Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. „Neue National-Zeitung" Seite 5. ihrer Zukunft bedeutet. Ueber polizeilichen Auftrag wurde weiteren Mitgliedern kein Einlass gewährt und dieselben mussten fortgehen, wäre aber Sache des Vorstandes gewesen, für die 4000 Vereins-Mitglieder ein grösseres Versammlungslokal zu mieten. In der Versammlung herrschte eine grosse Aufregung. Die meisten Mitglieder haben ausder „Neuen National-Zeitung" voti: der Misswirtschaft Kenntnis erlangt und kamen her,. um derselben ein Ende zu bereiten. Die l ngeschidclichkeit des Vorsitzenden, der sofort die Situation überblickte, und seine provokatorische Art, die dispositionellen Redner zu unterbrechen, hatten die Versammelten aufs höchste gereizt. Es herrschte im Saale ein ungeheurer Tumult und es bedurfte des mehrfachen sehr energischen Eingreifens des Vize-Präses Süss, um die Ruhe wieder herzustellen. Sämtliche Redner stimmten darin überein, dass Unregelmässigkeiten vorgekommen sind, wenn auch einige aus Prag erschienenen Mitglieder dies auf Unerfahrenheit zurückführen wollten. Es kam dabei zum Ausdrucke, dass TnehYf ache Ziffern des Rechenschaftsberichtes ziemlich ver - schieiert sind und dass die bisher verausgabten Spesen geradezu horrend waren. Speziell Vize-Präsident Süss hielt dem Vorstand das ganze Sünden-Register vor. Vereinsmitglied Dukes wärf dem Ausschusse vor, dass er seiner Aufgabe in keiner Weise gewachsen sei, dass die Vorstandsmitglieder ihren Verwandten zu vorteilhaften Stellungen und gut dotierten Stellen im Vereine verhelfen hatten, dass sie sich als Akquisiteure zur Anwerbung von unterstützenden Mitgliedern für diese Leistung sehr splendid auf Vereinskosten entlohnen Hessen, so dass 50 Prozent der Unterstützungsbeiträge auf diese Weise dem eigentlichen Vereinszwecke entzogen worden seien. Auch in dem Umstände, dass die Kosten einer Reise nach Prag, welche der Gründung des dortigen Zweigvereines galt, aus Vereinsmitteln allzu freigebig (500 K!) gedeckt worden seien, erblickte Redner einen Grund zum Misstrauen gegen den Vereinsvorstand und er forderte den Ausschuss auf, sich gegen diese und ähnliche Vorwürfe zu rechtfertigen. Als nun zum Schlüsse der Debatte der Revisor Schwarz das Wort ergreifen wollte, um das Gebaren des Vorstandes zu verteidigen, lehnte es die Versammlung ab, ihn zu hören. Diesen Vorwand benützte der Vorsitzende Gelber, um die Versammlung „aufzu'osen". Dieser Ausdruck war falsch, da der Vorsitzende die Versammlung nur schliessen kann, aber auch dazu müssen genügende Gründe vorhanden sein. Die diesmalige Schliessung machte den Eindruck eines Gewaltmittels, mit dem sich Gelber und Genossen ihre Mandate noch für eine Zeit verlängern wollten. Der Versammlung wohnte kein Regierungsvertreter bei. Doch war ein grosses Wache-Aufgebot unter Leitung eines Ober-Kommissärs in Bereit - schaft. Dieses erschien nun und räumte den Saal, Der Ober-Kommissär forderte die Wachmänner hiezu mit dem Worte auf: „Antauchen!" Die Polizei — amtiert. Im privaten Leben gilt es als Pflicht eines Mannes, Frauen gegenüber Takt zu bewahren. Diese Regel gilt aber für Herrn Ober-Kommissär Gutschreiter nicht. Er hielt es nicht der Mühe wert, als er über Aufforderung eines Gelber nebst Wache im Saale erschien, die anwesenden Mädchen und Frauen zuerst zum ruhigen Verlassen des Saales aufzufordern. Als ob es sich darum handeln würde, eine Horde gefährlicher Staatsverbrecher auseinanderzujagen, so liess er die Wache auf das Publikum los. Für die Zukunft möchten wir doch den Herrn Bezirksleiter des 2. Bezirkes ersuchen, bei der Wahl seiner Abgeordneten etwas weniger auf „Reschheit" zu sehen. Sonst aber scheint das Vereins-Bureau der Polizei-Direktion die Angelegenheit dieses Vereines sehr zu unterschätzen. Wohl wird der Fall studiert und Herr Polizeirat Freund ist peinlich bemüht, den Rahmen des VereinsgeseV.es keineswegs zu verlassen. Aber weiss denn die Polizei, der ja alle Behelfe zur Verfügung stehen, nichts von den privaten Verhältnissen und der Vergangenheit einzelner Vorstands- Mitglieder? Und wenn eines Tages die 25.000 Kronen verschwunden sein sollten! Wer wird den Tausenden armer Leute diesen Verlust ersetzen? Ein Kompromisse Der Vereinsvorstand hat sich an die Opposition wegen eines Kompromisses gewendet. In einer am 24. d. M. im Restaurant Schwarz stattgefundenen Besprechung wurde beschlossen, prinzipiell die Verhandlungen aufzunehmen. Die einzelnen Punkte des Kompromisses müssten jedoch früher in einer Versammlung der Opposition beschlossen werden. Allgemein wurde die Ansicht ausgesprochen, dass ein Kompromis nur dann geschlossen werden könnte, wenn Herr Gelber seine Stelle als Präsident niederlegt und das Vereins vermögen bei einem Notar deponiert. VS olksWirtschaft. J. GROBTUCH: Pas Kreditwesen Ii) (Saliaiem Es wurde schon viel darüber geschrieben und noch mehr in Versammlungen, ja in jüngster Zeit sogar auch im Parlamente (Dringlichkeitsantrag Dr. Gross) gesprochen. Leider aber lassen die Erfolge sowohl der Reden wie auch der diversen Zeitungsartikel viel zu lange auf sich warten, und \hat es'beinahe den Anschein, als ob die Wortführer der Reform des galizischen Kreditwesens die Sache selbst nicht mit dem nötigen Ernst verfolgen würden. Nicht mit Dringlichkeitsanträgen oder sonstigen ähnlichen Mitteln kann man dem galizischen kleinen Kaufmann oder Handwerker helfen, sondern durch die sofortige Errichtung einer Zentralgenossenschaft mit dem Hauptsitzc in Lemberg und mit Filialen in allen Städten des Landes. Auf die Staat-