Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. „Neue National Leitung" Nr. 15. anderen jüdischen Klassen, nicht nur Aveil die Rcligionsbandc in diesen Klassen »eschwacht sind, sondern auch wegen der materiellen Vorteile, die ein (daubenswechsel mit sich bringt. Das sind nur ein/eine, besonders interessante Momente aus dem ausführlichen, sehr lehrreichen Bericht des amerikanischen 1 landels-Departements. Aber auch die wenigen Tatsachen genügen, um zu beweisen, dass die Massenauswanderung der russischen Juden nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, nicht ihren tb-und hat. in der den Juden oft zugeschriebenen ..t'ntätigkcit" und in dem Haschen nach dem < üück, sondern vielni'.-hr in den l nterdrückungen und in der elenden ökonomischen Lage driselben. Solange die Juden Russlands gesetzlich nicht den anderen Bürgern des Zarenreiches gleichgestellt sind, werden si' durch die Macht der Verhältnisse gezwungen, nach überseeischen Ländern auszuwandern, wo sie in der Regel schon nach kurzer Zeit zu nützlichen, die Wohlfahrt und das (dück Wwa neuen Heimatlandes fördernden Bürgern werden. ßas \)oll<sschul wesen in (galizien. Von Dr. Arnold Äscher, Sekretär der Baron Hirsch'schen Schul-Stiftung in Wien.*) Nach clor letzten Zahlung Gestanden in Oalizien im (Manzen 4255 Volksschulen; 2824, also 66,4"», von ihnen waren cinklassig, demnach ein -anz exorbitanter Prozentsatz, der in keinem Kronlandc Oesterreichs erreicht wurde. Trotz dieser hohen Prozentziffer von Galizien, die natürlich auf die Durch - schnittsziffer bezüglich ganz Oesterreichs wirkt, waren im Reiche durchschnittlich nur 39,4°0 Schulen einklassig. 3601 Schulen in (ializien also 83,3°,'o hatten nur h a I b t ä g i g c n Lnterricht; in Oesterreirh durchschnittlich nur 25,1 11». X ich der eigenen .\ngai)e des galizischen / andesschulrates, der doch sicherlich nicht allzuschwarz gezahlt haben wird, waren 950 Schulen in genügendem, (>(>/ in nicht genügendem Bauzustande und 144 mit nicht genügender schulhygienischer .Hinrichtung. Was die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrifft, so ist hiebei zu bemerken, dass -uals Mindestzahlen zu T>etrachten sind. Die Matriken, besonders der früheren Jahre, sind im allgemeinen ja nicht allzm erlässlich und die Sorgfalt, mit welcher die Auszüge für tden Bezirksschulrat oder Schulleiter angefertigt werden, um die Zahl der schulpflichtigen Kinder zu ermitteln, reicht bei weitem nicht an die Sorgfalt, mit welcher Matrikenauszüge zum Zwecke der militärischen Einberufung gemacht werden. Unsere Schulleiter wissen oft genug von den unglaublichsten Mit- *i Am }i. Marz hat Dr. Arnold Ascher im Jüdischen Bürger-Verein „I t o" über „Pauperismus unter den Juden in (•alizien" gesprochen. Kr sagte in der Einleitung: ..Jn diesem Kreise ist es, wie ich glaube, überflüssig, über die unzahligema!.- allerorten geschilderte, leider aber von der Wirklichkeil immer noch übertroftene Kage der Luftmenschen. Cursoren und ähnliche Existenzen der im tiefsten Elende kulturell und oft genug au< h sittlich verwahrlosten Massen zu sprechen. Die von Dr. S. R. L a n d u u unter dem Titel „U n t e r jüdische n Prolet a r i e r n" jnibliziertcn Rcisebcschreibungen aus Ostgalizien. die übrigens auch ihr 10jähriges Jubiläum feiern können, bestehen noch ebenso zu Recht, wie die im Jahre 1904 von den Damen Berta P ap p e n h e i m und Sara Rabinowitsch geschilderten Reiseeindrücke." Dann ging der Referent auf die Kinzelheiten seines Themas über. Aus denselben haben wir jedoch obigen Teil zur Publikation übernommen, und zwar besonders mit Rücksicht auf die Aktualität des Stoffes und auf die Stellung des Vortragenden, die seine Ausführungen nach dieser Richtimg besonders autoritativ machen, A n m. der Redaktion. teln zu erzählen, die angewendet werden, um in jjden Schulausweisen nicht zu figurieren; übrigens kommen die Kinder, welche vor Erreichung des 6. 'Lebensjahres in eine andere Gemeinde übersiedeln, in solchen Matrikelauszügen ja natürlich überhaupt nicht vor. "Welch beharrlicher Widerstand dem Schulbesuche geleistet wird, erhellt ja auch aus der ^Angabe, dass in (ializien in einem Jahre nicht weniger als (-9.429 Straferkenntnisse, darunter 13.012 mit Arrest von 1 Tag und darüber, gefällt wurden (und (dass der Betrag der hereingebrachten Strafgelder 89.076 Kronen betrug. Wenn man also davon absieht, dass zweifellos viele Tausende von Kindern gar nicht konskribiert sind der galizische Landesschulrat berechnet selbst 88.000 Kinder in Gemeinden, wo Schulen nicht bestanden oder diese nicht im Betrieb waren, gibt pr ja auch an, dass 236 Lehrstellen nicht besetzt waren, trotzdem über 100 jüdische Lehramt skand i d a t e n v e r g e b 1 i c h u m A n s t e 1 1 u ng bitten, so bleibt, ohne diese 88.000 Kinder, dass im schulpflichtigen Alter stehen: 024.639 Knaben 600.817 Mädchen Zusammen 1,225.456 Kinder. Von diesen versäumten die Schule gänzlich: 99.283 Knaben 122.165 Mädchen Zusammen 22 t. 148 Kinder, obgleich normal entwickclr, das waren I7,99°<> (in Oesterreich sonst durchschnittlich 5,91. Wegen schwerer körperlicher oder geistiger Gebrechen blieben ohne Unterricht: 14.869 Knaben 15.529 Mädchen Zusammen 30.398 Kinder, das waren 2,48 (in Oesterreich durchschnittlich 1,99''»). Bei allen Zählungen war die Zahl der jüdischen Mädchen bedeutend höher als die der j ü d i s c h e n K n a b e n. Im Jahre 1880 besuchten in Galizien Volksschulen 12,509 jüdische Knaben und 20.891 jüdische Mädchen. 1890: 18.052 Knaben 32.239 Mädchen. Line enorme1 Steigerung aber konstatiert die Zählung von 1900: mit 32.964 Knaben und 45.502 Mädchen. Dieser erfreuliche 1 "ortschritt, den die Juden im Besuche der Elementarschulen gemacht haben, kommt am (deutlichsten in der Berechnung zum Ausdrucke, dass auf je 1000 Juden in Galizien fcchulbesuchende Kinder kamen: im Jahre t88o 49 1890 66 „ ,, 1900 97, nämlich 41 Knaben und 56 Mädchen. So erfreulich auch beim ersten Anhören dieser Ziffern die Tatsache der konstanten Steigerung sein mag, besonders wenn man an die erste Schulkonskription des Jahres 1865 denkt, wo von 1000 Einwohnern: