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Neue Nationalzeitung · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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„Neue National-Zeitung" Nr. 14. SeiU 6. falls das Kind solcher russischer Emigranten ist. Die Anpassungsfähigkeit der Kasse wird hier zum Kulturfaktor und zum Befreier brachliegender und gefesselter Kräfte. („F. zr) IRpRRSSPONDeNZgN ©csterreich-tlfiäa™. Ein deutsches Uni versitäts-Studentenheim. ( Joden, die Tat eben zo!) Wien, den 30. März. (Örig.-Korrj In diesem Kaiserjubiläumsjahrc wimmelt es in den Blättern von Aufrufen und Appellen an die Mildtätigkeit und den Patriotismus der Bevölkerung. Merkwürdigerweise findet man solche Aufrufe nur selten in den klerikalen und antisemitischen Blättern; desto häufiger und /ahlreicher in den sogenannten ..Judenblättern". Diic klerikale und antisemitische Presse sammelt wohl auch, nützt das Jubiläumsjahr ebenfalls weidlich aus. aber sie tut es im Stillen und zur Stärkung ihrer eigenen Fonds, zur Kräftigungder Mittel für ihre Propaganda gegen - die Juden. Allerdings nur für die offene antisemitische Propaganda. Für die Errichtung ,,deutscher Kulturstätten". erfahrungsgemäss die üppigsten Brutstätten des Antisemitismus, braucht sich die klerikal-antisemitische Presse nicht selbst abzunützen, dazu ist die ..Judenpresse" und ihr niemals alle werdender jüdischer Leserkreis da. Der allerjüngste Gimpelfang im Wege der von luden gelesenen und gehaltenen Presse ist ein ..Aufruf zur Begründung einer Stiftung für ein deutsches (^üversitäts-Studentenheim in Wien", dem die ,,Neuc Freie Presse" schon einige Spalten gewidmet hat. Der Aufruf unterscheidet sich durch nichts von den üblichen Appellen an die- Tasche der Juden. Fr trieft von Liebe und Milde, vermeidet jedes anstössige Wort, das empfindliche Gemüter irgendwie verletzen könnte, um schliesslich von den Juden, wie etwas Selbstverständliches, Beiträge für eine Millionenstiftung zur Errichtung" eines deutschen Studentenheims in Wien zu verlangen. Auch die Namensliste der Unterzeichner bringt keine Abweichung von den gewohnten Aufrufern". Man sieht sie alle schön beisammen, die alten Säulen der zusammengebrochenen liberalen Partei, den katholis< hen Feudaladel und den getauften Professor R e d 1 i c h und so mitten drin im Gewühle von klingenden Namen von P e r s ö n 1 i c h k e i t e n recht anmutig nebeneinander den Präsidenten des ..Schulvereincs" Dr. Gustav Gross und - Gebrüder Gutniann, Grosshändler. Also nicht die Persönlichkeit David Ritter von Gutmann, wie sagen wir Tiermann Brass, Grossindustrieller, Mitglied des Herrenhauses (Deutschnationaler), sondern einfach: Gebrüder Gutmann, Grosshändler. Die jüdische Geldfirma als Köder für jüdische Spender. Es wird sich ja zeigen, wie teuer die ..Gebrüder Gutmann, Grosshändler" die Ehre zu bezahlen haben werden, als einzige jüdische Firma unter so vielen Namen erscheinen zu dürfen. Was, zum Kuckuck, haben die Gebrüder G u tm a n n, Grosshändler, bei der Gründung eines d e u tschen Studentenheims zu suchen und auf d;ese Weise unerfahrene jüdische Leser glaubein zu machen, dass es sich um eine Anstalt handle, die von Juden unterstützt werden soll? Haben denn die Gebrüder Gut mann es noch immer nicht weg, dass sie nur so lange für Deutsche genommen werden, als es sich darum handelt, dass sie Tausende hergeben und weitere Tausende von ihren Glaubensgenossen" geholt werden sollen, dass aber später, wenn einmal mit jüdischem Gelde die Millionen beisammen und das deutsche Studentenheim errichtet sein wird, jedem armen jüdischen Studenten, der an die Türe des Heimes pochen sollte, (ler Fintritt verweigert werden wird, weil er Jude und nicht Deutscher ist? Warum haben die Gebrüder Gut mann, ehe sie ihre Firmazeichnung und ihr Geld für ein deutsches Studentenheim hergegeben, sich nicht erst erkundigt, wie es in dem unter der Leitung des Klerikalen Dr. Kaspar Schwarz stehenden Studentenheime in der Porzellangasse zugeht? Sie hätten da erfahren können, dass Juden aus diesem Studentenheim von Vorneherein ausgeschlossen sind, und die Erfahrung hätte sie lehren müssen, dass es in dem deutschen Studentenheime nicht anders sein wird. Wenn die Gebrüder G u t m a n n das Herzensbedürfnis haben, armen Studenten zu helfen : das grosse Elend unserer jüdischen Studenten bietet ihnen ausgiebige Gelegenheit dazu. Was von den armen deutschen Studenten erzählt wird, es trifft bei den armen jüdisc hen Studenten in erhöhtem Masse zu. Der arme jüdische Student, besonders wenn er das Malheur hat, aus G a 1 i z i e n zu kommen, muss sich hier unter den unsäglic hsten materiellen Verhältnissen durcharbeiten, um oft, ein körperlich gebrochener Mann, das Ziel seiner entbehrungsreichen studentischen Laufbahn zu erreichen. Selbst von jüdischen Eltern als Stundengeber boykottiert, den Wohnungsgebern ,,unerwünscht" oder im besten Falle von ihnen ausgebeutet, irrt er hilflos und ratlos durch die Semester, auf sich und sein unauslöschliches Volksbewusstscin bauend und mit Bitterkeit zusehend, wie deutsche Studenten von den Gebrüdern 111 m :i n n und ihren Gleichgesinnten gehegt und gepflegt werden. Hier. Gebrüder G u t m a n n. Grosshändler, gibt es zu helfen, viel zu helfen! Diese armen jüdischen Studenten gilt es jetzt zu fördern, auf dass sie widerstandsfähig we rden im Kampfe, den ihnen jene deutschen Studenten aufbürden, für welche Sie jetzt ein wohnliches Heini errichten helfen! Die ..Gebrüder Gut manu, Grosshändler" ist die einzige jüdische Firma auf dem Aufrufe für die Errichtung eines deutschen Studentenheimes. Mehr hätte die Gesellschaft illustrer Persönlichkeiten unter sich nicht vertragen. Die Juden müssen wissen, dass es ihre Pflicht ist, dieser Aktion fernzubleiben. Sie dürfen nicht eine Anstalt fördern, die für eine Jugend bestimmt ist. die zu Kämpfern gegen das Judentum erzogen wird. Den jüdischen Studenten m uss ei n He i m ge s c h a f f e n w erden! Wie wir erfahren, wird die Errichtung einer grossen Stiftung zu diesem Zwecke von priv iter jüdischer Seite geplant. Juden, sparet Euere Heller für jüdische Zwecke, deren es so viele gibt, und wenn Ihr Studenten helfen wollt, so helfet E u e r e n Studenten, die das Studentenelend zehnfach mehr zu spüren haben, als der Student jeder anderen Nationalität. Und wenn Euch der Aufruf des Aktionskomitees mitsamt den ,,(icbrüdern G u t m a n n , Grosshändler", zugeschickt wird: Juden, die Taschen zu! Ben Abi.

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