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Neue Nationalzeitung · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. „Neue: Nationäl-Zeitung" Schal it ist ain Distrjktstage klar zu Tage getreten. Hier-, .zwischen den vier Wänden ihres Vereinslokales, ha bei), die .Herren zugegeben, dass sie die zionistische Partei durch die Allianz mit Herrn Brun h er biossgestellt haben und dass Herr Doktor Schalit nicht wegen seiner geschwächten, erholungsbedürftigen,Gesundheit gegangen ist, sondern infolge einer grossen Misstimmung. innerhalb seiner engsten Gesinnungsgenossen und«, speziell innerhalb des Wiener Distrikts-Komitees zum Rücktritte gezwungen wurde. Seine plutokratische •Kompromisspolitik' hat die politisch reiferen Elemente angewidert. - Die zionistischen Pro\ inzbliitter ..sind jedoch ihren Wiener Korrespondenten gehörig aufgesessen. Der Distriktstag.' begann mit der Erklärung des Herrn Böhm, dass das garze Distrikts-Komitee so lidarisch sein Mandat.niederlege. lieber die Gründe dieser Demission äusserte sich, Herr.B öh m sehr aus führlich; es fehlte dabei nicht an starken Seitenhieben gegen den nicht anwesenden Abgeordneten Dr. Mahl er, als den "Vertreter einer zionistischdeutschliberalen Kompromi?spolitik. Er sagte: Wenn er für seine P«öcm - jede Wiederwahl ablehne 50 geschehe es deshalb, weil in jüngster Zeit sachliche Differenzen als persönliche aufgefasst wurden. Er wolle durch seinen Rücktritt die Bahn dafür frei nne hen, dass die Losung der Organisationsfragen aus rein sachlichen Gründen erfolge. Feiner seien ahlässlirh der Wahl eines Obmannes des Nationalvereines die Vertreter des D.-K. offensichtlich umgangen wen den und ihre Ivfeinung i>lieb ungehört. Schliesslich sei zwar erfolgt, was D.-rv geraten hatte, es wurde -ein provisorisches Ivomitc- <r-._ wählt. aber vorher war versucht worden, eine Persönlichkeit zum Präsidenten des Nationalvereines (J>r. Mahle 1) zu wählen, die zwar von allen hochgeschätzt werde, dieaber bezüglich dervon der Partei zu befolgenden Taktik nicht beruhigende F.rklärungen abgab. Es habe sich dabei gezeigt, dass in der Partei starke Neigungen zu einer Kompromisstnhik \ <<- banden wären, welche Redner, wie das ganze D.-K aufs schärft'-, bekämpfen müsse. R ö h m glossiert die Art und Weise, v i - man Führer ..wählen" wolle, ohne sirh um deren P.-.»g imm und Taktik zu kümmern Und sagt: Führer wird mu nicht durch Wahl, zum Führer wird man geboren. In sehr scharfen Worten gcisselte auch Herr Dr. VV e i s f n? r ü 11 die r>:>n7e Programmlosiekeit und' taktische Verwirrung der Wiener Organisation. ,.Fs ist ein schwerer Ir.tnm, zu «danken, dass die gegenwärtige Situation durch 1. rsöuli'^e Konflikte entstanden s°i. Die Ursachen liegen v iel tief t. Erstens fehlt unserer /'; >ni*t'ischen und jüdischniti >nal -n Partei jede e i n h e j t 1 i c h c theoretische Grundlage. Daraus <-igibt sich <' «• ' M a n g e 1 e i n e s klaren Pro g r a m m c s. 1 'nd ohne P o gramm können wir auf di > fntclleltue'len ni ht werben 1 wi k 11 Nichtsdestoweniger w >hnt <!er Idee eine ungeh-ur ' We;h"ki d'l inne. Dies hat sih bei den Reiehsratswahlen gezeigt. Omn ist unser« Organisation morsch und faul. Am T'i.>ger Parteitage wurde das l andeskomitec erschlagen, c,o dass wir heute keine Mögli hkeit haben, eine starke, einheitliche Leitung zu schaffen. Und schliesslich bestehe in unserer Partei kein Zusammenhang zwischen Parter und Takjtk. -Jede andere Par'ei hat eine prinzipielle Taktik. Dicselhferr Leute sind heut für radikale Politik, morgen für Komp; omiss. Dnd das Konipromiss wird nicht nach prinzipiellen, sachlichen Gesichtspunkten, sondern nach persönlichen Motiven geschlossen. Bei vielen unserer Gg. herrscht das Bestreben, eine sog. alljüdische Politik zu machen, eine Politik, die von vornherein auf ein detailliertes Programm, auf eine grosszügige Taktik verzichtet und sich 'damit begnügt, •einige G r u p_ p e n_.r e i r. h e r Jud<?n zu gewinnen. Und das ist die gefährlich 5 t e und v e r- Nr. il\ fehl teste Taktik. Dieser Khülestandpunkt müss: definitiv aufgegeben werden. Sonst wären wir G h e t t o z i > n i s t e n. so wie es GlieUoassimilanten gibt. Nur eine ganz kleine Gruppe von Gegnern ist überhaupt bereit, mit uns Kompromisse zu. S'hliessen. Wir müssen, meint Redner, auch nicht vergessen, dass wir schliesslich die Partei der jüdischen Renaissance sind, dass wir auch in unserer inneren Politik und in unserem ganzen 1 taktisch-zionisfis( hen G.h.dKü hier zu Lande, deutlich und sichtbar den mutigen, selbstbewussten, seelisch aufrechten Juden h; r\ 01 -kehren müssen. Wenn \\ iv schon nicht jetzt durch unser ganzes Auftreten vorbildlich wirken können, dann hole de 1 Teufel alle M a 11 d a t s p o I i t i 1;." So weit die beiden politisch reifsten Mitglieder des Distrikts'.agcs. Die anderen - zumeist Vertre ter der Studentc.tr.erelne suchten die Gegensatze; u verkleistern oder den. Eindruck jener beiden Reden ab/usehewäclu \ Es .zeigte sich dabei, dass in Wien die jüdisch-nationale , Politik in erster Linie von Studenten bec'mfiusst wird. Und da wun derte sich ein Kadiinahner, dass es die Mitglieder des Distrikts-Komitees ni' ht vermocht haben, ..der zionistischen, und jüdisch-nationalen Bewegung einer höheren Flug zu geben". Wenn nur die Herren Su-demcn sich mehr um ihre Kollegien bekümmern und statt praktischer'Politik mehr theoretische Studien be'reiben' würden, dann wäre es besser für sie und auch für den Zionismus. Wie soll denn die zionistische 'und jüdisch-nationale Partei ein anständiges, modernes, allen Fragen des Lebens Rechnug tragendes Programm erhalten, wenn die Leute, welche die Leitung der" Partei an sich reissen. komplette Ignoranten -auf dem Gebiete der Sozialpolitik und der Staatswissenschaften sind?' Mit ihren Wissen können sie höchst mis einen Gegner beschimpfen, aber ihn weder überzeugen noch ihm Achtung beibringen. * * * Die Wahlen Der Distriklstag vom 1. Marz 1. j. wurde ohne Vornahme von Neuwahlen geschlossen. Dieselben wurden auf 'den 8. Män: 1. J. vertagt und haben auch stattgefunden. Zum Obmann des Wiener Distrikts- Komitees wurde Herr Max Markus gewählt. Die (>bmannstcl!c im Landes-Kvr.nUec ist noch immer unbesetzt. * * * Abgeordneter Dr. Mahler — mandatsmflde? Wie es heisst, soll Dr. Mahl er infolge der heiligen Angriffe am Distriktstage die Frage der \ it derlcgung seines Reichsratsmandates in Erwägung ziehen. Sollte er sich hic/.u cntschlicsscn, dann würde an seine Stelle der jüdisch-nationale Ersatznnmi, Advokat Dr. Josef B r a u n. Advokat in Knpvczvnce, vorrücken. Nur wonii Dr. Braun ablehnt, müsste eine Neuwahl stau finden, durch welche das .Mandat an einen Vertreter der ruthenischen Majorität gelangen würde. * * * Eine neue Partei Brunner—Schalit. Tr Hz aller schönen politischen Nekrologe, vvc'che die zionistischen Blätter dem ,,aus Gesundheitsrücksichten" zurückgetretenen Obmann des Lan des-Komitecs gewidmet haben, denkt derselbe gar nicht daran, das ihm suggerierte Ruhebedürfrjs zu pflegen. Auch;Herr Brunn er, für dessen 5000 Kronen die /Partei auf den grünen Zweig gekommen ist, schmollt trotz aller Lobeshymnen. Kein Geld, keine Partei — das ist bitter. .; .

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