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Neue Nationalzeitung · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12. „Neue Nätional-Zeitung" Seite 3. ©er ftilfs^erein für Galizicn. (Jahresbericht). Der „ H i 1 f s v e r e i n für die notleidende jüdische Bevölkerung in G a 1 i z e n" ver - öffentlicht seinen Bericht für das Jahr 1907. Eigentlich ist es nur ein Teil des Berichtes, da die persönlichen und finanziellen Angaben einem weiteren Berichte vorbehalten wurden. Der Hilfsverein entwickelte seine Tätigkeit nach dreifacher Richtung. I. Industrien. Kr hat vorerst die Spitzenhäkelei an 19 Orten Galiziens eingeführt. Zur Förderung des Absatzes wurde im Dezember 1906 in Wien eine Verkaufsausstellung ybn Spitzen veranstaltet, die einen Erlös von rund K 30.000. - lieferte. Im laufenden Jahre wurden solche Verkaufsausstellungen fortgesetzt, und zwar in Prag mit einem 'Erlös von rund E 19.200.— Brünn „ ,, t> 7.000. Krakau ,, ,, ., ,, 3.100. Lemberg ,, ., ,, 3.400. und meuerdings im Dez nriber in Wien mit einem Erlös von rund K 25.400.—. Im Jahre 1907 wurde an die galizischen Häklerinnen an reinem Lohn ein Betrag von Kronen 140.572.82 ausbezahlt. Hiev011 entfallen für Waren, die aus dem laufenden Jahre stammen K 119.705,71, Da der entsprechende Betrag im Jahre 1906 sich auf K 98.553.27 belaufen hat, so ergibt sich, dass im Jahre 1907 K 21.212,44 mehr an reinem Lohn verdient wurde. Um die Herstellung tadelloser Ware zu erzielen, wurde auch im Jahre 1907 eine Iläkellehrerin nach Galizien mit dem Auftrage entsendet, samt liehe Häkelorte zu inspizieren und dort, wo es hotwendig erscheint, längere Zeit zu verweilen und einen Nachunterricht zu erteilen. Gleichzeitig erhielt diese Lehrerin die Aufgabe, in den Orten, wio eine grosse Anzahl Häklerinnen sich befindet, zum Zwecke der Verringerung dieser Zahl den Unterricht in einer anderen Technik - - E i 1 e t guipur e — zu erteilen, jedoch dafür zü sorgen, dass 'im ganzen höchstens 300 Mädchen darin abgerichtet werden. Diesen Unterricht erteilte sie in Gorlice, N ad wo r na, Wygoda, und Tlumacz. Die Zahl der Spitzenhäklerinnen dürfte sich Ende August auf ungefähr 2000 belaufen haben. An anderen Orten wurde wieder die SpitzenklÖppelei eingeführt. Im Jahre 1905 wurden aus K olomea Klöppelspitzen eingesendet im Betrage von K 624.81, im Jahre 1906 stieg der Wert der von dort eingelangten Spitzen auf K 1704.33. Im laufenden Jahre wurden von dort Spitzen im Werte von K 3934.68 geschickt. Diese Zunahme ist einerseits dadurch herbeigeführt, dass von der Lehrerin in Kjolomca im Jahre 1907 auch die Ortschaften Peczen.izyn und Delatyn industrialisiert wurden, anderseits dadurch, dass die bereits abgerichteten Mädchen durch fortgesetzte Uebung einen immer grösseren Arbeitslohn erzielen. In G w o 2 d z i e c wurden im Jahre 1906 in fünf Monaten Waren im Werte von K 167.29 gearbeitet, während im Jahre .1907 Waren im Werte von Kronen! n 86.48 einliefen. Die Ursache dieser Erhöhung liegt hier weniger in der Vermehrung der Zahl der Schülerinnen als in ihrer grösseren Uebung. Da in Gwozdziec selbst die Zahl der abzurichtenden Mädchen schon erschöpft war, wurde die dortige Lehrerin nach Ottynia gesandt, wo sie seit 18. November 1907 tätig ist. In einem Nachbarorte von Gwozdziec, W i n o g r a :l, erteilt seit kurzer Zeit eine tüchtige A r b e i t e ri n aus Gwozdziec Unterricht in der Klöppelei, und es zeigt sich, dass dieser Versuch günstig ausfällt. Eine dritte Lehrerin unterrichtet seit 7. Juni 1907 in Pistyn, im Süden von Kolomea; nachdem sie dort mehr als 30 Mädchen abgerichtet hatte, wfurde sie nach 'Jablonow versetzt, wo sie derzeit tätig ist. Eine in Lemberg ansässige Lehrerin und 5 in Krain mit Hilfe des k. k. Zentral-Spitzenkurses aüjsfindig gemachte Klöpplerinnen, die sich bereit erklärt haben, nach Galizien zu gehen, werden demnächst in Häkelorte geschickt werden, um dort in der Klöppelei zu unterrichten. Die Zahl der Arbeiterinnen und Schülerinnen, die derzeit Klöppelspitzen vei fertigen, dürfte sich mit mindestens 400 beziffern lassen. Ausserdem sind viele Mädchen in der Klöppelei abgerichtet, die nicht für die Anstalt, sondern r'ür Geschäftsleute und Private tätig sind. Dies ist insbesondere in Kolomea der Fall. Im ganzen wurden im Jahre 1907 an den k. k. Zentral-Spitzenkurs , von den Arbeiterinnen und Schülerinnen des Hilfsverc ines Klöppelspitzen im Werte von K 5153.47 eingesendet. Dieser Betrag wurde zum allergrössten Teile von den Arbeiterinnen erzielt; die Schülerinnen verdienen in den ersten Monaten ihrer Tätigkeit noch sehr wenig. Die Löhne, die :v|on den Arbeiterinnen verdient werden, sind bei der Klöppelei noch mehr als bei einer anderen Industrie von der Uebung, dem Eleisse und der Geschicklichkeit 'der Mädchen abhängig. Es gibt aber schon manche, die per Tag K 1. und mehr verdienen können. Die Werkstätte für Kleiderkonfektion in Tarn o w wird hauptsächlich \ >n galizischen Kleiderkon. fektionären beschäftigt, die ihr solche Stoffe zur Ausfertigung übergeben, die sie sonst in Orten ausserhalb Galiziens, wo Kleider von besserer Ausführung hergestellt werden, hätten verarbeiten lassen; sie zählt jedoch bereits auch Wiener Konfektionäre zu iihren Kunden. Sie beschäftigt 50 bis 80 Arbeiter. Der durch den Unternehmer im Jahre 1907 ausbezahlte Lohn beträgt K 41.927.27: wird damit der j;m Jahre 1906 ausbezahlte Lohn per K 43.108.53 in Vergleich gesetzt, so zeigt sich, dass trotiz des schlechteren .Geschäftsganges der zweiten Jahreshälfte 1907 der im Bericnts jähre ausbezahlte' Lohn hinter dem des Vorjahres nur unbedeutend zurückblieb. Für die Zeit vom 4. April bis 28. Juni 1907 \vurde dem Unternehmen vom Hilfsverein ein Lohnzuschlags gewährt, der sich auf K 2293.26 stellte. Bei der Haarnetzerei werden ungefähr 600 Arbeiterinnen beschäftigt, die zirka 100.000 .Kronen jährlich verdienen (1 '»6 K r o n e n j ä h r 1 i c h, 45 H e 11 e r t ä g 1 i c h' pro K o p f! >. Mit Rücksicht auf die erhöhte Nachfrage nach Haarnetzen und auch mit Rücksicht darauf, da<s das bestehende Lohnkarten der Netzexporteure sich veranlasst fand, in der zuletzt abgeschlossenen Vereinbarung die Löhne in die Höhe zu setzen, dürfte — meint fder Bericht

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