes nicht nur den Infanteristen TTcrschkovits. sondprn auch andere Untergebene, sowohl im Dienste als auch ausser Dienst wiederholt körperlich misshandeltcn. Durch die Untersuchung konnten jedoch keine Umstände festgestellt werden, die dartun würden, dass Korporal Balint den Infanteristen TTcrschkovits absichtlich getötet hätte, vielmehr wurde die Verantwortung Balints, er habe die Patrone selbst zusammengesetzt und die verwendete Patronenhülse für ausgeschossen gehalten, von den Sachver ständigen im Waffen und Schiesswesen als glaubwürdig bezeichnet. Korporal Balint wurde \v c g e n V c r b r e c h c n s d <• r H i n t a n s e t 1 \\ n g der Dienstvorschrift? n im allgemeinen durch T'eberschreit ung der Dienstgewalt, begangen durch die wiederholten Misshandlungen des Infanteristen TTcrschkovits und anderer Untergebener, ferner wegen des Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens, begangen durch die fahrlässige Tötung des Infanteristen TTcrschkovits. sowie wegen einer Disziplinarübertietung nebst Degradierung zum Infanteristen mit der Unfähigkeit in einen höheren Sold oder Rang wieder vorzurücken, zu schwerem und verschärftem Kerker in der Dauer von drei Tahren verurteilt. Mit demselben Urteil wurden auch die beiden angeklagten Korporale nebst Degradierung zu Infanteristen zu sc hwerem und versc härftem Kerker in der Dauer von einein T-'ihre, beziehungsweise von drei Monaten verurteilt. Das Reichskriegsministerium habe den V. 1 t e r n des verstorbenen Infanteristen TT e r s c h k o v i t s. obwohl für sie ein Rechtsanspruch auf eine Entschädigung aus dem TTceresctat nicht bestehe, aus Billigkeitsgründen eine A h f e r t i g u n g von rooo Kronen bewilligt. Bei dieser dclegenhcit müssen wir neuerlich darauf hin weisen. dass sich der Landesverteidigungs-Minister um die Frag-' der Behandlung der jüdischen Soldaten sehr herum gedrückt hat. * Die Rede Dr. Strandiers. Dagegen hat sich Dr. Strauch er mit der Stellung der Juden in der Armee, anlässlich seiner Rede zur Rekruten vorInge, sehr eingehend beschäftigt. Wenn auch diese Rede zum grössten Teile allgemeine militärische Fragen und insbesondere die Militärgerichtsbarkeit behr.ndcltc, so beschäftigte sich Redner dennoch auch mit spezifisch jüdischen Fragen. SoAveit sich jedoch diese Rede mit der Zurücksetzung der Juden im militärärztlichen Korps beschäftigt, enthält sie nach all dem, was wir schon über den General-Oberstabsarzt V r i el gehört haben, nichts neues. Sehr bemerkenswert erscheinen uns jedoch die Ausführungen Dr. Strauchers betreffs des Mangels jüdischer Piediger in der Armee. Wir lassen diese Ausführungen hier folgen : ..Die jüdische Bevölkerung Zislejthaniens zählt 1.25 Millionen, und es gehören weit über 20.000 Angehörige des jüdischen dlaubens, des jüdischen Volkes . . . ^Abgeordneter Pro chazka: Das sind die besten Kundschaften für Schweinefleisch bei den Delikatessenhändlern in Wien!;