Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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f&if* „Neue Näti<mal-2eitnn^" Nr. 11 Anlag« der ersten Pflanzorig. Die erste Pflanzung in Grösse ca. 30 Hektar ist lDerejtöjri diesern;j\V'mter in der Kolonie R a <• Ii '> both angelegt worden. Die Anlage dieser ersten Pflanzung ist auf folgende Weise erfolgt: Der Pflanzungsverein hat ein für Pflanzungen geeignetes Terrain von ca. 300 Dunam bei der Kolonie Rechoboth erworben und hat mehrere Kolonisten dieses Dorfes, die als erfahrene und ehrenhafte Landwirte bekannt sind, beauftragt, daselbst eine Mandel- und Olivennflanzung unter nachstehenden Bedingungen anzulegen: Die Kolonisten erhalten vom Verein zur Deckung der mit der Anlage der Pflanzung verbundenen Kosten 20 Francs per Dunam nach Erledigung der ersten Arbeiten, während die restlichen' Pflaraungskosten aus eigenen Mitteln der Kolonisten bestritten werden. Die Kolonisten pflegen die Pflanzung durch 6 Jahre und nach Ablauf dieser Zeit erhalten sie als Entschädigung für ihre Auslägen und Arbeit die Hälfte der Pflanzung, d. h. ca. 150 Dunam. Die Teilung in zwei Hälften geschieht durch Vertrauensmänner beider Parteien. Der Verein hat den Kolo nisten zur Bedingung gestellt, auf der Vereinspflanzung ausschliesslich jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Finanzlage des Vereines. Um den anderen palästinensischen Institutionen nicht hindernd in den Weg zu treten, hat der Pflanzungsverein bisher noch keine Agitation für seine Zwecke entfaket. Wenn es dennoch dem Verein gelungen ist, ohne besondere Bemühungen den Betrag voti ungefähr Mk. qooo,— schon jetzt aufzubringen, so ist diese erfreuMrhc Tatsache ledig lieh auf die Zugkraft der unserem Vereine zugrunde liegendem Tdee sowie auf das in allen jüdischen Kreisen erwachende Interesse für Palästina zurückzuführen. Mitgliedschaft. Mitglieder des Vereines können Einzel Personen. Vereine und Korporationen werden, die den zum Ankauf von mindestens 1 Dunam Land und den zur Bepflanzung desselben mit Bäumen nötigen Betrag dem Vereine zur Verfügung stellen. Als Ankaufspreis für das Landstück sind Mark 20.—, zur Bepflanzung dieses Grundstückes weitere Mark Co.— zu entrichten. Mindestens Mark to.— müssen bei der Anmeldung der Mitgliedschaft, weitere Mark 10.— im nächstfolgenden Jahre, die übrigen Mark 60.— können auch in jährlichen Raten von mindestens Mark 6— entrichtet werden. Ausser der Verpflichtung zur Zahlung dieses Betrages sind mit der Mitgliedschaft keine anderweitigen Verpflichtungen verbunden. Zahlungsstellen des Vereines sind: Bankhaus A. H. Heymann <X- Co., Berlin KW. 7, Unter den Linden 59; The Jewish Colonial Trust Ltd. London E. C. Walbrook, Brook House. "Wir "können die Unterstützung dieses nationale^ Werkes allen unseren reichen und dem wohlhabenden Mittelstande angehörenden Volksgenossen wärmstens empfehlen.; in erster Linie mit Rücksicht auf die jüdischen Arbeiter in Palästina, die dadurch Beschäftigung Und die Möglichkeit zu einer späteren wirtschaftlichen Selbständigkeit erhalten. Wir müssen jedoch anderseits unseren Kleingewerbetreibenden, Kleinhändlern und Proletariern entschieden von1 einer Beteiligung an diesem Unternehmen, dessen Tendenz ausschliesslich eine ideelle ist, abraten. Es wird in Form von Schekel, fSelbstbesteuerung, Parteisteue^, Nationälfonds usf. ohnehin genug aus den ärmsten Schichten Oesterreichs und speziell Galiziens nach Köln gezogen. Wenn wenigstens das dortige Aktions-Komitee soviel Verständnis hätte, für die wirtschaftliche Organisation des jüdischen Proletariates in Galizien etwas 2u tun, oder wenigstens die Mittel zu einer agitatorischen Tätigkeit aus seinen kolossalen Einnahmen herzugeben! Die Führer der zionistischen Bewegung in Galizien machen privatim aus ihrer eigenen Unzufriedenheit über diese Umstände keinen Hehl. Warum sagen sie das nicht selbst öffentlich? Deutsches Reich. Ans Marokko. Berlin. Das D <■ u t * c h e B u r c <t u der Alliance Israelite Universelle versendet nachstehenden Bericht des Allianceschulleiters Pisa: Casablanca, 25. Februar 1908. Ich habe die schmerzliche Aufgabe, von einem Unglück zu melden, dessen Opfer unsere Glaubensgenossen nm Mzab geworden sind. Am 17. d. M. kamen die Truppen des Generals d'Amade bei ihrem Zug gegen die Mdakras am Fuss der Hügel nahe bei Mzab an. Der Knid der Kasbah Ben-Ahmed, der volksreichsten des Mrab utrud die die meisten Israeliten in sich schliesst, erklärte den französischen Behörden seine Unterwerfung. Am Tage darauf übten die anderen Bewohner des Mzab Vergeltung, indem sie jene K; sbah ausraubten, die beiden Judenviertel Stein für Stein zu Grunde richte tcn. eine grosse Anzähl von Israeliten umbrachten und die übrigen wie eine Herde Vieh über die Felder wegführten. Diese Nachrichten 'sind mir amtlich bestätigt worden. Nach Auskünften von Eingeborenen haben die meisten israelitischem Einwohner jener Kasbah, einige hundert an der Zahl, sich nach Casablanca gewendet. Eine beträchtliche Zahl soll sich auch nach anderen Kasbahs geflüchtet haben. Ich empfing gestern wieder einen aus z>o Personen be - stehenden Vortrupp, von deren Entblössung man sich eine Vorstellung machen kann, wenn man an das Elend denkt, an das die Bevölkerung gewohnt ist, und an die Drangsalienngen, deren Gegenstand sie ganz besonders seit einiger Zeit bildet, sowie an den langen Weg, der bis Casablanca zurückzulegen war. Tch habe für die Israeliten von "Mzab dieselben Massnahmen ergriffen, wie für (He Israeliten vom Settat: Unterkunft und Unterhalt für einige Wochen, Kleidung, Arbeitsbesorgung für die (Männer und allmähliche Verteilung der Familien. Ein drittes Klontingent von Flüchtlingen aus Settat, das am 16. d. M. angekommen ist, brachte die Gesanitziffer auf 31$. Wir haben sie alle gekleidet, ihnen Obdach und Nahrung gegeben. Vomi 21. d. M. an haben wir angefangen, sie in der Stadt zu zerstreuen, um Raum zu gewinnen für die Unglücklichen, die aus Mzab kommen sollten. Ein erster Versuch, den wir mit 10 Familien machten, bewies uns, das? sie Arbeit und Wohnung finden konnten. Auf diese Weise haben wir in vier Wochen' über z>o Familien untergebracht. Den Rest von etwa 40 Familien werden wir im Laufe dieser Woche versorgt haben. Ungefähr 10 Greise, die zu keiner Arbeit fähig sind, bleiben in der Liste für wöchentliche Unterstützungen, clie von Gemeindewegen an die Armen1 verteilt werden. Für die Flüchtlinge von Mzab haben wir dieselben Massnahmen getroffen. Is. Pisa. r Casablanca, 28. Februair. Zu den 50 Israeliten aus Mzab, die sich nach der Ausraubung der Kasbah hierher geflüchtet hatten, haben sich am 26. und 28. noch zwei weitere Züge hinzugesellt. Die Zahl der aus Mzab Geflüchteten ist dadurch auf 115 erhöht worden. Die Ineuen Ankömmlinge sind in demselben beklagenswerten Zustand, wie die vorher Eingetroffenen; viele von ihnen versicherten mir, dass sie in Mzab eine gewisse Freiheit genossen, und dass die Araber sie all ihrer Habe beraubt hätten. Beinahe alle sind nicht arbeitsfähig, denn die meisten sind alte Leute, und die übrigen verfügen nicht über die physische Kraft, die schwere Arbeit des Auslandes zu ertragen. Es wird notwendig sein, dass wir sie wochenlang ternähren, um sie wieder ein wenig zu stärken. Wir