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Neue Nationalzeitung · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Deutsches Reich. Eine jüdische Deputation beim Nejrus. Berlin. Das deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle stellt uns folgenden Bericht v.ur V erfügung: Wie bereits früher mitgeteilt, hat die Alliance Israelite Universelle eine Expedition nach Ahessynien entsendet, die die Lage der dort lebenden Falaschas, eines Yölkerst uvmes jüdischer Abkunft, ihre Sitten etc. erforschen soll. Inzwischen ist Herr Nah um. der Leiter der Expedition, in Abcssynien angelangt und hat eine Audienz bei dem Xegus M en e 1 i k gfehabt. Nach dem soeben eingetroffenen telegraphischen Bericht hat Herr X a h u m dem Xegus zunächst im Namen der Alliance folgende Adresse überreicht: Baris. 27. Dezember \<p-. An Seine .Majestät Kaiser Mcnelik. König der Kö'vge von Aetlii >|>ien. Majestät! Als Vertreter der Juden Furopas und Amerikas!ial)en wir die grosse Fhrc. zu den Küssen d -s Thrones F-tercr Majestät die Versicherung unserer tiefsten Khrei bieumg nieder zulegen, zugleich mit unseren wärmsten Wünschen!'ür das Blühen Aethiopicns und mit unseren inbrünstigsten ("lebeten" für die Gesundheit Euerer Kaiserliehen Majestät und Thier Majestät der Kaiserin. Seit langem wissen wir. dass in Euerer Majestät Reich /ahlreiche 'Falaschas leben, die d rselben Keligi >n wie wjr »ingohören. Eure Majestät, der alle seine 1'ntertanen mit gleichem väterlichen "Wohlwollen beschirmt, erlaubt den Kalaschas, jhre Religion frei auszuüben und gibt ihnen köstlich- Zeichen seiner Kaiserlichen Gunst. Es ist uns Herzensbedürfnis. Elucrer Kaiserlichen Ma jestät für fliesthe> '. liehen Beweise v >n Toleranz und umfassender Menschenliebe tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Wir sind erfüllt von dem \Yuns"h -. die Kaiim has genau kennen zu lernen, zu erfahren, inf >Ige weicher Ereigniss ■ sie in Euerer Majestät Reich Aufnahme gefunden und in welcher sozialen Gliederung und Emanation sie sich daselbst angesiedelt haben. Wir s;nd ferner bestrebt, uns mit ihrer G - schichte während ihrer Vergangenheit und mit der Rolle bekannt zu machen, die sie in der Entwicklung des äthiopischen Kaiserreiches gespielt haben und festzustellen, welche heiligen Bücher ihr religiöses beben beeinflusst haben, endlich, wie sie auf einem von unzähligen Kämpfen erschütterten Boden ihre Religion und Tradition haben bewahren können. Deshalb haben wir unter Leitung des Herrn IIa im Xahuni eine Mission von jungen Gelehrten zusammengestellt, die si' h zu den Falaschas begeben sollen, um an Ort und Stelle diese verschiedenen Fragen zu studieren. Wenn Eure Kaiserliche Majestät die Gnade hätten , unseren Abgesandten Kaiserlichen Schutz zu vergönnen und »J'im n die Reisen und Nachforschungen zu erleichtern, könnten sie die Wissenschaft und die Rcligionsgesehi.hte mit nützlichen Beiträgen bereichern, und Euerer Majestät wird der Ruhm gebühren, ein Problem der Lösung nähergeführt zu haben, das seit langen Jahren die Gelehrten Europas beschäftigt und bis auf diesen Tag ohne befriedigende Erklärung geblieben ist. Vertrauend auf Euerer Majestät Ilerrschersinn und Grossmütigkeit nehmen A\ir uns die Freiheit, für Herrn Xahum und seine Kollegen das Allerhöchste Wohlwollen und den, Kaiserlichen Schutz anzurufen. Euere Kaiserliche Majestät möge den Ausdruck unserer ehrerbietigsten und tiefsten Huldigung allergnädigst genehmigen. Wie weiterhin aus dun telegraphischen Bericht des, Herrn Xahum hervorgeht, konnte sich der Abgesandte der Alliance zu der in feierlichster Form vor sich gehenden, Audienz in Begleitung des hierbei offiziell tätigen französischen Konsuls begeben. Der Xegus schien sehr angenehm überrascht durch die ihm vorgetragene Adresse und durch ein Huldigungsgeschenk, das ihm Herr Xahum zugleich im Namen der Alliance überreicht hat und hat 'gebeten, der Alliance für diese Aufmerksamkeit seinen Dank auszusprechen. In dem sich hieran anknüpfenden Gespräch hat er zugleich in Aussicht gestellt, die erbetenen Schutzbriefe zu erteilen. Somit hat die Sondermission der Alliance ihren ersten schönen Erfolg 'davongetragen, der für eine baldige Zukunft weitere günstige Ergebnisse erhoffen lässt. Die Misrachi>ten gegen die zionistische Parteileitung. Frankfurt, den 15. März:. (Orig.-Korr.) Das hiesige ,.1 s r a e 1 i t i s c h e F a mi 1 i e n b 1 a 11", das ()rgan der M i s r a c bist n (konservative Zionistcn }, veröffentlicht in einem Artikel ..Zionismus — eine Rückkehr zum Judentum" einen sensationellen Angriff gegen den Präsidenten des Aktionskomitees. Y'.m dem Grundsätze ausgehend, dass der ,,Zionismus eine Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland" sein soll, beklagt sich das ' Blatt [darüber, dass in der zionistischen Partei die wichtigsten Gebote des Judentums missachtet werden: „Man ist nati mal. ohne das nationalste Merkmal, die I> e s c h n e i d u n g. \ arzunehmen : man ist national, ohne .den uriiidischeii geheiligten K u h e t a g zu beobachten; man ist national, ohne tituell leben zu wellen; man ist national, ohne sich verpflichtet zu fühlen, seinen Kindern Hebräisch, die nationale Sprache, beizubringen; und während alle Nationen, die auf ihrem eigenen B :den sitzen und ein natürliches nationales Dasein führen, die Bc >bachlung der unsinnigsten nationalen Traue];; ab selbstverständlich ansehen, setzt sich der jüdische Nationalist, der auf fremdem I'od n lebt und beständig der Gefahr des Aul'geh -ns im gr -ssen und gewaltigen Strome des ihn ' umgebenden andersgearteten Lebens ausgesetzt ist. über die wichtigsten nationalen Bräuche leichten Herzens hinweg. l'nd was noch schlimmer ist, diese Inkonsequenz erstreckt sich nicht nur auf die einzelnen Zionisten, sondern reicht bis zur Leitung hinauf; > > brachte man es fertig, in den II u r ,. a u s d e s N a t iona! f .» n d s und der „\Y e 1 t" am S a m s t a g z u a r b e i t e n. und es bedurfte erst der Proteste-, um diesen Misstand zu beseitigen." Darauf richtete Herr David \Y o 1 f f s o h n an das ..Familicnblatt" nachstehende Zuschrift: ..Die .Sabbatangelegenheit ist in jeder Hinsicht übertrieben worden. Die Bureaus waren immer offiziell geschlossen- Als ich darauf aufmerksam gemacht w male, dass in einigen Abteilungen diese Vorschrift nicht ganz streng innegehalten wurde, habe ich bestimmt, dass v >n jetzt ab sämtliche Bureaus von Freitag-Abend ab so streng geschlossen sein sollen, dass auch nicht jüdisches Personal am Sabbat die Bureaus nicht betreten kann. Sämtliche Abteilungen der Kölner Bureaus sind also an Sabbat und Feiertagen strengstens geschlossen." n. A n m e r k u n g d e r R e d a k t i o n. Ist es aber "Herrn Wo] ff söhn bekannt, dass in dem Wiener Bureau des jüdischen X ationalfondcs am Samstag ganz flott gearbeitet wird? Wäre es denn nicht möglich, diesen jüdischen Beamten am Samstag einen Ruhetag zu gewahren?'. . . Russland. Der Fall Widerschall. (Von Franja Widerschall selbst erzählt). Warschau, den 14. März. (Orig.-Korr.) Der Fall der fünfzehnjährigen Franja WidcrsclnlL die von Klosterschvvesteni il ren Eltern geraubt und

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