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Neue Nationalzeitung · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15. „Neue Nattonal-Zeitung" Seite 5. evangelischer Konfession 81 römisch-katholischer ,, 34 griechisch-katholischer ,, 28, dagegen bei Juden nur 5 Kinder die Volksschule besuchten, so niuss doch cw ahnt w erden, dass noch immer die Juden diesbezüg'u h anderen Konfessionen nachstehen, ausser den Griechisch-Katholischen, wo auf 1000 Einwohner (So Schulkinder entfallen. Denn bei den Römisch-Katholischen entfallen 104, bei den Evangelischen g ir 150 und ebensoviel durchschnittlich bei den anderen Konfessionen. Immerhin muss die vo;: [890 1900 nicht nur absolut eingetretene Erhöbung der jüdischen Volksschulkinder von 50.291 auf 78.400, sondern aucli prozentuelle Steigerung von <>e> pro Mille auf 97 jiru Mille als ein Symptom der Besserung gewürdigt .werden und alle Publikationen, die sich hiemit beschäftigen, gaben unumwunden zu, dass zur Verbreitung der Elementarbildung un'cr der jüdischen Bevölkerung sehr wesentlich d i e B a r o n H i r s c h - S t i ftungss c h u I e n beigetragen haben. Mit Rücksicht auf die insbesondere wieder in der letzten Zeit und erst gestern im zionistischen Haupt orga ne erhobenen Angriffe, würde es für mich natürlich sehr verlockend sein, über jdie Stiftung ausführlicher zu sprechen und mich mit den ebenso ungerecht, wie widersinnig erhobenen Vorwürfen zu beschäftigen. Allein ich unterlasse es, um nicht den Anschein zu erregen, als ob ich pro domo spreche. Wenn man aber bedenkt, dass gegenüber dem gestrigen Vorwurfe, die Verwaltung verfolge zionistische Lehrer, das „Slowo polskie" und der Kurjer Lwowski*' behaupten, die Verwaltung begünstige z i o n i s t i s c Ii e T e n d e n z e n. das zionistische Organ ,,\Vschod" angibt, dass wir nur assimilieren wollen Und die , Jednosc" sich wieder über das (/egenteil beklagt; wenn vor 14 Tagen in rdcv „Neuen N a t i o n a 1 z e i t u n g" die Intervention ür. Landaus angerufen wird., dass lieber in den grossen Städten wie Stanislau u. a. Schulen aufgelassen werden und vor vier Tagen ein Funktionär von Stanislau darauf verweist, dass in den grossen Städten, wo die Zahl der notleidenden und kulturell zurückgebliebensten Juden, die dort zu Tausenden angesammelt sind, eine Schule nötiger ist, als in kleinen Dörfern, wo es sich um wenige Kinder handelt und wenn man schliesslich bedenkt, dass eigentlich die Wortführer aller — und selbst der'diametral entgegengesetzten Parteien — an unseren Schulen etwas auszusetzen haben - - den Orthodoxen sind wir zu assimilatorisch, den Assimilanten zu reaktionär, den Polen zu germanisierend und den Ausländern wegen der polnischen Unterrichtssprache zu wenig kulturfördernd — kurz, wenn man so oft im Laufe weniger Tage sieht und hört, dass man es gar keiner Partei recht macht, dann muss man doch zur Annahme kommen, daös wenn man nicht glauben will, unsere Schulen seien gar nichts nutz und allesamt wert zu verschwinden, wogegen doch die Tatsache zu sprechen scheint, dass alle Gemeinden um die Belassung und zahlreiche um Neuerrichtung bitten, die Verwaltung doch auf dem richtigen Woge, sein müsse, indem sie zwischen allen Extremen sich bemüht, das juste milieu einzuschlagen und sich soweit dies eben möglich ist, von einzig richtigen, sachlich berechtigten Motiven nicht ablenken zu lassen. Man würde aber doch fehlgehen, wollte man sich der optimistischen \'. »ffnung hingeben, dass das Verständnis für die l numgänglicbkeit der Elementarbildung bereits in allen Orten Galiziens verbreitet ist. Es sind kaum einige Monate her. dass ich auf einer Inspektionsreise eine ganze Reihe von Orten besuchte, wo ein versehwindend kleiner Bruchteil von Kindein im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet w ird und für unmöglich halte ich selbst es gehalten, dass es heute u ich einen Ort*) gebe, wo auf die blosse Kunde, dass ich hingekommen sei, eme Baron Hirsch-Schule zu gründen, in kaum einer Stunde sich auf dem Ringplatze eine nach Hunderten zählende Menge fanatischer Juden ansammeln werde, die in recht unfreundlicher IIaltung energisch schrieen: „Wir brauchen keine Sehlde, wir wollen keine haben"; in diesem Orte besucht nicht ein einziger jüdischer Knabe die öffentliche Schule usw. Auch dort besteht das in ( »esterreich geltende Oesetz über den Schulzwang. Wohl gehören solche krasse Zustände zu den Ausnahmen, aber sie sind lange nicht vereinzelt: in den meisten Orten kommen doch nur 10 2o"o der jüdischen Kinder in die Sehlde, in den grossen Städten, wo der praktische Wert der Schulbildung leichter in die Augen springt, auch mehr, allein nirgends kommen auch nur annähernd alle, und überall beklagt man sich über mangelnden Lehrerfolg. Kein Wunder, wenn Sie sich erinnern, dass über of><>,, der Schulen einklassjg, H^'U» halbtägig sind, dass unsere Kinder jüdisdie und christliche, in Ostgalizien auch gricchisch-ka'holische Feiertage halten, dass sie in der ersten Schulbesuchszcit der polnischen Unterrichtssprache nicht mächtig sind und die christlichen Lehrer wohl sehen nch veranlasst sehen, gerade den jüdischen Kiinieni besondere Sorgfalt zu zuwenden. Bezüglich der jüdischen Lehrkräfte habe ich schon des traurigen Unis'andes Erwägung getan, dass jüdische Lehramtskandidaten ausser aL Religionslehrer fast gar nicht Anstel - hing finden. Darin trägt zum Teil die meist in den Händen d er ('. e i s 11 i c h k e i t r u h e n d e S c h 111 i n s p e k t i o n schald: nur jüdischen Lehrerinnen gelingt es bisweilen . auf dem flachen Lande anzukommen, wann der Posten so schlecht und das Dorf so gott erlassen ist, dass keine andere Bewerberin da;et, oder wenn die ruthenische Bevölkerung keinen Polen haben und die Polen keinen Ruthencn hingeben wollen. Hierüber wäre wohl noch so manches zu erwähnen, was ich mir im Ilmblicke auf die vorgerückte Zeit versagen nui-s: -chon aus dem Gesagten werden Sie entnommen haben, dass auf dem Gebiete der Kindererziehtmg und Volksbildung in Galizien noch unendlich \;e! nachzuholen ist. *) Gemeint ist hwr da> St.:i«lt< h -n o|usko, Aniu. d. Red. An unsere P. T. Abonnenten! Am 1. April 1. J. hat ein neues Quartal begonnen. Wir bitten um Zusendung der Priinunieratioiijgeibü^ Die Administration.

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