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Neue Nationalzeitung · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. „Neue Naflonal-Zeftung" Seite 5. Di« jüdische Emigration. Die jüdische Auswanderung hat sich gegen das Vorjahr nur um ein geringes vermindert. Unter den Auswanderern nach Amerika befanden sich im Jahre 1907 149.132 Juden. Die jüdische Gesamtauswanderung dürfte mit 180.000 Personen zu berechnen sein, von denen drei Viertel aus Russland stammen. Die Zahl der jüdischen Durchwanderer durch Deutschland hat in diesem Jahre zirka 94.000 betragen. \\(\\\- rend die Gesamtheit der jüdischen Auswanderer nur Auskünfte und Belehrung durch Veröffentlichungen und Briefe erhalten konnte, waren diese 94.000 Auswanderer in der Lage, die Organisation des Hilfsvereins, seine Komitees und Vertrauensleute direkt und persönlich in Anspruch zu nehmen. 12.500 Auswanderer in runder Zahl wurden vom i 1 iltsvercin befördert. 35.000 beherbergt, verpflegt und bekleidet, 2500 ausgeheilt, so dass insgesamt 50.000 Auswanderern, also über der Hälfte aller jüdischen Auswanderer, die ihren Weg durch Deutschland nehmen, geholfen werden konnte. Das gesamte philantropische und soziale Hilfswerk des Hilfsvereines der Deutschen Juden erforderte im Jahre 1907 die namhafte Summe von Dreiviertel Millionen Mark. Trotz der opferfreudigen Unterstützung, die der Hilfsverein bei seiner Tätigkeit in allen Kreisen der deutschen Judenheit finde'., bleiben die Einnahmen doch noch immer hinter den grossen Ausgaben, die dem Hilfsvereine in von Jahr zu Jahr steigendem Masse erwachsen, zurück, und eine Stärkung senier finanziellen Mittel ist dringend geboten. MARIE ROTHEIT : >OFis Schatz. AcrmsUT (»dessaer Juden Kind, erhielt <-r kaum die not wendigste Schulbildung. Indes /eigu« .-ich früh sein starkes Talent zum Zeichnen und für F01 nienbildunu. F> arbeitete Jahre lang;ds jugendli« Ixt Hilfsarbeiter in verschiedenen Hand werkerstätten. Kndlich gelang" es ihm. unter schweren Entbehrungen;ds .Ateliergehilfe zu seinem berühmten Landsmann und Stanimesgenossen A n t o k <> 1 s k i na< h P a. r i s zu kommen, der, seine Begabung erkennend, ihn bald als Schüler betrachtete und ihm die erforderlichen Unterweisungen angedeihen liess. Nach mehrjährigem Aufenthalte bei Antnkolski ging Schatz in das von den Russen befreite Bulgarien, nach Sofia, wo\ es später eine Anstellung als Zeichen- und Modellierlchrer ander dortigen neugegründeten .staatlichen Kunstschule erhielt. Fürst Eerdinand, der diesem Institut sein besondere-, Wohl wollen /»wandte, halte auch für die vielseitige künstlerische Begabung Boris Schatz' Verständnis. Kr beauftrageihn u. a. mit der Ausführung eines kostbaren Album« zum < '.edä< ht nis an den Zar-Befreier Alexander Tl.. das spater \on einer bulgarischen Abordnung im Auftrag«- des Fürsten dem jetzigen Zaren überreicht wurde. Sehatz loste diese Aufgabe in künstlerischer wie technischer Hinsicht in gleich -r Fertigkeit unter den schwierigsten Umständen, da er sich alle Behelfe hierzu selbst schaffen und alle technischen Arbf-uen nie eigener Hand vi»llfü1"--n musste. SHn Atelier /;: care.d« Uebrigens ist Schatz eine echte Künstlernatur, wie siisich unabhängig von Abkunft, Nationalität und Bildungsgang immer wieder darstellt, naiv, liebenswürdig, bescheiden, durchglüht von Begeisterung für seine Kunst und allen Händeln dieser Welt völlig verschlossen; ebenso auch im allgemeinen den Ansprüchen, den sie an den äusseren Menschen zu stellen pflegt. Das Groteske seiner Gestalt, wenn er, der ziemlich weit draussen wohnte, im abgetragenen schwarzen Bratenrock mit fliegenden Schossen auf dem ältesten, d. h. billigsten Zweirad, das in Sofia aufzutreiben gewesen war, durch die staubigen Strassen der Stadt sauste, war der ganzen Einwohnerschaft bekannt und vertraut. Ebvnso seinen näheren Bekannten sein ständiger Kampf mir den modernen Sprachen, denen er. sobald er loslegte, die schwersten Wunden beibrachte. Als ich einst einen seiner nächsten Freunde fragte, wie Schatz denn russisch spreche, erhielt ich zur Antwort: ..Genau so wie deutsch, französisch und bulgarisch". Ich wusste nun Bescheid. Schatz hatte in seiner Jugend keine Gelegenheit und in späteren Jahren angesichts der Anforderungen der künstlerischen Ausbildung und des Broterwerbes, der ihm jahrelang recht sauer wurde, keine Zeit sich mit sprachlichen Studien abzugeben. Wozu braucht denn auch der Bildhauer eine Sprache3 Sein Ausdrucksmittel ist seine Kunst. Abgesehen von der Kunst war es nur noch die Idee des Z i o n i s m u s. die in dieser Schwärmerseele Wurzel gefasst hatte. Der Gedanke, die Paria-Kaste der russischen Juden, aus der er selbst hervorgegangen ist. durch Ueberfiihrung in das gelobte Land von dem dumpfen Druck, in dem >-s vegetiert, zu erlösen, verlieh ihm auch nach aussen hin Schwungkraft und Energie. Daser einst selbst berufen sein würde, an Ort und Stelle an diesem Werke mitzuarbeiten, davon hat er sich damals wohl noch nichts träumen Tassen. Als aber der Ruf nach Tcrusalem an ihn erging, packte er freudig seine Sieben sachen und zog mit seiner Familie mit Begeisterung von dannen. Die Erfolge der neugegründeten TerusaTemer Schule, sind vor allem anderen seiner Hingabe zu verdanken. Seine Schüler und Schülerinnen rekrutieren saVh fast ausnahmslos aus dem Nachwuchs der aus Russland und Rumänien vertriebenen Juden. Er lebt als Führer tund Vater unter ihnen. Die Schuld betrachtet als ihr nächstes Ziel die Verdrängung der zumeist entsetzlich geschmacklosen Pilger- und Touristen-Andenken durch kunstgewerbliche Kleinarbeiten und die Einführung der Teppichknüpfcrei als Hausindustrie unter den Juden, wobei Schatz versucht, seinen Teppichmustern n a t i o n a 1 - j ü d isches Gepräge zu geben. Das gelingt ihm durch stilisierte Anordnung der geometrischen Formen hebräischer Buchstaben. Kultgeräten und sonstiger Symbole. Die Idee ist natürlich nicht nee. Man denke an die vorderasiatischen Teppiche mit ihren Mo-.( heezeichnungen, an die Perser Erzeugnisse mit ihren stilisierten Geheimzeichen des alten Sonnen- und Tierkults, an türkische und kleinasiatische Teppiche, deren Zeichnungen häufig noch die Formen des griechischen Alphabets erkennen las.en Immerhin können die Versuche von Schatz als arelungen hez'-ichnet werden, zumal da bei ihm das künstlerische Verständni-- mit eitvm soliden technischen Können Hand in Hand geht. Schatz selbst ist von dem St hüh-rmat. rial. das ihm zur Verfügung steht, hochbefriedi'^;. und hebt immer wieder die IVe-ahnnr un.1 Ans»rMürk«-it - -hier Z.">ü"linee hervor. Tntsäch- )>•■- .-in«» -i-irke I;e,w'-'e- B'-'-abm.g \ -reint mit manueller c. 1,;. 1 -i. >,!-..;. .»..., .....!,<•• T-sd-n nichts Sel- „ e i . 1.: :. e..n,;n PjinqtÜT-. wird Die getreten.!)• - F : :-e;, •■ der Totenmaske der Verstorbönen. : ' - . ■ . . ,!■ . - , ■ . . - :s ui: I .V -: cen der Rothücl;ildsche Jcckey und 1 rainer Husch, der ja eben-

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