Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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iuümt wX*£tie tfatiortäf 'Zeiltitig4 Im Herbste, da das Laub Sjch rötete und die Blätter fielen, wie die Geschlechter der Menschen, — so sagt doch der alte Homer, den sie jetzt aus den Gymnasien verbannen möchten, besuchte ein Sohn jener Killah das Grab seiner Eltern und Lieben. Sfchöchaie Bote Choiner (Ihr, die ihr Lehmhäuser bewohnt), wieder sprach er die Worte des alten Pessimistein, der schon lange vor Schopenhauer über dfese Scheinwelt philosophierte, er sprach sie mit einem traurigen Lächeln auf den ernsten Zügen, einem Lächeln, das sich \ii Tränen der Erinnerung auslöste. . . Er gedächte seiner Jugendzeit. Es war gerade nicht die rosigste. Nicht als hatte er mit Not und Elend kämpfen müssen in seiner Kindheit Tagen, aber leicht war ihm das Leben nicht gewesen. Er sah den .Vater kämpfen, um Brot seinen Kindern zu verschaffen und an dessen Seite wirkte eine stille, fromme, Frau, die aus einem Hause stammte, in dem Gelehrsamkeit, Biedersinn und wahre Frömmigkeit, wie ein kostbar gehüteter Schatz, sich fortlebten. , . . Der Vater hatte sich einem besonders frommen Werke gewidmet. Er besuchte Kranke und tröstete sie, milderte ihr Leid, soweit es ihm seine 'Mittel erlaubten; und, waren sie eingegangen in das siille Reich, in dem Friede herrscht, dann sorgte er für ihre ehrenvolle Bestattung. „Hahvojath ha-IMeth", dies war der Fels, auf dein er sich den Tempel der Erinnerung für alle Zeiten 2u erbauen suchte. In diesem uneigennützigen Wirken, das keine Gefahr scheute, \or dein Schrecken des Todes nicht zurückbebte, dem grausamen Schnitter imutig ins furchtbare Antlitz schaute, unterstützte ihn sein edles Weib. Sie gehörte zu den opfermutigen Frauen;, die wir ebenso schön, wie wahr, als ,,Noschim Zidkonijauth" bezeichnen, ist dieser Idealismus unserer jüdischen Vergangenheit wirklich schon ganz ausgestorben? Oder wird er überwuchert von einer lärmenden, Wohltätigkeit, die für die Armen tanzt, Klavier spielt, verlängliche „Einakter" aufführt und alle Brillanten Südafrikas zur Schau trägt, als wollte sie übersehen lassen, \vie viel Elend und Leid und Schmerz und Armut in unserer Mitte wohnt? „Sie vermengten sich mit den Völkern und lernten ihre Taten", also hat, wie mich dünkt, der alte Psalmist schon vor Jahrtausenden vortrefflich jenes Assimilantentum der schlechtesten Sorte bezeichnet, das die alten Vorzüge ablegt, und sich mit dem Flitter einer neuen Zeit schmückt, einem Flitter, der die ahe jüdische Pietät und, was sie Schönes und Gütes zeitigte, vergräbt und vernichtet. Der stille Gräberbesucher wurde aus seinen Gedanken an sein Vaterhaus aufgescheucht, als er an dem Erdhügel sich befand, der die Keste seines ersten Lehrers barg. Ein jüdischer .Lehrer der Vergangenheit, ein Melamed, das ist ein Wesen, dem der Hunger den Tisch deckte und der gewöhnlich für eine 'zahlreiche Kinderschar zu sorgen hätte. "Äm Morgen, grinste ihm das Gespenst des Elends entgegen, mit Mühe umd Not zügelte er die „jungen" und trichterte ihnen. „Chumesch mit Kaschi" ein, dabei aber führte sein 'Mägen'eine Symphonie auf, die in ihren murrenden und laaürrenden Tönen, weit ab lag von den Tonwerken -Beethovens. Ühd, wenn es Abend wurde, da .sass er bei ^ier -elejiden Tafgkerze, die trotz äflen „^rhnauzens" kein Licht verbreiten wollte.* Sie hatte ja doch nur dem Jammer geleuchtet, der aus den Äugen der bleichen Kinderschar, dem Wassen Antlitze jeines ..abgehärmten:: "Leibes hervorlugte, und in. aiien Winkeln der armseligen Stube sein. Kager aufgeschlagen halte und nicht wegzubringen war, wie ein gewappneter Krieger. An dies alles dachte der Marnn, als er vor uein Grabe seines einstigen Lehrers stand. Jahre sinu verflossen, seitdem er zu seinen r ussen gesessen, aber er sieht vor sich sein stilles Angesicht, das ein schneeweisser Bart umrahmte. Und nun vernimmt er, dass der Sohn dieses seinies einstigen Lehrers in ein Haus gesteckt wurde, in dem tue lebendig Begrabenen hausen, deren Seelenlicht erloschen ist, bevor die Seele das gebrechliche l.ehäuse des Körpers verlassen, mit anderen V\ orten in ein irreuhau*. Nicht lange lallt der Irre, oder hat man ihn nur iür einen •solchen ausgegeben? den Behörden zur Last. kt beendet sein trauriges, tieidüsteres LM^ein, und nun wird der Arme, der einst ialmud gelenn und bcheliach Zibbur gewesen, auf dem r nedhote begraDen, der ferne von seiner Heimat liegt, und er ruht dort neben Xichtjuden, er, der einst sein Leben nur mit Beten und Lesen in unseren 'heiligen Büchern verbracht hat. „Haiwojath ha - AI etil , schönes \\ ort unjU noch senönere Tat! Aber es scheint, wir haben keine Zeit mehr übrig, um un^> um derartige längst vergangene ,,Herzenspflichten (C ho bot h na Lewowothj zu kümmern. Es ist ja richtig, der Tod gleicht alles aus und es mag gieicngültig sein, 10b neben dem Kreuze die Mazebah stein. . . . bie stehen friedlich neben einander. Und, die unten schlafen, bedeckt von der Hülle, welche die allerbarmende Mutter Erde über sie gebreitet, ruhen als Menschen neben einander. . . . Hat aber das Wort: „Ich will ruhen bei meinen Vätern" — ganz die Bedeutung für uns, verloren? Der Gräberbesucher wälzt diese Gedanken in seinem Geiste und er beschliesst, ein treuer Erbe dessen, was ihm Vater und .Mutter überliefert, an diesem loten gut zu machen, was an ihm gefehlt wurde. Hat dieser lote während seines Lebens nichts Freudiges sein eigen genannt, leuchtete ihm auch ni e die Sonne einer guten Stunde, die Grabesruhe soll er wenigstens dort finden, wo Vater und Mutter liegen, und alle die Guten und Redlichen und Frommen, die versammelt sind auf dem „guten Orte'' der heimischen jüdischen ±Lrde. ... Und siehe, der Idealismus ist noch nicht ganz tot in unserer Mitte, eine Schar wackerer Männer hört auf die Worte des einsamen Gräberbesuchers. . . . Mit Tränen in den Augen sammeln sie die Gaben, Bie dem f|ro:mimeri Werke zufliessen^ und bald ist die Summe zusammen, man kann das Vv erk der Pietät vollführen, und jetzt, da die Erde dem jungen i1 rühlinge sich enitgegensehnt, wenn bald neues Kebea uus dem Mutterschosse empörblühen wird, in diesem Monate Adar, in weichem wir nach altem, schönen Brauche die Toten feiern, wird auch der avme Mensch, den sie auf fremder Erde bestatteten, heimkehren zu den Vätern und Müttern. . . . Gawriel hiess sein Vater, Zipporah seme . Mutter, er selbst führte (den stolzen Kamen M'ardechai. Ach, von dem Mardechai des Büches Esther hatte er wenig; er war arm, gedrückt vom Elende, er trug die Last des Lebens schwer und bitter. Aber gerade, weil er zu den Leid vollen gehörte, war <eaeirte Jjeilige Pflicht.seiner, wenigstens iiach seirtem Tode, zu gedenken,.^Däs ist jetzt geschehen. V^ir freuen! uns.dieser e^len, pietätvollen Tat aufrichtig. Das jüdische 'Jf^j^.^ch^ xüid es lebt noch der alte Idealismus. Xylstfrhait wackeren Mannet und