Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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,Neue National-Zeitung" Nr. 15. Stimmung zeichne, dass sie als immerwährende Stiftungzu Gunsten einearmen jüdischen Studenten zu gelten h;:!>e. Durch eine solche Verfügung würde die bisher bekundete Haltung der Gebrüder Gutmann in ein wesentlich günstigeres Licht treten und sie wäre- :iuch eine untrügliche Probe auf die Echtheit jenes übertriefenden Humanismus, der in dem Aufrufe aufgehäuft wurde. Für die übrigen Juden aber bleibt die Parole nach wie vor: Wenn Euch der AuLait zur Errichtung eines deutschen Universi'üts-Stca hauen hei ms zugeschickt wird: Juden, die Taschen zu! Ben Abi. Nichtöffentliche Vorstandssitzungen. Wien. Vor Schluss der Redaktion erhalten wir ein Communiquc, dem wir nachstehendes entnehmen : Aus der Plenar-Sit/'eig des KuLusv orstandes vom 29. März und 5. Apnl 1908 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden sich : Die Mitteilung, dass Herr Salo Cohn das Bild des Malers Eazar Krcstin ,,Dcr Thoraschrcibcr" angekauft und der Versorgungsanstalt zum (Ics h aike gemacht habe, Eine Spende von Herrn Gustav Tlolzer für Arme per K 20. . Den Spendern wird der Dank votiert. E r r i c h t u 11 g e i n er n e u e n M i k w a h. In Durchführung des Plenar-P>cschlusses vom 27. November 1907 betreffend die Errichtung einer Mikwah durch die Kultu-gemeinde, wurde der in Aussicht genommene Bauplatz erworben, grundbücherlich in das Eigentum der Kultusgemeinde übertragen und sind auch die auf demselben haftenden Satzposten getilg! and zur Löschung gebracht worden. Leber m hrfachc. an den Kultusvorstand, gelangte Eingab n in diese!" Angelegenheit, sollen nunmehr in den nächsten Tagen die Pläne und Kostem oran^ehiäge vorgelegt und sohin unverzüglich mit dem Bau begonnen werden. Diesfalls wurden nach läng?:vr Debatte die erforderlichen Beschlüsse gefasst. K o s c h e r -Sei c h w a r e n - K a b r i k. In der am 5. April 190S stattgehabten Plenarsitzung wurde im Einvernehmen mit dem Kabbinate der Beschluss gefaxt, eine in Wien zu errichtende K o s c h c r - S e 1 c h w a r e n - F a b r i k unter gewissen Modalitäten unier die Aufsieht des Rabbinates zu stellen. Den Interessenten, welche in Betreff der Errichtung einer solchen Fabrik eingesehritten sind, werden jene Bestimmungen mitgeteilt, durch welche das Ka .ehrus der zu erzeugenden Selchwaren in vollkommener "Weise sicher zu stellen sein soll, wonach au dt che diesbezügliche Verlautbarung in den öffentlichen Blättern ergehen wird. Wir behalten uns vor, auf diese Gegenstände noch zurückzukommen. Das Blntmärcben in Stryj. Stryj, den 3. April. (Crig.-Konv Ein hiesiger Bürger und Restaurateur namens Leib Mischl wurde fast zum Opfer des traurigen Ritualmordmärchens. und nur ein glücklicher Zwischenfall hat unsere ganze Stadt vor einem Pogrom gerettet. Sonntag, am 29. März 1. J., gegen Mittag sah Mischl plötzlich vor seinem Hause eine grosse Masse Menschen angesammelt, die eine wütende Stellung einnahm. Als er sich erkundigen wollte, um was es sich handle, und sich hinaus begab, fand er an der Spitze der angesammelten Menge seine Mietpartei namens Marva S z e n g e r, die ihm zurief, dass er ihren drei Jahre alten Knaben in seinen Wcinkellcreien als Passah-Blutopfer versteckt habe; zu diesem Zwecke habe er den Huben n eh früher gefüttert. Frau Mischl hat i::m nämlich aus Mitleid was zu essen gegeben. Der Mann dieses Weibes schimpfte, dass alle luden Diebe sind und die Masse wurde immer erregter, dem Herrn Mischl und seiner Familie stand das ärgste bevor. Plötzlich erschien ein nichtjüdischer Nachbar mit dem Knaben, welcher sieh verirrt hatte. Da beruhigte sich erst die Masse und zog ab. Charakteris! L< h ist es aber, dass die Polizei auf eine derartig absurde Insinuation hin, statt Mischl zu schützen, gegen ihn einzuschreiten entschlossen war. In dieser Stadt haben bei den Reiehs-atswahlcn S70 (, Wähler oppositionell gestimmt. Der Sozialdemokrat siegte jedoch gegen den Jüdisch-Nationalen. Er siegte aber durchaus nicht als Sozialist, sondern als - Christ gegen den Juden. Der Appell an die Instinkte der Bestie ist immer dankbar. r. Grossbritannien. Die Somitflgsrnhe in Etipland. London. Ende Marx. fOrig.-Korr.) So im - glaublich es auch klingen mag, so muss doch festgestellt werden, dass bezüglich der Sonntagsruhe in den beteiligten jüdischen Kreisen eine geteilte Meinung herrscht. Während Lord Swaythling und der Board of Deputies (jüdische Gemeinde-Verwaltung) n a c h ö s t e r r e i c h i s c h e m M u s t e r für die luden, die am Samstag feiern, am Sonntag gewisse Erleichterungen anstreben, geht die Agitation der L n i on der jüdischen Kleinhändler dahin, überhaupt die Sonntagsruhe abzuschaffen, damit sowohl sie, als auch ihre christlichen Geschäftskollegen am Sonntag arbeiten können. Das Amendement Lord Swaythlings zur Bill des Lord Avebury lautet : § 5. Absatz 34. Die ('.enchnügung zur Verb>lgung einer IVi mmi auf (".rund (Irr Sonntagsruhe Akt;' von 1S71 soll versagt werden, falls diese Person der jüdischen Konfession angehört und 1. ihren Laden '. >:i Sonnenuntergang am Freitag Abend bis Sonnenuntergang am Samstag Abend weder für die Zwecke des Verkaufes offen gehalten hat noch tatsächlich irgendeinen Ciegenstaml verkauft, ausgestellt oder zu Yerkaufszwecken angeltoten hat. 2. dass sie zum Zwecke des Gewerbebetriebes an demjenigen Sonnt,ig. an dem die t'ebertretung stattgefunden haben soll, kein anderes Personal als solches jüdischer Konfession beschäftigt hat. 3. ' dass die Vebertretung. welche verfolgt werden soll, ni ht nach 3 I hr nachmittags am Sonntag stattgefunden hat. Dieser Zusatzantrag hat auch grosse Chancen. Die Wünsche der Kleinhändler finden weder bei der Oeffentlichkeit noch in der Presse Anklang. Palästina. Jakob Schills Palästinareise! Jerusalem. Mitte Mär/. (Orig.-Korrd Jakob Schiff, der Millionär aus Amerika, hat uns mit seinem Besuche beehrt, das heisst, er ist anlässlich seines Aufenthaltes in Aegypten auf der Yacht seines Freundes auch hicher gekommen.