Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 13. vollen 'Gebäudes ist der bekannte Philantrop Herr Moritz Lazarus, der gewesene Direktor der galizischen Hypothekenbank, welcher seit einigen Jahren Eigentümer des dem Städtchen Nowemiasto nahegelegenen Gutes Grabowice ist. Moritz Lazarus gehört zu jenen edlen Naturen, deren jüdisches Herz von Liebe zu ihren Glaubensgenossen erfüllt ist. Die jüdische Kultus-Gemeinde seiner Vaterstadt Lemberg, deren Repräsentanz er seit mehr als drei Dezennien angehört, deren Präsident er eine Zeit lang war und zu deren kultereilen und fortschrittlichen Entwicklung er das Wesentlichste beigetragen hat, ist ihm zu grosser Dankbarkeit verpflichtet. Zur Zeit des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums unseres glorreichen Monarchen errichtete er aus seinen eigenen Mitteln für das jüdische Spital in Lemberg, mit einem Kostenaufwande von mehr als einer halben Million Kronen, einen monumentalen Prachtbau, welcher zu den Zierden der Hauptstadt gehört. Jetzt, zum sechzigjährigen Kaiserjubiläum erfuhr die kleine jüdische Kultus-Gemeinde von Nowemiasto die Wohltat seiner patriotischen Munifizenz und er befreite sie mit dieser edlen Tat aus einer wahren (Notlage. Die Jahrhunderte alte Synagoge des Ortes war infolge ihres Alters morsch und baufällig geworden und der drohenden Gefahr wegen vor einem Jahre behördlich geschlossen. Nun konnte eine so kleine Kultus-Gemeinde nicht einmal daran denken, aus ihren eigenen beschränkten Mitteln eine neue Synagoge aufzubauen. Herr Lazarus hat sich daher selbst dazu entschlossen und er hat dadurch seinen Namen in den Annalen dieses Städtebens verewigt. Er wurde daher mit grossem Jubel empfangen, als er an der Seite seiner Gemahlin und in Begleitung des Lemberger israelitischen Spitalrates, dessen langjähri - ger Obmann er ist, in Nowemiasto zur Einweihung der Synagoge ankam. Eine vieltausendköpfige aus den benachbarten Städten zusammengeströmte Menschenmenge erwartete ihn am Bahnhofe und begleitete ihn unter Hochrufen in die Synagoge, wo der Einweihungs-Gottesdio'.ist abgehalten wurde. Herr Spitalsrat L. Wolf Kurzer unterzog sich der ehrenvollen Aufgabe, in einer stimmungsvollen Rede die Weihe dieses Tages zu schildern und dem edlen Spender unter allgemeiner Ergriffenheit zu danken. \ In dieser traurigen Zeit, wo unsere „Obersten Zehntausend" ihr Geld nur dazu verwenden, um sich den Adel oder Mandate zu kaufen oder sonst ihre Eitelkeit zu befriedigen, muss umsomehr eines Mannes gedacht werden, der in erster Linie an die ideellen Bedürfnisse des jüdischen Volkes denkt. Das jüdische Waisenhaus. Czernowitz. Der dritte Jahresbericht über das Wirken und die gedeihliche Entwicklung dieser so ausserordentlich humanen Institution liegt vor. Im Jahre 1907 waren 56 Waisen, und zwar 31 männliche und 25 weibliche in der Anstalt untergebracht, während 5 Waisen ausserhalb der Anstalt erzogen und verpflegt wurden. Mit Schluss des Jahres 1906 befanden sich 43 Zöglinge im Hause, im Laufe des Jahres 1907 haben 2 Kind r die Anstalt verlassen. 1 Waisenkind wurde entlassen und 2 Waisenkinder sind in Privatpflege übergeben worden. Im Ganzen sind 13 Kinder neu aufgenommen worden, so dass sich die Zahl der Zöglinge derzeit auf 51 beläuft. Von diesen Zöglingen sind 45;ius Czernowitz und 16 aus versohtedenen Gemeinden der Bukowina. Ve-n den 56 im Hause untergebracht gewesenen Zöglingen besuchten 52 die Volksschule, 2 die Handelsschule, / das Gymnasium und 1 die Realschule. Von den in Privatpflege befindlichen Zöglingen besucht 1 die Volksschule. 1 die Handelsschule, 1 ist bei einem Mechaniker, r bei einer Schneiderin in der Lehre. 1 Zögling wird als S ä n g e r i n, ausgebildet. Der Kassagebarung pro 1907 entnehmen wir: Einnahmen von 41.160,94 K standen Ausgaben in der Höhe von 40.754,60 K gegenüber. Im Berichtsjahre wurden für das Waisenhaus 11.282,38 K gespendet. ' Ein grosses Verdienst an der gedeihlichen Tätigkeit des Waisenhauses ist unserem Kultu.sprä.ses Dr. Strauch er zuzuschreiben, welcher von seiner Zeit sehr viel dem Waisen hause opfert. Deutsches Reich. Ans Marokko» Berlin. Aus Casablanca wird geschrieben: Eine kleine Gruppe von 10 Familien, bestehend aus 36 Personen, ist heute morgen aus dem Gebiet von Mdakra angekomm Sie wohnten und lebten in dieser Gegend in Frieden mit den Arabern. Aber da das Land von einem Ende zum anderen durch den Krieg verwüstet ist, haben sie sich entschlossen, nach Casablanca zu kommen, wo - wie man ihnen gesagt hatte, die Israeliten gut aufgenommen wurden. Wir haben diese Unglücklichen aufgenommen un;d werden ihnen dieselbe Fürsorge angedeihen lassen, wie unseren Glaubensgenossen von Mzab. Is. Pisa. Casablanca, 8. März 1908. In der vergangenen Woche haben wir täglich 3 bis 4 aus Mzab kommende israelitische Familien, zusammen 100 Personen aufgenommen, wodurch die Gesamtzahl auf 220 gebracht worden ist. Sie kommen in demselben bedauernswerten Zustand, wie ich ihn manches Mal geschildert habe, aus einer unwirtlich gewordenen Gegend, ihre Habe auf dem Rücken tragend. Sie 'werden auf Kosten der Alliance ernährt und untergebracht und wir verteilen sie in Gruppen von 5, 6 Familien in der Stadt. 1 [ Seit einigen Tagen geht dieser Einwanderungsstrom überhaupt nicht mehr zurück. Das beweist, dass ein wahrer Auszug vom Lande nach der Küste begonnen hat. Ich weiss nicht, ob unsere Glaubensgenossen sich in die anderen Häfen geflüchtet haben, aber der grösste Teil kommt hierher, angezogen durch die ^Sicherheit, dass sie gut empfangen werden. Das Schaujagebiet ist durch Krieg und Feuersbrünste von Casablanca bis zu dem Wald von Arrar, der es im Osten begrenzt, vollständig verwüstet. Alle Israeliten, die sich hier befanden, sind zum Teil nach der Küste geflüchtet, zum Teil in das Innere, wo zahlreiche kleine Siedelungen kümmerlich ihr Leben fristen. In der Regel zeigen diese Siedelungen immer die gleiche Zusammensetzung: zwei oder drei Notable und ein Haufen armer Leute. Is. Pisa. Das Zentral-Komitee in Paris hat nach Mekues (Marokko), wo die Lage unserer Glaubensgenossen als äusserst misslich dargestellt wird, 2000 Francs telegraphisch überwiesen. Der Brand im Ghetto von Konstantinopel. Berlin. Der Telegraph hat bereits die Nachricht von dem grossen Brande am vergangenen Freitag in der Vorstadt H a s k ö i von Konstantinopel ge - bracht. Auf Grund von Nachrichten, die der Hilfsverein der deutschen Juden erhalten hat, kam das Feuer um 1 Uhr mittags in einem Spezereigeschäft in der Naftalistrasse zum Ausbruch. Im Nu stand das ganze Viertel, das überwiegend aus Holzhäusern besteht, in Flammen, so dass die Feuerwehr von Has-