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Neue Nationalzeitung · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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„Neue National-Zei'ttmg" Seife H. tir. U. Baron Kolisch, an der Wiener Börse ebenso erfolgreich wie über dem Schachbrett, /.uckertort einer der glänzendsten Sterne am Schachfirmament, ausserdem noch: Rosenthal, der polnische Flüchtling, der nach Paris fliehend, dort vom Schach seinen Lebensunterhalt bestritt, nach weniger als Jahresfrist bei einem Turnier den ersten l'reis gewann, später den (Viele des Echecs in der französischen Hauptstadt -rundete, und als der Schach-« "hampion Frankreichs anerkannt wurde; Max Weiss, der l'ngar. dessen Partie mit Ts« higorin bei dem Xru-Vorker Turnier im Jahre lNSw uncntscliteden blieb, nachdem er Zukertort bereits zweimal geschlagen, und Steinitz sich zurückgezogen hatte; Mieses aus Leipzig, anscheinend der be rufenste lebende Schachprohlemldser, welcher den (. l'reis bei dem Wiener Turnier im vergangenen Jänner gewann, indem er sowohl Maroe/y als mirli Schlechter sehlug: J a n o w s k ,. der gegenwärtige französische Champion, Schlechter, der (Goliath, und die beiden Weltchampions: der verstorbene Wilhelm S t e i n i t z und Dr. F.manuel 1. a s k e r. der gegenwärtige Inhaber des Ittels. Einige Worte über die europäischen Champions Kail Schlechter (1874 in W ien geboren' nimmt seit 1N04 an int -r nationalen Turnieren teil. Im lahre igoci kämpfte er mit Pillsbury und Maro« z\ um die erste Stelle, und seither war er jedes Jahr unter den Preisgewinnern. Im f.ihre \')(M> gewann er in Ostends den ersten Preis, wobei er so hervorragende Partner wie Maroczy, Janowski. Plaekburne. Marshall und Tschigorin besiegte. Ein wenig zart gebaut und mit zurückhaltend 'n Manieren. hat er in seinem Ausseren sehr wenig. was darauf hinweisen würde, dass er so viele Requisiten für die höchste Schachkunst besitzt. Seinen einzigen Fehler bildet eine zu grosse Vorliebe für unenisehiedene Spiele. Frankreich hat einen strammen Champion in David f anowski (1868 in Russisch-Polen geboren;. Er lernte schon in frühester Kindheit das Schachspielen, und als er im Jahre iKiSo nach Paris übersiedelte, trat er bald in den Vordergrund, der Schachwclt. Im Jahre i<Si><; kämpfte er beim Londoner Turnier mit dem amerikanisc hen Champion Pillsbury um den zweiten Preis, doch im Jahre 1904 wurde er von Marshall besiegt. Er ist ein flotter Spieler und kämpft bis zum aiissersten. Heim Hastings-Turnier im Jahre 1880 schlug er sowohl Tehi gorin als auch Steinitz. Deutschlands Champion, Siegbert Tai rasch n.S'02 in Breslau geboren) bildet ein Kapitel für sich. Er gewann den Titel eines Schachmeisters in Nürnberg 1884 und war seitdem kontinuierlich vor der Sehachöffentlichkeit. Heute ist er eirunder stärksten Schachspieler, und die Schachwelt wäre begierig, eine Partie zwischen ihm und dem Weltehampion Lasker zu sehen. In drei aufeinanderfolgenden internationalen Turnieren 18S9, 1800, iS<>2, gewann er den ersten Preis und verlor nur ein Spiel in allen drei Kämpfen. Er ist gegenwärtig ausübender Arzt in Nürnberg, ein Mann um hoher Intelligenz und einnehmenden Manieren. Wie Schlei hier ist auch er ein Schachautor ersten Ranges. (Schills* folgt.'. An unsere P. T. Abonnenten: Am 1. April 1. J. hat ein neues Quartal begonnen. Wir bitten um Zusendung der Pränumerationsgebühr. Die A d minist r a t io n. ©er flilfsfordn cIcf deutschen Uudei). (Jahresbericht.) Berlin, Ende März. Sonntag, den 29. März ]. )., nachmittagsf 4;und 5 I hr, fanden unter dem Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des Zentralkomitees und die Generalversammlung des ^Hilfsvereins der deutschen Juden" statt. Beide Versammlungen hatten sich eines lebhaften Zuspruches auch seitens auswärtiger Mitglieder zu erfreuen. In der Sitzung des Zentralkomitees wurde über den Geschäftsbericht beraten: derselbe fand die Billigung der Anwesenden. Mit lebhafter Befriedigung wurde zur Kenntnis genommen, dass der Verein in ständigem starken Fortschreiten begriffen sei, und wie in Deutschland auch im Auslande sich grösster Sympathien und tatkräftiger Förderung zu erfreuen habe. Finen besonders tiefen Eindruck, der sich in lebhaftem Beifall kundgab, rief die Mitteilung des Herrn Simon hervor, dass die Familie des verstorbenen Herrn \\'<->lf Wissotzky in Moskau durch den Sohn des Verewigten, Herrn David Wissotzky. dem Hilfsverein der deutschen fuden eine Stiftung von ein Vierte! Million Francs mit der Bestimmung überwiesen hat, technische Mittelschulen im Orient zu begründen. Fs wurde alsdann die statutenmässige Auslosung eines Drittels der Mitglieder des Zentralkomitees und die Kooptation netter Mitglieder in das Zentralkomitee und den geschäftsführenden Au>sehuss vorgenommen. In das Zentralkomitee wurden die Herren Geh. Kommeizienrat Goppel (Solingen), Rechtsanwalt (1 u g g e n h e i m e r (Offenbach), Rabbiner Dr. K alischer (Boniu, Apotheker Muhr (Breslau) gewählt. An Stelle des verstorbenen Verbandsmitglicdes des geschäftsführenden Ausschusses, des um den Hilfsverein hochverdienten Stadtrat Magnus (Königsberg i. Vr.\ wurde Herr Direktor George Ma rx (Königsberg) in den Ausschtiss berufen. Das Andenken des Herrn Stadtrat Magnus, wie der verstorbenen Mitglieder des Zentralkomitees ehrte die Versammlung durch Erheben von den Plätzen. An die Sitzung des Zentralkomitees schloss sich die ordentliche Mitgliederversammlung. Herr Simon gab einen Bericht über die Entwicklung des Hilfsvereins im verflossenen fahre. Die Organisation ist nach verschiedenen Richtungen hin ausgebaut worden; die .Ausbreitung des Vereines in allen Teilen des Reiches hat einen weiteren erfreulichen Fortgang genommen. Mit grossem Beifall nahm auch die Mitgliederversammlung die Mitteilung entgegen, dass durch die Stiftung der Familie Wissotzky in Höhe von 0,25 Millionen Francs die Bestrebungen des Hilfs\ creins, die auf die Ausbreitung von Bildung und Kultur im Orient gerichtet sind, eine ausserordentliche Förderung erfahren haben. Fferr Simon sprach namens des geschäftsführenden .Ausschusses dei Mitarbeitern und Förderern des Hilfsvereins, im In- und Auslande, den wärmsten Dank aus. Herr Dr. Nathan gab darauf in grossen Zügen einen LTeberblick über die Hilfstätigkeit des Vereins: das Hilfswerk für die Juden des Ostens und Orients, die tinter wirtschaftlicher Kalamität und

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