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Neue Nationalzeitung · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15. „Neue National Leitung" grosser Teil der in den amerikanischen Einwanderungstabellen als Hausangestellte bezeichneten Einwanderer der Rubrik ^Industrielle Arbeiter" zuzurechnen. Die Juden als Landwirte. Mehr als 40.000 Juden sind in Russland in der Landwirtschaft beschäftigt, und mehr als 150.000 Personen leben dabei von ihrem Verdienst, so dass insgesamt mehr als 190.000 Juden ihren Unterhalt in der Landwirtschaft finden. Sie bearbeiten 305.407 Ares. Wenn die durchschnittliche Lage des russischen Bauern zum Vergleich herangezogen werden soll, muss man feststellen, dass diese jüdischen Bauern im allgemeinen gut gestellt _ sind. Die Familie, besitzt durchschnittlich 2 bis 2.X Pferde. Neben jüdischer Arbeit ist auch jüdisches Kapital stark in der Landwirtschaft angelegt. Beträchtliche Landstrecken gehören Juden zu eigen oder sind von ihnen gepachtet. Das sind allerdings immer noch nicht 1,5 ",o der Gesamtfläche des Rayons. Das Interesse der Juden an der Landwirtschaft rührt von der Aufmunterung her, die ihnen von früheren Kaisern geboten wurde, indem sie jüdische Kolonien in verschiedenen Teilen des Landes einrichteten. In späteren |ahren wurden diese Vergünstigungen zurückgezogen, und jetzt ist es den Jude;! gänzlich verboten, ausserhalb der Grenzen der Städte und der dem Ansiedelungsrayon einverleibten Städte in Lohn und 15 anderen Städten Russlands, Land zu kaufen oder zu pachten. Rubinow ist der Ansicht, dass. soweit die Tauglichkeit des Juden für die landwirtschaftliche Laufbahn in Frage kommt, diese über jeden Zweifel erhallen s e i. Seit der Begründung landwirtschaftlicher Kolonien im Süden Ktisslands vor 50 Jahren, hat die Gesundheit und körperliche Entwicklung der Kolonisten derart zugenommen, dass der Jude aus Bessarabien keine der physischen Mängel besitzt, welche das Typische des lithauischen Juden bilden. Jüdische Arbeiter. Ausserhalb des Ansiedelungsrayons leben nach einer Zählung von 1893 weniger als 10000 jüdische Handwerker. Für ungelernte Arbeiter war aus den 5 grossen Zentren Lodz. Odessa, Kiew, Kowno und Mohilew kein statistisches Material zu erbringen. Ausser diesen; Städten betrug die Zahl der ungelernten Arbeiter 97 000. im ganzen also weil über 100.000. Xach Beschäftigungsarten unterschieden, stellt sich diese Zahl wie folgt dar: Landwirtschaftliche Arbeiter 12.901, Droschkenkutscher 13.200, Erdarbeiter und Steineklopfer 9980. Hafenarbeiter und Lastträger 32.528, Holzfäller 4280, Flösser 3113, Lumpensammler 4301, Fuhrleute 18.819. Wasserträger 5378, nicht spezifiziert 328, insgesamt 97.900. Der Prozentsatz der ungelernten Arbeiter beträgt also 2<\» der gesamten jüdischen Bevölkerung, während in ungelernten Berufen 7«.. tätig sind. Dieser Prozentsatz steigt auf 3.3 resp. 10 in Südrussland und fällt auf 1,4 und 4,2 in Polen. Einige unglaublich strenge Einschränkungen, die jüdischen Handwerkern auferlegt werden, führt der Verfasser an. l'm in den Grenzen der Ansiedelungszone leben zu können, muss der jüdische Handwerker eine Besc heinigung seiner Gilde und ein Zeugnis von den L.'kalbehörden seines Geburtsortes haben, und in seinem neuen Wohnort ist er an ein spezielles Handwerk gebunden und ist vom .Arbeiten in irgend einem anderen Beruf ausgeschlossen. Er darf mit keinen Produkten handeln, die nicht in seinem Geschäft angefertigt sind; so darf ein Uhrmacher z. B. keine Uhren verkaufen, wenn sie nicht von ihm angefertigt wurden, und unter keinen Umständen darf er eine Uhrkette oder ein Uhrtäschchen verkaufen. Durch alle diese Schwierigkeiten sind die Juden gezwungen, um überhaupt existieren zu können, die /'reise entsprechend herabzusetzen, und die durch diese Konkurrenz entstehenden Angriffe machen die Juden unbeliebt. Der Arbeitstag jüdischer Handwerker beträgt in einzelnen Teilen des Reiches 18 Stunden, in anderen ist er auf 10 oder 12 Stunden herabgesetzt worden. Der jährliche Ver¬ Seite 3. dienst der Handwerker bewegt sich zwischen 12.88 Dollars für Weissnäherinnen und 300 Dollars für Schneider. Da der Lebensunterhalt einer normalen jüdischen Familie wenigstens 154.50 Dollars kostet, kann man sehen, dass eine grosse Anzahl dieser Handwerker Mühe hat, einigermassen durchzukommen. Unter diesen Umständen überrascht es nicht, dass der Jüdische Bund, eine politische Arbeiter-Organisation, eine grosse Mitgliedschaft hat, trotz der Tatsache, dass die Existenz von Arbeitervereinen und der Streik, die Hauptwaffe, der Arbeitervereine, durch das Gesetz in Russland verboten ist. Es ist viel geschrieben worden über die Ausbeutung russischer Bauern durch jüdische Handwerker. Diese Handwerker besitzen ,i n den meisten Fällen nur ein ganz geringes Kapital und können nur von den geringen Bedürfnissen der russischen Bauern leben. Im Getreidchandel z. B. gibt es keine ortlichen Speicher und keine Zwcigeisenbahnlinicn, und der Bauer nimmt das Getreide, wenn er es zu festen Preisen verkaufen und Lebensmittel kaufen will, zum Markt, wo im Ansiedelungsrayon der Käufer in 9 von 10 Fallen ein Jude ist. Da er nur ein geringes Kapita) besitzt, ist der jüdische Händler gezwungen, es sobald wie möglich umzusetzen, so dass er nur mit geringem Profit verkauft. Er ist gewohnlich zufrieden, wenn er täglich 25 — 50 ("enls verdient. Rubinow gibt zu, dass nicht nur in Russland, .sondern auch in den Vereinigten Staaten, wo initiier russisch.- Juden einen Handel begonnen haben, sie niedrigere, lieise nehmen als in Gemeinden, wo die Preise von Kaufleuteti anderer Rassen leguhert werden. Nirgends in den Vereinigten Staaten /. B. sind die Treis,- für FlUnwaren. Kl.-ider oder Materialwaren so niedrig, wie an der < >stse,te der Stadt New-York. Die akademischen Berufe. Der Fintritt in akademische Berufe ist für die ntssisheU luden ausserordentlich schwer, obgleich die Universitäten in Russland Slaatsitistitüte sind, deren Honorare sehr niedrig sind. Im ganzen beziffert si< 1; die Anzahl der Juden, diein gelehrten Berufen tätig sind, auf 57.847. oder wenig mehr als 4"ii um der Anzahl Juden, die in gewinnbringenden Unter nehnuingen tätig sind. Diese Zahl schliesst ein grosses Heer von Lehrern des Hebräischen ein, meistens Personen ohne besondere Methode, welche in anderen Beschäftigungen gestrauchelt sind und eine .....h elendere Existenz fuhren als sogar der Durchschnitts-chneider oder Schuhmacher Nach Abzug von 35.273 Personen dieser Klasse verbleiben nm no. h 22.574 in juristischen, medizinischen, Yerwaftungs-Bcrufeii und in Regienmgs- und <">ff>-ndielu-n Institutionen. Diese verhalt nisniässig geringe- Anzahl gebildeter Juden kommt daher, dass die Zahl jüdischer Studenten, welche zu den höheren Schulen zugelassen werden, für die .etlichen Bildungsiustitute ■Mittelschulen; in Polen 10".. beträgt und 5"'.» in. den übrigen Städten, ausgenommen Moskau und Petersburg, wo sie nur 3".. beträgt. Diese- Beschränkung ist : uf die Universitäten und höheren Lehranstalten ausgedehnt, und Hunderte junger Leute, denen die- Zulassung zur Universität in Russland verweigert wird, gehen nach Deutschland, nach, eh-r Schweiz und nach anderen europäischen Ländern. Sehr wenig Stellungen in dem Regierungs dienst sind für Juden offen, obwohl dies gerade der beliebteste Beruf unter den gebildeten Klassen des Reiches ist. Jüdische Aerzte werden im Heere bis zu 5beschäftigt. Es gibt keine: jüdischen Professoren an den Universitäten, keine Echter an Schulen und Seminaren für christliche Schüler Jura und Medizin bilden fast das einzige Feie.1 auf welchem der gebildete fude seine Fähigkeiten bewe ise n kann. Dieses Resultat zeitigt eine Ueberfiillung dieser Berufe, speziell in den Städten des Ansiedelungsrayons, wo Aerzte für einen Besuch bei einem Kranken 15 oder 20 Cents erhalten. Andere- Universitäten lassen Juden für Literatur und Journalismus zu. was sehr magere Einkünfte bringt. Fälle von öffentliche n! Religionswei hsel sind in Russland häufige r b i Promovierten d< i Unive-rsität als in

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