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Neue Nationalzeitung · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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*F. 11. „Neue NatipnäL£efjimg" 3pito §, frommen Frauein, die sich vereinigt haben, um die ses gute Werk zu vollziehen, trotzdem unsere „offiziellen Kreise" (man kennt sie) meinten, man müsse aus dieser Sache nicht solch' ein Wesen" machen, haben sie dem Dank »aller derer erworben, denen jüdische Pietät noch ein Ding ist, das wir nicht im Geräusche des Tages, im Prunke festlich geschmückter Ballsale, unter dem Glänze mit Brillanten geschmückter Frauen begraben lassen wollen. Die st ille Totenfahrt des Armen sagt uns: Elr ist noch nicht ganz tot, der alte, schöne, jüdische Idealismus. Am i. Weddar s668. HANS FrSCHL: J5tttn IS. ^ärz. (1848—1908) Immer mehr schwindet unter den Inden in Oesterreich die Erinnerung an das Sturm jähr 1848, dem sie ihren Eintritt in ein menschenwürdiges Dasein noch vor der Freiheit der Dezember-Gesetze verdanken. Das Jahr, welches den Bauernstand von seiner Halbsklaverei -emanzipierte, entfernte auch die lastigsten Beschränkungen der Juden, es gewährte ihnen das Recht der Niederlassung an Orten, die ihnen; bis dahin verschlossen waren, und besserte ihr Ansehen ' unter dem Volke. Diese Verbssserung ihrer Lage war aber nicht von Dauer. Mit dem Einzüge Windisch-Grätz' in Wien verfielen dis Völker Oesterreichs neuerlich der Unterdrückung und erst 1867 war das Jahr, von dem die bürgerliche Gleichstellung der Juden zu datieren ist. Wenn wir sechzig fahre zurückschauen wollen, so ist es nicht der Beginn der Judenemanzipation, der uns für jene Zeiten begeistert; es lag in jener Zeit mehr, als naive Glcichberechtigungsschwärmer sich träumen lassen. Am 13. März 1848 erhob sich die Intelligenz. Das erste Murren erhoben die Herren! voni Niederösterreich, die Stände; vor dem Landhause sammelten sich die Studenten, in der Hofburg trat ein Kadett vor die Mündung seines Geschützes und verweigerte den Feuerbefehl. Drei jüdische Intelligenzler waren es, deren Namen unzertrennlich mit der Geschichte jenes hochbedeutsamen Jahres verbunden sind. Dr. Adolf F i s c h h o f, der junge Arzt aus Pesth, sprach vom Brunnen im Hofe des Landhauses herab das erste freie Wort in Oesterreich. Was er gewagt, büsste wenige Stunden später ein junges Blut mit dem Leben. Unter den sieben Opfern, die am späten Nachmittag des 13. März auf das Pflaster fielen, befand sich \\dcr hochbegabte Techniker Carl Heinrich Spitzer aus (Bisenz in Mähren. „Gefallen für Recht und Freiheit in Oesterreich", berichtet ein alter Stich, der uns die knabenhaften Züge des<kaum 17 jährigen überliefert. Kurz vorher als eifriger Freund der Freiheit, wie man es damals nannte, aufgetreten, stand er auch auf dem Plane, als es ernst wurde. Nicht ihn allein überlebte Fischhof. Als die Fahne der Freiheit niedersank, da fielen drei Wehrlosa vor den -Flintenläufen der Kroaten : der Katholik M e s s e 11 h a u s e r. Dichter und Soldat (er war vom Subalternen der Deul>chmeister zum Stadt - kommandanten von Wien aufgerückt), der Protestant Blum, das unvergessliche Mitglied des Parlamentes in der Paulskirche, und der jüdische Journalist 0 o 1 d m a r k. Der Freiheitsruf, der damals ertönte, war ein kräftiger, reiner Schall. Es galt jede Stunde, ihn mit dem Herzblute zu bewähren. Einer für alle, alle für einen, kämpfte der Jude brüderlich mit deim Deutschen, ohne sein Deutschtum zu betonen. Noch hängt in manchem Judenhause ein Bild, Grossvater in der Uniform der Nationalgarde, und Grossmutter weiss zu erzählen, wie er mit einem Schubkarren als Wagenschmierer verkleidet zurückkam, als die Freiheit verloren war. Die Brüder Eppinger waren Hauptleute in der Nationalgarde, L. A. FrankI dichtete ajs Schildwache der akademischen Legion das Gedicht ,,Die Universität". Dem emsigen' Forscher werden wie bei allen Freiheitskämpfen viele jüdische Namen begegnen, hofften doch Oesterreichs Juden, dass auch für sie der Frühling" gekommen sei, den sie heute noch vergeblich er warten. Es waren andere Zeiten, andere Menschen. Sie würden sich nicht zurechtfinden, würden sie sehen, wie die Juden von 1908 unter allen möglichen Verkleidungen, als Deutsch-Demokraten, als Altliberale, als Sözialpolitiker u. dgl. sich gegen die moderne Reaktion wehren, wie die wenigen Jüdisch-gesinnten sich unter einander zerfleischen. Auf den Barrikaden, draussen bei der Taborbrücke gab es' nur Bürger, die gegen Unterdrückung stritten, die eine neue Zeit der Bildung und ^Duldung erkämpfen wollten. Der verwässerte Manchesterliberalismus späterer Jahrzehnte hat alle rein freiheitlichen Bestrebungen diskreditiert, der radikale Nationalismus hat das Uebrige getan. Am sechzigsten Jahrestage des 13. März seien die Juden in Oesterreich erinnert, dass noch ein wahres Freiheitssehnen in den Völkern Oesterreichs schlummert, welches die Zeit der Verhetzungen überdauern wird, dass der Föderalismus, der anno 48 geboren wurd'e, das politische Glaubensbekenntnis unseres Volkes werden muss, es muss beispielgebend wirken und den anderen zeigen, das jener ungestüme Freiheitsdrang, der vor sechs Jahrzehnten Jung und Alt auf die Barrikaden trieb, in den Herzen der österreichischen Juden noch am mächtigsten lodert, dass sie zur rechten Zeit, wie Fischhof und Spitzer mit Wort und Tat für Freiheit und Fortschritt eintreten und, wenn es sein muss, für dieselben bluten wollen. F i s c h h o f und Frankl haben noch Jahr - zehnte vim öffentlichen Leben erspriesslich gewirkt. Sie haben freiheitliche Politik getrieben, ohne ein angebliches Deutschtum /u betonen. Frankl sah die Not seines Volkes und suchte sie zu lindern, wie er kbnmte. Fischhof erkannte, dass das deutsche Bürgertum nicht mehr fähig sei, gesunde Fortschrittspolitik zu betreiben, und zog sich auf sein Gut an der Donau zurück, wo er Vor anderthalb Jahrzehnten seine Enttäuschungen ins Grab mitgenommen hat. Es waren andere Zeiten, andere Menschen. forsch und faul .... Was in dem Leitartikel unserer letzten Nummer über den Zusammenbruch der zionistischen Organisation in Wien gesagt wurde, fand in dem offiziellen Berichte des Wiener zionistischen Parteiorganes über den Distriktstag vom 1. Marz 1. J. seine volle Bestätigung, la, noch rnehr. Die ganze Heuchelei dieses Blattes im Falle Brunn er und

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