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Neue Nationalzeitung · 1908-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1908)
Date
1908-04-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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„Neue National-^eitung" Seite t. ihren Familien nur einen Bruchteil der damaligen jüdischen Bevölkerung Krakaus bildeten. Diese Nachrichten können also nicht ausreichen. Ein Abriss der Ausdehnungdes Stadtteiles, den die Juden bewohnten, kann behilflich sein. Bekanntlich unterschied sich das mittelalter - liehe Krakau in topographischer Hinsicht beinahe in nichts von dem heutigen; es unterschied sich nur in der Ausdehnung, denn während es sich heute weit über die Allee-Anlagen hinaus erstreckt, gruppierte es sich im Mittelalter innerhalb der heutigen Promenade-Anlagen. Im XIV. Jahrhundert wohnen die Juden in einem Viertel, dessen Hauptarteric die Judengasse war (platea iudeorum), heule Sankt Annagasse genannt. Das jüdische Viertel erstreckte sich zu beiden Seiten der Judcagassc, von einer Seite bis über die Schuster-, von der anderen über die Weichselgasse hinaus, und von der westlichen Seife vom Ringplatz bis zu d *r die Stadt umwallenden Mauer, in welcher sich ein Judenpförtchen befand, in der Gegend der jetzigen Allee hinter der Sankt Annenkirche. Ausserhalb der Mauern des Juden - vierteis erstreckten sich Gärten bis zum Judenfriedhof (eimeterium iudeorum), der hinter Czarna. Wies, nördlich der Kawiory genannten Kolonie lag. Alk- Juden, auf deren Namen wir in den Duellen des XIV. Jahrhunderts stossen, wohnen nur im Judenviertel. Hier besitzen sie eine Synagoge (seola iudeorum), die solch eine wichtige Rolle in ihrem inneren Leben spielte, hier ist das Judenbad, und ausserhalb des Tores der Friedhof. Aber im Judenviertel wohnen nicht nur Juden allein, neben ihnen finden wir auch Christen, und das in verhältnismässig bedeutender Zahl. Die Schoppenbücher, die in dieser Angelegenheit das meiste Material liefern, erzählen wiederholt von christlichen Häusern in diesem Stadtteil. Es muss aber bemerkt werden, dass in den betreffenden Büchern nur von denjenigen Häusern die Rede Ht, die entweder verpfändet, gekauft oder verkauft wurden, deshalb informieren sie uns nicht genau über die Anzahl der christliche)) Häuser im Judenviertel; es müssten deren viel mehr sein. Ausser den 1 läusern in diesem Viertel besitzen Christen auch Bauplätze und Brauereien. Wenn wir in Erwägung ziehen, dass die Synagoge, das Bad, wie auch ein Platz für fremde Kaufleute einen ansehnlichen Raum einnahmen, werden wir zur Uebcrzcugung gelangen, das-; das Judenviertel keine hundert Häuser fasste. Hievon entfiel ein beträchtlicher Teil auf die Christen. Selbst angenommen, dass die Juden schon damals dicht gedrängt wohnten und zahlreiche Familienangehörige hatten, gelangen wir zur Annahme, dass die Zahl der in Krakau im XIV. Jahrhundert wohnenden Juden nur einige hundert betrug. Am dichtesten wohnten sie sicherlich im Winkel der Judengasse (in vico plateae iudeorum), wahrscheinlich neben der Judenpforte, nächst der Stadtmauer, wo auch die Synagoge gewesen zu sein scheint. An unsere P. T. Abonnenten! Am i. April 1. J. hat ein neues Quartal begonnen. Wir bitten um Zusendung der Pränumerationsgebühr. Die Administration. SCHÄLOM ASCH.*) ®as jüdische ffheatcF. Wir haben jüdische Schauspieler, ein jüdisches Publikum, auch die Ansätze eines jüdischen Repertoirs, nur ein jüdisches Theater ist nicht vorhanden. Die Sache ist ja vollständig klar; es gibt nur jüdische Truppen, aber kein jüdisches Theater. Das heutige jüdische Theater in Russland ist lediglich eine schlechte; Nachahmung des jüdischen Theaters in Amerika. Das Theater in Amerika hat seine „Stars". Ein solcher Star versammelt um sich ein Ensemble, verschafft sich einen dramatischen Schreiber, welcher die Pflicht hat, das Drama derart abzufassen, dass dasselbe eine Hauptrolle für den Star enthalte. Im übrigein darf das Stück nur Nebenrollen enthalten, die eben dem Star in keiner W eise im Wege sind. Nach diesem Muster sind die Dramen Cordins gehalten. So lange Gordin bei Adler engagiert war, waren alle seine Hauptrollen männlich; als er aber in einer anderen Saison für die Lipzin oder die Kalis/ schrieb, da waren seine I lauptrollen weiblich. Das jüdische Theater in Russland ahmt lediglich das jüdische Theater in Amerika nach. Man wird auch selten in Russland ein jüdisches Theater finden, welches über zwei hervorragende Kräfte verfügen w ürde. Jeder bessere Schauspieler setzt sich seine Truppe zusammen und spielt dieselben Stücke, dieselben Rollen, wie sein Kollege in einer anderen Stadt. Es ist daher für ein jüdisches Theater ganz unmöglich, ein Stück ausserhalb des (iordinschen Rcpertoirs aufzuführen, denn ein solches enthält keine Hauptrolle für den Star, und es sind übrigens auch Nebenrollen vorhanden, für die die anderen Kräfte nicht ausreichen. Es kann daher solange von einem indischen Theater in Russland nicht die Rede sein, solange sich nicht alle vorhandenen Truppen in Kussland vereinigen, um ein Theater zu bilden. Würden sich solche Schauspieler wie Julius Adler, Landau, Weissman und der junge Fischsohn zu einer 'Truppe: verbinden, dann hätten wir ein möglichst gute-; Theater, welches gewiss, abgesehen von den 'Theatern in Moskau und Warschau, keinem russischen Theater nachstehen würde. .Ein solches Theater, geleitet von einem literarisch geschulten Direktor würde gewiss imstande sein, das ganze europäische Repertoire aufzuführen, und hätte das Recht, die moralische und materielle Unterstützung des ganzen jüdischen Volkes zu verlangen. Denn es wäre eben ein jüdisches Theater. L)cp Ppozcss ihr jüdischen KolonialbanI{. (Von unserem Korrespondenten.) London, den 10, April 190S. Mit großer Spannung wurde in hiesigen und wohl auch in zionistischen Kreisen der ganzen Welt der Verhandlung über die Aenderung der Statuten der jüdischen Kolonialbank entgegengesehen. J )ic Vorgeschichte dieses Prozesses dürfte unseren Lesern noch in Erinnerung sein. Die jüdische Kolonialbank ijewish Colonial Trust Ltd.) wurde mit dem Gesetze vom 20. März 1899 inkorporiert. Nach den seinerzeit vorge- *j Der hervorragende Theaterschriftsteller, dessen jiddische Dramen auch die deutsche Bühne erobert haben, äussert sich über die Hebung des jüdischen Theaters in Ruse'and. D. Red

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