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Neue Nationalzeitung · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Parlament. Im Parlament wird jetzt sehr prompt gearbeitet. Die Rekruten vorläge und die Organisation des neuen Arbeitsministeriii ms werden nicht nur dringlich behandelt, sondern sind bereits durch die Abmachungen hinter den Kulissen als angenommen anzusehen. Die deutschen Parteien, die Freisinnigen, gehen Hand in Hand mit; den Christlichsozialen und ziehen sehr wacker an dem Karren der Regierung; ibre Koalition mit dem Polenklub beweist, dass alle Besorgnisse betreffs des Gegensatzes zwischen dem deutsch-romanischen und dem slavischen Block ganz grundlos waren. Die Rekrutenvorlage mit ihrem erhöhten Rekrutenkontingent ist nun auch angenommen. Das für Herrn Dr. öessmann zugeschnittene Arbeitsministerium wird auch in den nächsten Tagen durchgepeitscht werden. Vom Jüdischen Klub hat zur Rekrutenvorlage Dr. Strauch er gesprochen u. zw. als Generalredner kontra; zum Arbeitsministerium wird Dr. Gabel das "Wort ergreifen. Wir behalten uns vor, auf die Rede des Dr. Straucher, sobald das Sitzungsprotokoll dieselbe veröffentlicht haben wird, zurückzukommen. Soweit jedoch aus den sehr knappen Auszügen der Tagesblätter zu ersehen ist, hat sich Dr. Straucher vornehmlich mit der Zurücksetzung der jüdischen Soldaten und Offiziere in der Armee und insbesondere mit dem unseren Lesein sattsam bekannten Herrn von Uriel beschäftigt. Festnageln möchten wir jedoch bei dieser Gelegenheit, dass sowohl die „Arbeiter-Zeitung" als „Die Zeit" aus der Rede des Obmannes des Jüdischen Klubs nicht ein einziges Wort veröffentlicht haben. Wir möchten die zahlreichen jüdischen Abonnenten der „Zeil" in Galizien fragen, was sie zu dieser Haltung ihres Blattes sagen. L. ttORftgSPONDSNZeN ®cst«pp«ich*Qngaisii» Noch einmal „Ein deutsches Universitäts-Studentenheim". Wien, den 5. April. (Orig.-Korr.) Als ich vorige Woche zu dem Aufruf für die Errichtung eines deutschen Studentenheims Stellung nahm und die Haltung der „Gebrüder Gut mann, Grosshändler" in dieser unjüdischen Aktion beleuchtete, hätte ich es mir nicht träumen lassen, dass die „Xcuc Nation a 1 l e i t u n g" das einzige: jüdische Blatt sein werde, das die. grosse jüdische Masse, die Reichen und die Armen, die Spender sowohl wie diejenigen, denen die Spenden zugedacht werden sollen, über den Inhalt und Bedeutung des erwähnten Aufrufes aufklärt. Die schweren Zeiten, in denen wir leben, die nationale Not, in der wir uns befindet!, und der Druck, den der immer enger werdende Ring der Antisemiten auf uns aesübt, hatten mich wohl zu der Annahme berechtigt, dass die Parole: „Juden die Taschen zu" aus allenden Blättern ertönen werde, die unter den ver&chiedc ien Titeln „die Interessen des jüdischen Volkes" zu vertreten vorgeben. Aber über jeden Zweifel ausgemacht war es für mich, dass das Wiener zionistische Studentenblatt, die ..Jüdische Zeitung", diese günstige Gelegenheit beim Schupfe fassen und zeigen werde, wozu es eigentlich auf der Welt ist. Es war doch "so selbstverständlich, dass ein Blatt, das von Studenten redigiert und administriert wird, in einer so eminent jüdisch-studentischen Sache das erste und lauteste Wort führe! Es kam aber anders! Die .Jüdische Zeitung" hat geschwiegen. So blieb denn die ,,Neue Nationalzeitung", wie schon oft, auch in dieser Stellungnahme für nationales Selbstbewußtsein und zu Gunsten der armen, arbeitenden jüdischen Studentenschaft in einer buchstäblich zu nehmenden splendid isolation. Das macht ihr aber zur Pflicht, die Arbeit allein, aber auch ganz zu verrichten. Es muss hier der Wahrheit die Ehre gegeben werden, dass die Entschließung der Gebrüder Gutmann, den Aufruf des deutschen Studentenheims zu unterfertigen und das Unternehmen finanziell zu fördern, auch in denjenigen Kreisen entschiedene Missbilligung gefunden bat. welche vor einigen Jahren noch einem ähnlichen Aufrufe ihre Unterschrift nicht versagt hatten. Da fällt es z. B. fast wohltuend auf, dass die jüdischen Professoren, wie z. B. die Hofräte Grünhui und Baron S c h e y auf dem Aufrufe fehlen. Wir forschen nicht nach dem wahren Grunde, obgleich es rieht uninteressant wäre, ihn zu erfahren. Nicht minder interessant und auffällig ist es, dass die mit dem Gelde (der Herren Kultusvorsteher Salo Cohn und Oberrabbiner G ü d e m a n n gegründete ,,Zeit", bekannt durch ihre Sympathie für die Allpolen, diesen Aufruf am letzten Sonntag im verborgensten Winkel ihrer „kleinen Zeitung" mit dein allcrkicinsten Petit, den der Setzkasten zu liefern verm-ochie. auszugsweise gebracht hat. Man hat im Laufe der Woche manchen Witz gerissen über die Art, w>e Herr David Ritter (von Gutmann seinen Namen auf diesem famosen Aufruf verewigt hat. Tatsächlich ist diese Firmazeichnung das Betrübendsie an der ganzen Geschichte. Sie ist der gelbe Fleck in der schwarzen und aschgrauen Liste. Wahrhaftig LIerr David Ritter von Gutmann hätte um einen geeigneten Titel nicht verlegen sein brauchen. Er ist Vorsteher der Wiener israelitischen Kukusgemeinde, Präsident der ..Israelitischen Allianz zu Wien", Präsident des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung, Mi tg 1 i e d des Kuratoriii m s der Theologischen Lehranstalt etc. etc. etc. Eine dieser ehrenvollen Titulaturen neben den Namen des Herrn David Ritter von Gutmann gesetzt, hätte sicherlich hingereicht, um aus der Gesellschaft dieser Herren mit den vielen anderen Titeln zu verschwinden. So hätte Herr von Gutmann auf die einfachste und auch ehrenvollste Weise die ganze Geschichte sich vom Halse geschafft. Er utt es nicht und hat jetzt die unangenehme Blamage. Unangenehm für ihn und unangenehm für das Judentum, dem man den Missgriff der Gebrüder Gut mann als „jüdische Aufdringlichkeit" aufs Kerbholz schreiben wird. Besonders wenn die jüdi.-» hn Gelder, wie wir hoffen, gar nicht oder nur spärlich einfliessen werden. Die Blamage ist nun einmal da und unter den gegebenen Umständen erwarten wir von Herrn David Ritter von Gutmann wenigstens das eine, dass er die Summe, die er für das deutsche Studentenheim zeichnen muss, mit der ausdrücklichen Be -

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