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Neue Nationalzeitung · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seit« 6. „Neue National-Zeitung" Nr. 12. bereit wäre, in dieser Schule der bösen Bubejn" Ordnung zu machen. Und charakteristisch für die hiesigen Zustände ist es mich, dass hier allen Ernstes das Projekt 1-meiert wurde, an die Spitze der westösterreichischen Zionisten einen Zionistenführer — aus Galizien. also einen östlichen Bruder" zu berufen. Und nur in einem solchen Milieu konnten Beschlüsse und Resolutionen ..einstimmig" gefasst werden, wie sie der letzte ,,Distriktstag" gefasst hat. Nur knabenhafter Grössenwah.n konnte ihre kleinen Persönchen mit dem Zionismus als Bewegung verwechseln, indem sie ein Blatt, dessen Ehrgeiz darin besteht, dem Ueberwuchem jugendlicher l Zerfahrenheit in der Leitung einer ernsten Bewegung ..schädlich" zu werden, als schädlich für die zionistische Organisation" hinstellen. Nur im Alter politischer Pubertät ist man solcher unnatürlicher Seitensprünge fähig, wie sie von diesen verzogenen, verhätschelten jungen Menschen in jüngster Zeit gewagt wurden. Einen klassischen Beleg für die alte politische Regel, dass politische Unreife mit dem Mangel an politischem Unabhängigkcitsgefühl verbunden ist, bot die Debatte über, die Hilsner-Affaire. Die .,Oesterreichisch-israelitische Union", beziehungsweise deren Sekretär Herr Fleischer haben die HilsnerSache von jeher als ihr Monopol betrachtet, das sie Jahre lang ungestört, aber auch ohne Erfolg geübt haben. Die Aktion des Dr. Friedrich El bogen um die Begnadigung Hilsncrs ist also diesen Herren unbequem. Und siehe da, Herr Fleischer junior, neunz e h n Jahre alt und Delegierter im Distriktstage (!'). findet, dass ,,die riesige Agitation für die Begnadigungspetition nicht die Form ist, Gnadengesuche einzureichen, und dass die Aktion reklamehaft aussehe." Schau, schau! Aber der Wahrheit die Ehre! Diese in jugendlichem Eifer hingeworfenen Worte fanden bald eine Zurechtweisung. N. Gross, der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei „Poalei-Zion", der sich sein Brod als Stenograph in der Kanzlei dieses von Jang-Fleischer so putzig abgekanzelten Dr. Elbogen ehrlich verdient, ,,warnt, in dieser heiklen Frage geg••n den Strom zu schwimmen, man soll sich zu den R ichmonesgefühlen der jüdischen Bevölkerung nicht in Widerspruch setzen." Wie doch das praktische Leben die beissendsten Satyren zu erzeugen vermag! Der 19jährige Herr Fleischer, Delegierter im Distriktstagc, wird hartherzig und bekämpft die Reklame für Hilsner, und der intransigente Sozi ilistenkämpe empfindet Rachmones mit dem „Rachmonesgefühl der jüdischen Bevölkerung"! Und die Auffassung Fleischers ist durchgedrungen, allerdings gemildert durch den Zusatz, dass zu der Elbogen-Versammlung kein zionistischer Redner entsendet werde . . Soll man noch über die Wahlen ein Wort verlieren? Wozu? „Pariuntnr schmonzes . . . was kann da herauskommen?" — sagte einmal ein gebildet sein wollender Kaijüngling. Der Distriktstag war nichts als eine verfrühte Purimpof-se. Wer sie ernster zu nehmen Lust hat, mag es höchstens beklagen, dass das Prophetenwort wahr geworden: „Und Knaben werden befehlen und Jünglinge herrschen . . ." Aber er kann sich gleichzeitig damit trösten, dass die Idee, welche der jüdischnationaien Bewegung zugrunde liegt, viel zu mächtig ist, als dass sie, ein Spielzeug in Händen von Kindern, zerbrochen werden könnte. E. Psilon. Eine Klage gegen die „«Jüdische Kettling". Der Herausgeber der ,,Neue National-Zeitung", Hof- und Gerichtsadvokat Dr. S. R. Landau, hat am 14. d. M. beim k. k. Wiener Landesgerichte in Strafsachen die Klage wegen Vergehens der Ehrenbeleidigung gegen die ,,Jüdische Zeitung" überreicht. Gleichzeitig wände auch die Konfiskation des Blattes, sowie Uie Hausdurchsuchung in der Redaktion behufs Ausfindigmachung des Originalmanuscriptes von der Ratskammer bewilligt. Zu diesem Vorgehen hat sich Dr. S. R. Land a u dadurch veranlasst gesehen, dass die „Jüdische Zeitung" endlich mit bestimmten, konkreten Beschuldigungen auftritt, während sie ihn bisher nur in allgemeiner, gerichtlich nicht fassbarer Form verdächtigte. Diese Beschuldigungen gehen' dahin, dass Dr. Landau die zionistische Bewegung in antizionistischen Blättern gegen Bezahlung angegriffen hat. Dr. Landau will durch seine Klage der .Jüdischen Zeitung" Gelegenheit geben, ihre Beschuldigungen vor Gericht zu beweisen. Da jedoch der Artikel anonym veröffentlicht wurde, als verantwortlicher Redakteur der ,,Jüdischen Zeitung" seit 14 Tagen nicht mehr ihr Herausgeber, sondern ein junger Student der Rechte, Namens Alexander Geller, der die Administration besorgt, zeichnet, und schliesslich anlässlich der Hausdurchsuchung im'Redaktionslokal der „Jüdischen Zeitung" das Mahuscript nicht gefunden wurde, musste die Klage gegen diesen Strohmann überreicht werden. Dr. Landau hat nun die Herren dort, wo er sie haben wollte — vor dem Schwurgericht. Es wird sich zeigen, ob sie bloss den Mut haben, anonym zu verleumden, und einen armen Studenten als Sündenbock preiszugeben, oder ob sie auch selbst mit offenem Visir vor die Schranken des Schwurgerichtes treten werden. Das Handwerk des Vcrleumdens wird ihnen für jeden Fall gelegt werden. Die Redaktion. §»prechsaal. Die Kultusbeamten und der deutsch-demokratische Verein. Geehrter Herr K r d a ktcur! Ks ist allgemein bekannt, dass die Funktionen eines .Sekretärs des Deutsch-Demokratischen Vereines von einem Beamten der Wiener Kultusgemeinde versehen werden. Dagegen haben wir nichts. Ks ist aber weniger bekannt, dass flieser Sekretär. Herr K., jüngst einen mehrwöchentlichen l'rlaub beklommen hat. welchen er nunmehr zu agitatorischen Diensten im Interesse des Deutsch Demokratischen Vereines verwendet. Dagegen hätten wir auch nichts Aber — gleiches Recht für Alle! Darf sich Herr K. politisch betätigen, warum auch nicht andere Kultusbeamter . . . Darf Herr K. politische Dienste dem Deutsch-Demokratischen Vereine leisten, warum sollen sich nicht andere Kultusbeamte für die jüdisch-nationale Bewegung betätigen dürfen! Der Deutsch- Demokratische Verein hat doch kein ausschliessliches Privi - legium. und es ist unerklärlich, warum ihm dieses Privilegium seitens der Israelitischen Kultusgemcinde eingeräumt wird. Was wir alle fordern, ist. dass nicht ä la System Lueger die Kultusbeamten jede politische l"cberzeugung unterdrücken müssen und dass. wenn man Kinem politische Freiheit einräumt, dieselbe auch Andern gestattet werden möge: selbst dann, wenn sich Kultusbeamte in jüdischen Parteien betätigen wollen. Hin K u 1 t u s h e a m t e r für viele.

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